Brühl

Nachruf Pionierin der bundesweiten Frauenselbsthilfegruppen nach Krebs, Emmy Becker, ist im Alter von 94 Jahren gestorben

Mit ihrer sanften Art hat sie für Erkrankte viel erreicht

Brühl.Sie war eine Frau, die vielen anderen Mut zum Weiterleben nach der Erkrankung gegeben hat – Emmy Becker (kleines Bild: Künkel). Bereits 1978 wurde von ihr als Gründungsmitglied mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe ein gemeinnütziger Verein mit dem Namen Frauenselbsthilfe nach Krebs ins Leben gerufen. Wie nun seitens des Vereins mitgeteilt wurde, ist die Brühlerin bereits am Donnerstag, 31. Januar, im Alter von 94 Jahren gestorben.

Emmy Becker wurde im Oktober 1924 in Ludwigshafen geboren. 1976 hatte Ursula Schmidt in dieser Zeitung zur Gründung der Interessengemeinschaft der Brustoperierten aufgerufen. „Ich möchte Ihnen meine Arbeitskraft zur Verfügung stellen.“ Mit diesem schlichten Satz, den die damalige Vorstandssekretärin des Großkraftwerkes Mannheim Becker an Schmidt richtete, begann für die engagierte Frau eine Lebensaufgabe. Sie wurde bald stellvertretende Gruppenleiterin in Mannheim.

Die Bewegung der Frauenselbsthilfe nach Krebs ging rasant nach oben und verbreitete sich über die gesamte Republik. Gründungsmitglied Emmy Becker arbeitete bis 1998 aktiv im Bundesverband mit. „Krebserkrankungen wurden damals einfach totgeschwiegen – so eine Krankheit hatte man nicht“, erinnerte sich Emmy Becker vor vier Jahren bei ihrem 90. Geburtstag. Zusammen verkörpern die Frauen eine Generation, die kämpfte und viel erreichte.

Emmy Becker war in ihrer sympathischen, dennoch beharrlichen Art jahrzehntelang aktiv am Aufbau von Selbsthilfegruppen beteiligt, leitete den gesamten Schriftverkehr. Von den Pionierinnen wie ihr wurden nach und nach zwölf Landesverbände gegründet, außerdem rief Becker 1980 eine Gruppe für den Bereich Brühl-Schwetzingen ins Leben. Der bereits vor einigen Jahren gestorbene Carl-Heinz Becker, der Ehemann von Emmy, half seiner Frau aktiv bei ihren vielfältigen Arbeiten. Er brachte sich als Kassier im Bundesverband ein.

Als zweite Vorsitzende des Bundesverbandes der Frauenselbsthilfe nach Krebs wurde Emmy Becker im Oktober 1985 von der Sozialministerin Barbara Schäfer mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. 1989 erhielt sie vom Hartmannbund der Ärzte Deutschlands die Hartmann-Thieding-Medaille, 1990 die „Goldene Ehrenplakette“ des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, 1991 wurde sie Ehrenvorstandsmitglied des Bundesverbandes der Frauenselbsthilfe. Von den Kommunen Brühl und Schwetzingen wurde sie für ihr Engagement ebenfalls hoch geehrt.

Ab dem Jahr 1981 wurde unter ihrer Federführung ein Leitfaden für alle Gruppenleiterinnen der Frauenselbsthilfe nach Krebs erstellt, damit die Arbeit in Deutschland einheitlich durchgeführt werden konnte. zg/ras

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