Brühl

Rohrhöfer Göggel Beim Heringsessen wird die Fasnacht zu Grabe getragen / Präsident Christian Nordheim dankt für Engagement – spricht aber auch Kritiker an

Narren läuten Zeit der Entbehrungen ein

Brühl.Allenthalben fließen am Aschermittwoch die Tränen bei den Narren und Jokusjüngern, die Prinzessinnen und Prinzen tauschen ihre Roben gegen Trauerkleidung, das offene Lachen wird zum Schluchzer hinterm vorgehaltenen Schnupftuch – die fünfte Jahreszeit ist vorüber, die Insignien der Narretei werden vergraben, ruhen bis zur Auferstehung am 11. November dieses Jahres im Grab.

In der gesamten Region feiern die Karnevalvereine den Aschermittwoch mit einem emotionalen Abschied von der allzu kurzen Kampagne 2017/2018. Wir haben exemplarisch die Rohrhöfer Göggel besucht und geschaut, wie das ganz besondere Adieu bei ihnen zelebriert wird.

Mit feuchten Augen tragen die Aktiven rund um Präsident Christian Nordheim und Ehrenpräsident Gerhard Luksch den Sarg ins Vereinslokal beim SV Rohrhof. Bedrückt sind die Mienen aller – rein offiziell. Die Insignien der Macht der Vertreter des Narrengottes Jokus auf Erden: Die Präsidentenkappe, die Präsidentenkette, eine Maske der Göggel, ein ausgewaschener Geldbeutel finden ihre letzte Ruhe. Mit viel Trara werden der Fasnacht Fürbitten für eine grandiose neue Kampagne 2018/2019 mit ins Dunkel der Kiste gegeben. Stehend erweisen alle Göggel „ihrer“ Fasnacht die letzte Ehre, setzen sich zum Leichenschmaus nieder – Hering und Pellkartoffeln gibt es, auch das hat Tradition, soll den Weg zum Verzicht in den Fastentagen ebnen.

Die beiden Prinzessinnen – Vanessa III. aus dem Zahlenmeer und Celia I. von Feuer und Flamme – danken mit kleinen Präsenten allen, die ihnen geholfen haben, ihren ganz individuellen Traum zu verwirklichen. Im Umkehrschluss gibt es eine Bilderschau der Kampagne für sie, die doch das ein oder anderer Tränchen in die Augenwinkel treibt.

Göggel-Präsident Christian Nordheim jedoch blickt zurück und erhebt auch den mahnenden Zeigefinger: „Unsere Kampagne nach dem vorhergehenden 55-jährigen Jubiläum schien im Vorfeld eine ganz normale für unsere „Göggelfamilie“ zu werden, kurz, aber mit dem kompletten Göggel-Programm versprach sie sehr viel Spaß aber auch viel Arbeit und Anstrengung.“ Besonders freut er sich über die vielen neuen Elferräte der letzten Jahre, die die „Göggelfamilie“ tatkräftig unterstützen, damit alle Veranstaltungen mit Bravur gemeistert werden können. Auch an die „alten Hennen und Hähne“, die immer da sind, wenn es was zu arbeiten gibt, richtet er Dankesworte, die er nahtlos auf den Senat, den Jugendelferrat und die Goggelzunft ausweitet. Persönlich spricht er die Trainer und Betreuer an, die das gesamte Jahr über im Einsatz sind – immerhin liefern die Garden und Solisten das „gewisse Etwas“ jeder Fasnachtsveranstaltung.

Negative Töne klingen an

Nicht zuletzt stehen Vanessa III. und Celia I. im Licht der Betrachtung: Unterschwellig wird deutlich, dass es einige negative Töne in den letzten Wochen der abgelaufenen Kampagne gab. Seine Betonung liegt durchweg direkt auf dem Wort „Göggelfamilie“, dem er große Bedeutung beimisst, es in seiner Bedeutung für Einzelne allerdings auch in Frage stellt. „Ich bin für jede Kritik offen, jedoch sollte die auch konkretisiert geäußert werden“, sagt er. Er wünsche sich, dass jeder in sich ginge, und überlege: „Was bedeutet der Begriff ,Göggelfamilie’ für jeden Einzelnen? Was bin ich bereit der Göggelfamilie zu geben? Bin ich bereit konstruktive Kritik zu akzeptieren und zu geben?“ Er selbst stehe zur Göggelfamilie und freue sich auf den Kampagnenstart mit dem Nachtumzug im Januar – mit einer „hoffentlich vereinten und harmonischen Göggelfamilie“, der dieser Titel auch zustehe.

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