Brühl

Geschäftsleben Pro-Seniore-Residenz testet Videospiel-System / Training für Motorik und Geist

Senioren erobern die Konsole

Archivartikel

Brühl.Videospiele sind nur etwas für Kinder? Quatsch! In der Pro-Seniore-Residenz in der Mannheimer Straße spielen mittlerweile sogar die Senioren. Natürlich hüpfen sie nicht mit Super Mario durch die Welt und ballern auch nicht auf den Kriegsschauplätzen der Geschichte um die Wette. Die Bewohner des Seniorenheims tun etwas für ihre Gesundheit.

Bei dem Spiele-System handelt es sich um die Memorebox des Hamburger IT-Start-ups Retrobrain. Die simpel gestalteten Spiele sind leicht zu bedienen und sollen sowohl die geistige Leistungsfähigkeit als auch die Motorik unterstützen. Fünf ausgewählte Standorte von Pro-Seniore testen gerade, ob ihre Bewohner von dem Gerät profitieren können und ob diese überhaupt Lust aufs Spielen haben, erklärt Residenzberater Carsten Sauder. Natürlich brauche es eine gewisse Eingewöhnungszeit: "Unsere Bewohner sind eben nicht, wie zum Beispiel ich selbst, mit Videospielen aufgewachsen", so der Diplom-Pädagoge, "ihre Generation hatte früher einen anderen Zeitvertreib." Trotz anfänglicher Berührungsängste seien die Erfahrungen sehr positiv. "Wir wollen allen Bewohnern die Möglichkeit geben, die Memorebox auszuprobieren", berichtet Sauder im Gespräch mit unserer Zeitung, "einige haben Probleme mit der Koordination, viele andere spielen immer wieder sehr gerne."

Xbox als Grundgerüst

Die Technik der Memorebox basiert auf der Spielkonsole Xbox von Microsoft. Verbunden mit dem Zusatzgerät Kinect hat der Benutzer die Möglichkeit, seine Spielfigur rein über Gesten zu steuern. Möglich machen das Kamera und Tiefensensor. Zur Auswahl stehen den Senioren vier verschiedene Spiele: Sie können Kegeln, Tischtennis spielen, Motorradfahren und Zeitungen austragen - wie in den USA per Wurf über den Zaun. Ob Aufschlag, Kurvenneigung oder Weitwurf: Die Gestensteuerung macht das Spielerlebnis zu einer körperlichen Erfahrung. Wem die Bewegungen nicht mehr ganz so leicht fallen, dem hilft ein Betreuer. "Bei Spielen ist immer auch ein Mitarbeiter dabei", versichert Carsten Sauder. Die Memorebox weiß genau, wer gerade spielt. Die Senioren melden sich auf dem Gerät an und können so ihre Fortschritte abspeichern. Der Schwierigkeitsgrad passt sich dabei an die Fähigkeiten des Spielers an. Denn es geht nicht darum, besonders schwere Nüsse zu knacken: Die Spieler sollen Erfolgserlebnisse haben und ihre Fitness trainieren - motorisch wie auch geistig.

Die Idee für das Spielesystem kam den Firmengründern während ihres Studiums. In Anbetracht einer immer älter werdenden Gesellschaft, die mit Demenz und körperlicher Gebrechlichkeit zu kämpfen hat, wollten sie den düsteren Zukunftsaussichen einen Lösungsweg gegenüberstellen. Dass Videospiele in diesen Bereichen gute Dienste leisten können, war bereits erwiesen - Retrobrain gaben dem Ganzen ein Konzept, das - mindestens bis zum Ende der Woche - auch in der Hufeisengemeinde für Freude sorgt.

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