Brühl

Ortsgeschichte Vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg / Heimatverein erinnert in seiner Schrift an die Opfer der Bombenangriffe

Schrecken erreicht die Gemeinde

Von Ralf Strauch

Brühl. Der Zweite Weltkrieg begann vor 80 Jahren mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Knapp 60 Millionen Menschen verloren während des sechs Jahre dauernden Krieges ihr Leben. Die ersten deutschen Bomben im Zweiten Weltkrieg fielen auf die polnische Klein-stadt Wielun. In einer „Ortsschell’“, der ortgeschichtlichen Schriftenreihe des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege, wird nun an die Jahre des Schreckens gedacht.

Denn auch in Brühl forderte der Krieg seinen Tribut – nicht nur an den Fronten, sondern auch im Ort selbst waren Tote zu betrauern: die Opfer der „Heimatfront“. Dieser Begriff ist ein Schlagwort der Nationalsozialisten zu Propagandazwecken. Es sollte die Verbundenheit zwischen den Soldaten an den Fronten und der Zivilbevölkerung in der Heimat stärken. Propagandaminister Joseph Goebbels benutzte ihn für seine Rede vom „totalen Krieg“ und vom „Kampf an allen Fronten“.

Umfangreiche Recherchen

Diesen Folgen des Luftkrieges zwischen 1939 und 1945 hat der Heimatverein sein Heft mit den Erinnerungen an die Ereignisse der Kriegsjahre gewidmet.

Umfangreiche Recherchen im Gemeindearchiv sowie in Luftbildarchiven ermöglichen einen umfassenden Einblick in diesen Aspekt des Zweiten Weltkrieges, soweit Brühl, Rohrhof, die Schwetzinger Wiesen und die Kollerinsel betroffen waren. „Zahlreiche Brühler haben uns in den zurückliegenden vier Jahren dabei mit Fotos, Dokumenten und Fundstücken unterstützt“, erklärt Vereinsvorsitzender Dr. Volker Kronemayer.

Meldungen zur Luftlage wurden in den Jahren des Zweiten Weltkrieges zum täglichen Begleiter der Menschen. Davon blieben auch Orte wie Brühl, denen keine kriegswichtige Bedeutung zugemessen wurde, nicht verschont. Denn letztlich geriet auch die Rheingemeinde durch die Aktionen der Nazis in den Fokus der alliierten Bomberverbände.

Aber der Luftschutz, um die Menschen auch in Brühl zu bewahren, war, wie die Heimatschrift unterstreicht, keine schnelle Reaktion auf den Kriegsbeginn. Bereits 1932 war in der Verfügung der Badischen Regierung die Bildung von Luftschutzbeiräten empfohlen worden.

Wohl auf Grund der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg ist die Gemeindeverwaltung bereits 1934 in der Lage, eine umfangreiche Aufstellung der in Brühl, Rohrhof und der IG-Siedlung in Frage kommenden Keller vorzulegen, die sich für den Ausbau zu Luftschutzräumen eignen.

Viele Opfer zu beklagen

Doch die hätten wohl wenig gebracht, wenn die Luftmine, die 1941 auf Brühl fiel, explodiert wäre. Aber dieser Blindgänger war nicht allein. Detailliert beschreibt die „Ortsschell’“ die einzelnen Luftangriffe, auch auf den Scheinbahnhof auf der Kollerinsel. Die Schrift informiert auch unter Einbeziehung von Zeitzeugenberichten von den Schrecken des Luftkrieges und das trotzige Aufbäumen gegen den damaligen Feind – auch an den Flakstellungen. Zudem über Flugblättern der Alliierten, die über Brühl abgeworfen wurden.

Bei Kriegsende spricht die Statistik Bände: „17 Luftangriffe; 2 Minen, 74 Sprengbomben, 965 Brandbomben, 16 sonstige Abwurfmittel; gefallen sind 2 Männer und 1 Frau (Zivilisten), 7 Jungen; verletzt wurden 1 Polizist, 5 Männer und 5 Frauen (Zivilisten),1 Mädchen; Fehlanzeige bei Ausländern und Kriegsgefangenen. 18 Wohnhäuser wurden total zerstört, 163 schwer beschädigt, 16 mittelschwer und 498 leicht.“ So die Bilanz des Schreckens über Opfer des von Deutschland ausgegangenen Krieges. Mit Hilfe des Personenregisters im Anhang der „Ortsschell’“ können die Leser gut nach dem Schicksal ihrer Familienangehörigen suchen.

Die „Ortsschell’“ wird in der Bücher Insel in Brühl und beim Heimatverein am nächsten Öffnungstag des Heimatmuseums am Samstag, 7. Dezember, zwischen 15 und 17 Uhr für 4 Euro verkauft.

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