Brühl

Schutzengelkirche Jens Hoffmann führt mit dem Kammerchor „Ars Nova“ und Solisten die „Johannespassion“ von Heinrich Schütz auf

Sie packen das Leiden Christi in ihre Musik

Archivartikel

Brühl.Für den Auftakt der Konzertreihe „Musik zu Tod und Auferstehung – Kirchenmusik in der Karwoche und an Ostern“ hat der Kirchenmusiker Jens Hoffmann die „Johannespassion“ des Barockkomponisten Heinrich Schütz (1585 – 1672) ausgewählt. Mit Chor und Solisten kam sie in der Schutzengelkirche zur Aufführung.

Es ist das zweite Projekt von „Ars Nova“, einem Chor, der durch den Wegfall des Kirchenchores im Oktober 2017 ins Leben gerufen wurde. Das damalige Versprechen, mit dem neuen Ensemble ein hochwertiges Angebot in der Seelsorgeeinrichtung zu schaffen, wurde somit mehr als eingelöst. Denn die zwölf Sängerinnen und Sänger brachten den biblischen Text in einer Eindringlichkeit zur Geltung, die die Zuhörer packte und sie förmlich ins Geschehen hineinzog. Der reine A-cappella-Gesang erforderte von ihnen eine lupenreine Intonation und perfekte Textverständlichkeit, Herausforderung, der sich die Musiker gerne stellten.

Wie im Beiblatt zu lesen war, vertonte Schütz die biblische Geschichte sechs Jahre vor seinem Tod, ist somit ein Werk des Alters und der Reife, das von hohem musikalischen und handwerklichen Anspruch zeugt. Erstmals erklang sie am Karfreitag 1666 mit der Überschrift „Das Leiden unsers Herren Jesu Christi, wie uns das beschreibet der heilige Evangeliste Johannes“. Dabei verzichtete der Komponist auf musikalische Zutaten jeglicher Art. Für den heutigen Hörer ist diese Musik in ihrer Reduktion eine außergewöhnliche musikalische Erfahrung.

Wandlungsfähige Tenorstimme

Als Evangelist sang Benedikt Schwarz mit heller wandlungsfähiger Tenorstimme den Passionsbericht. Dem Text entsprechend gestaltete er besonders bedeutsame Passagen mit viel Hingabe, mit wachsendem Stimmvolumen, der in die Höhe stieg und den Kirchenraum füllte. Textstellen wie „Weib, siehe, das ist dein Sohn“, „Mich dürstet“ oder die abschließenden Worte der Passion „Und neigte das Haupt und verschied“ trafen das Innere der Zuhörer. Mit seiner sonorem Bassstimme hauchte Michael Leiderizt den Worten Jesu nachfühlbares Leben ein.

In allen Lagen gut verständlich führte er mit dem Evangelisten die Zuhörer durch die Leidensgeschichte Jesu. Von der Gefangennahme über die Vernehmung vor Hannas und Kaiphas mit der Verleugnung des Petrus, über die Begegnung von Jesus mit Pilatus, bis zu Geißelung und Verspottung führte der Weg zu Jesu Verurteilung, Kreuzigung und Tod. Anderen Soli-Passagen verliehen die Chorsänger Lukas Ruckelshausen als Petrus, Byungyong Joo als Pilatus und Cosima Grabs als Magd ein ganz besonderes Profil.

Was den Aufbau betrifft, setzte der Chor die textlichen Vorgaben im Sinne von Heinrich Schütz glaubhaft in musikalische Schwerpunkte um. Durchweg war er als Volk präsent, um vor allem dessen Häme und explodierende Aufgebrachtheit musikalisch die Botschaft zu übermitteln: Der Einzelne trägt ebenfalls Verantwortung für sein Tun. Eindringlich forderten die Sänger anstelle Jesu Barabbas zu kreuzigen. Als demütiges Gebet fiel schließlich das musikalische Dankopfer „O hilf, Christe, Gottes Sohn“ aus.

Zwischenspiel mit Arciliuto

Das gesamte Passionsgeschehen wurde durch drei instrumentale Zwischenspiele unterbrochen. Damit unterstreicht Dirigent Jens Hoffmann sein Konzept, den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, die Leidensgeschichte beim besonderen Klang der Arciliuto, einer historischen Laute mit verlängertem Hals, auf sich wirken zu lassen.

Mit unglaublich differenzierter Gestaltungsweise brachte die Lautistin Susanne von Oz Werke von Zeitgenossen des Komponisten Heinrich Schütz zu Gehör, darunter Giovanni Girolamo Kasperger (1580 – 1651) und Pietro Paolo Melli (1579 – 1632) und holte somit die Barockzeit in die Gegenwart.

Insgesamt gelang dem Dirigenten und seinem Ensemble eine schlüssige und packende Darbietung, die am Ende mit einem herzlichen, absolut verdienten Beifall belohnt wurde.

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