Brühl

Im Interview Yvonne Weber stellt im katholischen Pfarrzentrum ihr Buch „A bis Z – von Alltagsabenteuern und Zettelwirtschaft“ vor

Leben ohne den erhobenen Zeigefinger

BRÜHL.Yvonne Weber ist in der Hufeisengemeinde schon bekannt, aber noch nicht so ganz, wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Das kann sich am Donnerstag, 14. Februar, 19 Uhr, im katholischen Pfarrzentrum in der Hauptstraße 17, schlagartig ändern. Dort gewährt die Germanistin und Kunsthistorikerin einen Einblick in ihr neuestes Werk „A bis Z – von Alltagsabenteuern und Zettelwirtschaft“ und serviert einen amüsanten Querschnitt aus ihren bisherigen Veröffentlichungen. Wir sprachen mit Yvonne Weber über ihr Leben, und ihr Schaffen.

Ihre Sprachfärbung ist nicht wirklich hier in der Region angesiedelt?

Yvonne Weber: (lacht) Ich bin in Essen geboren – hört man das wirklich noch?

Sicher, das ist sympathisch und lässt aufhorchen – das sollten die Gäste bei ihren Lesungen ja schon – oder?

Weber: Klar, wer gut zuhört, der kann viel herauszuhören aus meinen Texten: kleine versteckte Weisheiten vielleicht, Wahrheiten oder Hinweise. Aber immer mit Schmunzelcharakter, der erhobene Zeigefinger ist meine Sache nicht. Aber wenn meine Texte zum Nachdenken anregen – dagegen habe ich nichts.

Wer neu ist, keine Ihrer bisherigen Präsentationen kennen lernen konnte, was empfehlen Sie dem?

Weber: (lacht herzlich) Vorbeikommen, zuhören, mit mir reden. Ich habe gerne den direkten Kontakt zu meinen Gästen.

Wer Sie schon einmal in Aktion erlebt hat, der kommt also wieder?

Weber: Na, das hoffe ich doch! Es gibt da immer wieder Neues, was mir tagtäglich über den Weg läuft. Und –schwupps – ist ein Text daraus entstanden. Manchmal aus einer winzigen Beobachtung aus dem Augenwinkel heraus. Mal ein Gedicht, mal eine kleine Geschichte. Bei der Lesung gibt’s auch Überraschungen, also noch nicht Veröffentlichtes. Ansonsten hatte ich tolle Unterstützung bei meinen Buchprojekten, die vom Künstler Bernhard Apfel oder der Kalligrafin Bärbel Schulz verschönert wurden. Da hatte ich großes Glück. Das neuste Büchlein „Von Alltagsabenteuern und Zettelwirtschaft“ ist auch in der Zusammenarbeit mit Bärbel entstanden – das ist schon das dritte mit ihr.

Diese Büchlein, wie Sie sie nennen, sind auf vielfältige Weise besonders, von zwei unterschiedlich Kreativen produziert …

Weber: … Sie spielen darauf an, dass wir jedes einzelne Exemplar selbst binden? Sicher, das gibt eine sehr persönliche Note und schon auch ein wenig Exklusivität – schließlich kann man die Büchlein nur bei unseren Lesungen erwerben. Immer ein Unikat ist dabei der Buchdeckel, der als Original einzeln beschrieben wird. Zudem ist auch der Inhalt etwas Besonderes. Im aktuellen Buch geht es um die versteckten Alltagsdinge, Stimmungen, Belanglosigkeiten, die oft gar nicht wahrgenommen werden. Solche Beobachtungen speichere ich schon ganz automatisch ab – und dann werden sie in Worte gepackt und aufgeschrieben.

Sie spielen mit Worten, setzen sie akzentuiert in Folgen, die sie amüsant vortragen. Wer aber ist der Mensch Yvonne Weber?

Weber: Na, das merkt man – hoffentlich – bei meinen Lesungen. Der Mensch und die Texte sind nämlich nicht voneinander zu trennen. Vor 56 Jahren bin ich im Ruhrpott geboren worden und immer noch gerne dort, weil die Menschen dort so herrlich direkt sein können. In die Kurpfalz kam ich wegen der guten Hotelfachschule. Das war nämlich meine erste berufliche Ausbildung. Da lernt man beobachten, kann ich Ihnen sagen! Aber da war noch der Wunsch, noch einmal zu studieren, der war immer unterschwellig da. Und dann habe ich – mit über 30 – gleich drei Fächer studiert: Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Germanistik, weil ich schon immer gerne geschrieben habe. Der Uni Heidelberg bin ich als Lehrstuhlsekretärin erhalten geblieben – halbtags, aber meine Leidenschaft für alle möglichen Themen, die lebe ich in meinen Texten und den Lesungen daraus.

Klingt nach der Erfüllung?

Weber: Ich bin sehr zufrieden und glücklich. Ein wunderbarer Partner an meiner Seite, zwei verschmuste Katzen, ein gemütliches Fachwerkhäuschen, das zum kunstvoll-kuscheligen Heim geworden ist – und dann noch meine Zuhörer, die mir immer tolle Rückmeldungen auf meine Texte und Lesungen geben. Wie sollte ich mich da beschweren?

Wieder in Brühl – was verbinden Sie mit der Hufeisengemeinde?

Weber: Ich freue mich sicher am allermeisten auf die Lesung dort. Keine Beschränkungen auf ein Thema, wobei ich mich besonders freue, mein neues Büchlein vorzustellen. Da kann ich so richtig aus dem Vollen schöpfen. Da wird es Gedichte, Geschichten, Limericks, Tautogramme und mehr geben. Einfach, was ich mir aus dem Weber-Schreib-Kosmos raussuche – da bin ich selber mal gespannt. Aber, ehrlich gesagt, neugierig sollten die Menschen eigentlich aus meiner Lesung herausgehen. Neugierig auf ihre Mitmenschen, auf Neues, auf das Leben.

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