Brühl

Villa Meixner Fee Badenius und Pianist Johannes Still verzaubern ihr Publikum / Intensive Atmosphäre schafft besonders Erlebnis

Lieder voller Herzblut und Biss

Archivartikel

Brühl.Sie ist eine Meisterin im feinen Spiel mit Worten und Noten. Sprachverliebt verzaubert sie ihr Publikum in der Villa Meixner durch spaßig-süße Texte und ihre sympathische Art. Zugleich stecken hinter Fee Badenius’ Liedern auch zuweilen spitzzüngig-subtile Inhalte, die sich aber immer in harmloser Verkleidung in die Gedankengänge einschleichen. So entsteht eine ganz besondere Mischung, bei der die Künstlerin – nur von ihrem Pianisten Johannes Still begleitet – im „Wohnzimmer der Gemeinde“ ihren einzigartigen Charme ausspielen kann.

Auch die Künstlerin selbst scheint von dieser heimeligen Atmosphäre des Veranstaltungsortes angetan und beschränkt sich minimalistisch auf ihren Pianisten als „Band“ – übrigens erstmals und, wie sie verrät, ungeprobt als Duo auf der Bühne. Aber, was heißt, da, sie beschränke sich auf den Pianisten. Still ist ein Meister der Begleitung, der kraftvoll unterstützt, sich immer wieder auch zurücknimmt, um mit kleinen Verzierungen, die auch Fee Badenius oftmals überraschen, den Songs eine zusätzlich spielerische Note zu geben. Das Zusammenspiel der beiden Musiker ist ein wunderbarer Genuss.

Inzwischen zum Model gereift

Badenius’ Songs changieren von derb bösen – übrigens wegen der gehörigen Portion Selbstironie sind sie dennoch nicht verletzend (der von ihr Besungene in „Was habe ich nur geliebt an deinem Gesicht“ mag das eventuell anders sehen, doch auch er wird in der Nachmoderation als inzwischen zum Model gereift bezeichnet) – über ernst melancholische bis hin zu feinsinnig leichten Stimmungen. Eines eint die Lieder aber doch: Es sind Lieder mit ganz viel Herzblut, die das Publikum sofort gefangen nehmen.

Ein Gewinn des Abends ist die lebhafte und im direkten Kontakt mit dem Publikum schlagfertige Moderation von Fee Badenius. Kumpelhaft und doch mit enormem Tiefgang berichtet sie spritzig aus ihren Leben, verrät, wie man in ihrer Wahlheimat Witten zur Zwiebelkönigin werden kann („Dieses Amt ist nicht ganz so leicht zu bekommen wie das einer Verteidigungsministerin“) oder vom „zauberhaft innigen Moment“, als ihr als Waldorflehrerin ein Schüler, nachdem sich ihre Nase vom Schnupfen etwas schuppte, sagte: „Du, Frau Badenius, du schimmelst.“ Und so nennt sie auch ganz nebenbei zwei Gründe, weshalb man überhaupt Lehrer werden will. Entweder man mag Kinder oder man korrigiert gerne andere.

Zuckersüß singt sie über Kompromisse, die man für den Geliebten und die wahre Liebe seines Lebens eingehen kann, fügt aber am Ende selbstbewusst hinzu: „Wenn du das von mir verlangst, muss dir klar sein, dass du mich mal kannst!“

Zärtliche Ausrufezeichen

Ein zärtliches Ausrufezeichen setzt sie, wenn sie Mut macht, gegen Vorurteile und Selbstzweifel, gegen soziale Klischees anzukämpfen, sich immer als Schmetterling zu sehen, auch wenn das buntschimmernde mehr innerlich zu finden ist. Lebensmut gibt da auch in einem anderen Lied die Zeile: „Los, trau dich und schwimm!“

Gänsehaut erzeugt Badenius, wenn sie ihrer im Frühjahr verstorbenen Mutter ein besonders intimes Lied widmet oder ihrem Kind, das noch irgendwo herumfliegt und noch nicht daran zu denken scheint, auf die Erde zu kommen, ein Liebeslied schenkt.

Immer wieder kokettiert sie mit ihrem Körperbau, auch wenn sie sagt, dass sie sich inzwischen mit ihm angefreundet habe. Frech-flott singt sie: „Ich geh mal meinen Körper formen, und performen“ mit der netten Erkenntnis: „Adipositas, wen interessiert so was. Der perfekte geometrische Körper ist die Kugel. Ist das nicht wunderschön, komm las uns essen gehen.“

Ihr Song „Fleisch(ess)lust“, längst zum Gassenhauer und Abgesang auf den eigenen Vegetarismus mutiert, sogar auf Platz eins der Viral Germany Charts, darf an diesem Abend nicht fehlen – er wird die Zugabe für ein begeistert applaudierendes Publikum.

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