Brühl

Angelsportverein Mitglieder bieten Forellen und Beilagen zum Verkauf an / Liste der Besteller ist lang / Rezeptur der Einlegeflüssigkeit bleibt ein Geheimnis

Nach 45 Minuten kommt das „Gold“ aus dem Rauch

Brühl.Pellkartoffeln, ein warmes Brötchen, knackiger Salat, Meerrettichsahne, Butter, eine Scheibe dunkles Brot. Alles Zutaten für ein schmackhaftes Mahl mit der Hauptzutat: Räucherforelle. In der Warteschlange mit Corona-Abstand am Vereinsgelände des ASV Brühl 1965 läuft den Abholern schon das Wasser im Mund zusammen. Der würzige Geruch, der sich rund um das Vereinsgelände ausbreitet, tut ein Übriges dazu.

Auf der Terrasse mit Blick zum See herrscht reges Treiben zwischen heißem Räucherofen, Hängeregalen mit frischen und schon „gerauchten“ Fischen sowie dem Tisch, an dem Sportwart Sascha Herm die goldgelben Fische in Papier verpackt. Fast im Akkord schlingt und faltet er die Papierbögen um die vielen Forellen, die immer einzeln verpackt werden, auch wenn sie an diesem Samstag im Zweier- bis 16er-Pack über die improvisierte Freilufttheke verkauft werden.

Schon seit dem Vortag aktiv

Die Liste der Besteller ist lang. ASV-Chef Stefan Schäfer schaut noch einmal drüber. Er und sein „Räucherteam“ sind seit dem Vortag aktiv für den Gaumenschmaus: „Wir bekommen zu jedem Räucherevent den frischen Fisch freitags vom Mannheimer Fischhandel Pacific“, schildert Schäfer. Sind die frischen Fische in Brühl angekommen, werden sie geputzt, ausgenommen und gewaschen.

In großen Wannen ist bereits die Einlegeflüssigkeit vorbereitet, in der die Forellen eine Nacht lang baden dürfen. Die Rezeptur, die verschiedenen Gewürze, bleibt natürlich geheim, das macht ja das unnachahmliche Aroma aus: „Aber Salz ist immer dabei“, verrät der Vereinschef schmunzelnd.

Das Lachen fällt ihm und seinen Vereinskollegen immer schwerer, denn die ausgefallenen Feste und Bratfisch-Verkäufe ab März dieses Jahres haben die Vereinskasse schwer schrumpfen lassen: „Die laufenden Kosten für das Vereinshaus und die Geländepflege bleiben ja aber“, erklärt der passionierte Angler, wie die Covid-19-Pandemie auch hier ihre tiefen Einschnitte hinterlässt. Deshalb ist man seitens der Angler froh, wenigstens die Räuchertage, die seit 2011 stattfinden, unter Auflagen durchführen zu können, um die Kasse ein wenig zu sanieren, die laufenden Kosten zu decken.

Fisch nun jeden Monatsanfang

„In diesem Jahr, wegen Corona, haben wir schon im September zum ersten Mal Räucherfisch hergestellt“, sagt Schäfer, denn in „normalen“ Jahren wäre man damit erst im Oktober gestartet. Bis einschließlich März 2021 gibt es die eiweißreiche Spezialität mit den gesunden Omega-3-Fettsäuren jetzt immer am Monatsanfang, bestellt wird schon bei der aktuellen Räucheraktion für die kommende am Samstag, 7. November, ab 10 Uhr.

Mit Haken versehen hängen die Angler jeden einzelnen Fisch an die Querstäbe, die passgenau in die Schienen im Ofen gehängt werden. Eine Menge Handarbeit. Gesund ist Fisch, aber der hohe Salzgehalt aus der Lake? „Dann gibt es die Kartoffeln dazu halt ohne Salz“, ist in der Warteschlange die einhellige Meinung, dass man mit den Beilagen da ausgleichen kann. Wie man mit viel Rauch „Gold“ macht, wie es der Räuchermeister Horst Klawitter nennt, ist harte Arbeit. Die Temperatur muss gehalten werden, gerade während des Trocknens bei 25 Grad Celsius im hohen Räucherschrank, das gut zwanzig Minuten dauert. Danach geht es ans Eingemachte: Alle fünf Minuten muss Klawitter nachfeuern und frisches Buchenmehl in die Schublade unterhalb der Hängefische geben. Schweißtreibend, das goldfarbene Ergebnis entschädige jedoch für die Mühe, wie er sagt.

Die Temperatur muss bei etwa 60 bis 70 Grad Celsius gehalten werden, gut 45 Minuten lang. Dann kommt das „Gold“ aus dem Rauch und nicht nur auf heimische Tische. „Unsere Forellen werden auch verschickt“, erzählt Schäfer stolz, dass sie eingeschweißt den Weg nach Kiel, Bayern, Hamburg und schonmal nach Spanien finden: „Befreundete Brühler schicken auf Bestellung den Fisch dorthin und lösen damit viel Freude aus.“

Für den Gaumenschmaus steht das Team schon früh auf, denn ab etwa drei Uhr am frühen Morgen wird alles gerichtet für den Räuchertag. Die Mitglieder scheuen auch Frosttemperaturen nicht: „Da mussten die Fische aus der Lake und im Raum abtropfen, weil sie draußen gefroren wären“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende.

Viel Einsatz für Essensfreude, das Angelhobby und das Aufrechthalten des Traditionsvereins über die derzeitigen Corona-Einschränkungen hinaus, was die Abholer und Genießer honorieren: „Die haben es hier einfach drauf mit den Gewürzen und der Räucherdauer – so lecker bekommt man Räucherforellen nirgends“, stellt Rainer Schmitt fest, während die Wartenden zustimmend nicken.

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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