Brühl

60plus Neuntklässler wagen sich an ein anspruchsvolles Projekt / Lesung führt Christentum, Judentum und Islam zusammen

Schüler suchen Weg zum Frieden zwischen Religionen

Archivartikel

Brühl.Ein anspruchsvolles Projekt nahmen die Neuntklässler an der Schillerschule unter dem Titel „Ohne Euer Mitleid wird die Welt zerfallen“ in Angriff. Zusammen mit der Aktionsgruppe 60plus machte sich die Klasse mit ihrem Lehrer Patrick Jacob auf die Suche nach dem Frieden der Religionen.

Drei Migranten – Ahmad, Ayat und Viktoria, zwei Muslime und eine Christin – hatten sich schon vor Ostern auf eine Lesung mit 60plus vorbereitet. Doch die Prüfungen, das herannahende Ende des Schuljahrs warfen die ursprünglichen Pläne über den Haufen. Motiviert von ihrem Lehrer trafen sich die Vorleser in den Rollen von Mohammed, dem Religionsgründer, und Abrahams Söhnen, Ismael und Isaak. Die beiden waren durch ihren Vater getrennt worden, begruben ihn aber gemeinsam.

Autor und Regisseur Helmut Mehrer will mit seinem Text die Frage aufwerfen, ob das Werk der Barmherzigkeit der drei Protagonisten ein Vorbild für die unverzichtbare Zu-sammenarbeit von Christen und Muslimen sein könne. Die drei dargestellten Personen treffen in Auschwitz bei der Selektion auf der Rampe zusammen – Tod sofort oder durch Unterernährung bei härtester Arbeit und dünner Kleidung im kalten Winter. Dann aber auch die Frage, wie ein so beispielloses Verbrechen durch ein kulturell so hochstehendes Volk wie das der Deutschen verübt werden konnte.

Schließlich kommt auch der Bezug zur Gegenwart: „Was müssen wir tun, um einen weiteren Holocaust zu verhindern?“ Die Antwort des fiktiven Mohammeds: „Denkt und fühlt mit anderen. Ohne Euer Mitleid wird die Welt zerfallen.“

Verständnis füreinander und Anerkennung standen auch am Ende dieser besonderen Geschichtsstunde: Die aufmerksame Klasse spendete viel Beifall und lobte einmütig die Leistung ihrer drei Mitschüler: „Sie haben sehr gut gelesen, die Rollen abgewechselt, das ist nicht leicht und sie haben gezeigt, dass wir Respekt voreinander brauchen.“

Patrick Jacob stimmte ihnen zu: „Das Thema der Lesung war für Vorleser und Zuhörer sehr anspruchsvoll, passte aber hervorragend zu den im Geschichtsunterricht behandelten Themen Erster Weltkrieg mit der Hölle von Verdun und dem durch das NS-Regime verursachten Holocaust an den europäischen Juden.“ sr/ras

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