Brühl

Konzert Katholische Gemeinde feiert Gottesdienst mit Premiere von „Vox Bruwelensis“

Nah an christlichem Ursprung

Archivartikel

Brühl/Ketsch.Absolute Stille: Keine Glocke läutet beim Einzug, keine Orgel ertönt bei der Feier vom Leiden und Sterben Christi in der Schutzengelkirche. Der Karfreitag ist aus christlicher Sicht ein außergewöhnlicher Feiertag, an dem der Kreuzigung und Grablegung Jesu gedacht wird. Und als Ausdruck dieses Leidensweges verstummt die ansonsten an Feierlichkeit und musikalischer Lobpreisung reiche katholische Gemeinde, während Pfarrer Erwin Bertsch und Diakon Heiko Wunderling mit den Ministranten das Kirchenschiff betreten, um sich kurz darauf als Zeichen äußerster Demut und Hingabe vor dem Altar auf dem Boden hinzustrecken.

Es ist ein im Kirchenjahr einmaliger Gottesdienst, und er ist in diesem Jahr gleichzeitig die öffentliche Geburtsstunde eines ebenso ungewöhnlichen Chorprojekts der katholischen Gemeinde Brühl/Ketsch. Mit der „Vox Bruwelensis“ (lateinisch: „Stimme Brühls“ – „Bruwele“ gilt als die historische Schreibweise der Hufeisengemeinde) hat Kirchenmusiker Jens Hoffmann eine weitere ambitionierte Schola ins Leben gerufen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, regelmäßig besondere Gottesdienste der Gemeinde mit gregorianischem Gesang zu begleiten.

„Musik oftmals fremd“

„Wir wollen langfristig etwa zweimal im Quartal auftreten“, gibt Jens Hoffmann die Richtung vor. „Dabei ergänzen wir die katholische Liturgie durch eine ganz ursprüngliche christliche Musik. Für die Gottesdienstbesucher, aber auch für uns selbst, ist das also eine ganz neue Erfahrung. Für heutige Zuhörer ist die Musik nämlich oftmals fremd.“

Die Stimmen der fünf Sänger wirken tatsächlich zunächst etwas ungewohnt im großen Kirchenschiff, als sie erstmals zum Antwortgesang „Domine exaudi“ erklingen. Leiter Jens Hoffmann ist Teil des kleinen Chors und übernimmt einige der besonders anspruchsvollen Stellen. Die gregorianische Musik, ganz ohne Begleitung durch Instrumente und immer mit einer tiefen, gläubigen Komplexität ausgestaltet, ist so völlig anders, als es moderne Hörgewohnheiten erwarten.

„Der Karfreitag bietet sich gerade deshalb so für gregorianische Gesänge an, weil es eine ruhige Musik ist, die zu den vielen stillen Momenten an diesem Tag passt“, ist Diakon Heiko Wunderling von dem Auftritt begeistert. Aus seiner Sicht ist „Vox Bruwelensis“ ein großer Gewinn für die Kirchengemeinde, die bereits über eine weitere Schola und mehrere andere Chorprojekte verfügt. „Mit einer derartigen musikalischen Begleitung erhalten unsere Messfeiern einen ganz besonderen Rahmen“, so Diakon Wunderling.

Die gregorianischen Gesänge des neuen Chorprojekts können Interessierte dabei ausschließlich bei Gottesdiensten erleben – ganz der klassischen Tradition einer Schola verbunden, absolvieren die Mitglieder keine reinen Konzert-Auftritte. „Wir halten uns auch ansonsten möglichst nah an die Tradition“, erklärt Kirchenmusiker Jens Hoffmann. „Unser Repertoire umfasst ausschließlich gregorianische Gesänge. Dabei erarbeiten wir die Stücke auch mit alten Handschriften und nähern uns so den komplexen Texten ausführlich. Das ist wichtig für das Erlernen von Neumen – also speziellen Symbolen für die Interpretation gregorianischer Musik – und der Psalmodie – dem Singen von Psalmen nach ganz besonderen Regeln.“

Mit diesem anspruchsvollen Ansatz will Hoffmann den Gottesdienstbesuchern eine Ergänzung zu den Chorprojekten bieten: „Es soll eine gewisse Vielfalt an Musik geben. Und Gregorianik ist eben die Wiege der christlichen Choralmusik.“ beju

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