Brühl

Kernzeitbetreuung 28 Jungen und Mädchen beziehen ihren neuen Raum im Alten Schulhaus / Kommune stemmt Investition allein

Nur der Notausgang ist noch provisorisch

Brühl.„Ja, das ist wirklich gut geworden“, sagt Maria Ruprecht, die Leiterin der Hort- und Kernzeitbetreuung an der Jahnschule, als sie sich im Zimmer umsieht. In den vergangenen Wochen wurde der frühere Raum des Musikvereins Bläserakademie im Alten Schulhaus umgestaltet, um der zweiten 28-köpfigen Gruppe der Kernzeitbetreuung ein neues Heim zu bieten. Im Gegenzug wanderten die Musiker ins Pfarrzentrum, wo die Kinder bislang übergangsweise untergebracht waren. „Das ist jetzt die bessere Lösung“, zeigt sich Ruprecht überzeugt. Und auch der Zweitklässler Felix, der im neuen Hortraum betreut wird, stimmt kurz mit einem Nicken dem Urteil Ruprechts zu, bevor er sich wieder in die Spielecke stürzt.

Mit dem neuen Raum im ersten Stock des historischen Schulgebäudes und dem im benachbarten Mittleren Schulhaus haben aktuell knapp 60 Kinder in der Kernzeitbetreuung der Jahnschule einen Platz. Der Hort mit drei Gruppe à 20 Kindern ist komplett im Mittleren Schulhaus zu finden. Damit beherbergt das Alte Schulhaus aktuell die Küche und die Mensa für Hort und Kernzeit, den neuen Gruppenraum sowie Vereinsräume der „Kollerkrotten“ im ersten Stock, die des Modelbauclubs und der Tanzsportclubs im Keller. Mit letzteren sieht Ruprecht wenig Probleme.

Doch angesichts sicherlich weiter steigender Nachfrage nach Betreuungsangeboten außerhalb des Unterrichts und der für nächstes Jahr erwarteten Novellierung des Bundesgesetzes für die Ganztagsbetreuung der Schüler, richten sich nun wohl auch die Blicke auf die Karnevalisten-Kammer. „Über kurz oder eher lang wird das Alte Schulhaus wohl nur noch der Kinderbetreuung dienen“, ist sich Ruprecht sicher. Inzwischen nutzen immerhin fast drei Viertel der Erstklässler in der Jahnschule die Betreuungsangebote, „das ist ein Rekord“, sagt die Leiterin. Und Benjamin Weber, im Rathaus für Kinder, Familien und Senioren zuständig, blickt in die Zukunft: „Die Tendenz ist weiter steigend!“

Gemeinde setzt auf Qualität

In beiden Betreuungsangeboten für die Jahnschüler sind 120 Jungen und Mädchen gemeldet, die von 16 Mitarbeitern versorgt werden – vom Küchenteam bis zur ausgebildeten Erzieherin. Während es für die Hortgruppen klare gesetzliche Vorgaben gibt, sind die Formulierungen bei der Kernzeitbetreuung noch eher lax. „Wir haben aber in Brühl schon immer Wert auf Qualität gelegt“, betont Weber und erntet ein zustimmendes Nicken von Ruprecht. In den Ratsgremien habe es nie eine Diskussion gegeben, weil pro Gruppe eine ausgebildete Erzieherin tätig ist – dies fordern die Vorschriften nicht. Das hat aber natürlich seinen Preis, den allerdings nicht die Eltern tragen müssen. Es gibt für die Betriebskosten zwar einen Zuschuss des Landes, doch die Kommune hat für diese Freiwilligkeitsleistung immer noch tief in die Tasche zu greifen, berichtet Weber, „gute Betreuungsangebote für Kinder sind immer ein Defizitgeschäft“.

Kein Geld gibt es hingegen für die Investitionen in die Gruppenräume, sagt Weber. Doch das ist nicht der Grund für das aktuelle Provisorium Notausgang. Ein Betreuungsraum benötigt immer einen zweiten Ausgang, der in diesem Fall mit einer Freitreppe hin zum Pausenhof geschaffen wurde. Allerdings ist das Metallkonstrukt bislang noch aus Gerüstteilen zusammengezimmert.

Denkmalschutz bremst aus

Der Grund ist der Denkmalschutz, denn beim 1884 eingeweihten Backsteinbau inmitten des historischen Schulkomplexes kann man nicht irgendeine Treppe anbringen – sie muss dem historischen Stil des Hauses treu bleiben. „Bis dieses Kunststück gelöst ist, bleibt das Provisorium“, erklärt Benjamin Weber.

Im Innern wurde Endgültiges geschaffen. Der neue Raum wurde komplett saniert, das Parkett aufgearbeitete, die Heizkörper verkleidet, Leitungen neu verlegt, ein Waschbecken installiert, eine Tür zur Nottreppe eingebaut, die Wände gestrichen und Mobiliar angeschafft. Auch, wenn der Bauhof mitgearbeitet hat, musste die Gemeinde viel Geld in die Hand nehmen. „Das ist es uns aber wert“, bekräftigt Weber. ras

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