Brühl

Tierseuche Kabs bittet um Unterstützung im Kampf gegen Vogelsterben / Mehrere Fälle in Gemeinde

Tote Amseln am Leimbachweg

Archivartikel

Brühl.Allein im Bereich des Leimbachwegs und der Bachstraße haben Anwohner in den vergangenen Wochen fünf tote Amseln festgestellt. Außerdem wird von zwei Vögeln berichtet, die orientierungslos sowie entkräftet herumgeflattert seien und keine natürlichen Fluchtreflexe mehr zeigten. Sofort wurden die offensichtlich kranken Tiere in der Gemeindeverwaltung gemeldet, denn schnell kam der Verdacht auf, dass die Vögel Opfer des Usutu-Virus sein könnten.

„Mit dem Verdacht lagen die Anwohner sicher richtig“, bekräftigt Dr. Norbert Becker, Wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Region um die Hufeisengemeinde, Schwetzingen und Ketsch gehöre aktuell zu den Zentren dieser für Vögel lebensgefährlichen, ursprünglich tropischen Krankheit. Aber wieso beschäftigt sich die Kabs mit dem Usutu-Virus? Die Viren werden von Stechmücken übertragen, erklärt Becker.

Begünstigt vom heißen Sommer

Diese Viren wurden von der Kabs und dem Bernhard-Nocht-Institut erstmals 2010 in den sogenannten Hausmücken nachgewiesen. Die Viren seien für Menschen relativ ungefährlich, versichert der Experte. Bei Vögeln allerdings führten die Infektionen zum Tod. Vor sieben Jahren kam es zu einem Massensterben von Vögeln im Oberrheingebiet, vorwiegend waren Amseln, aber auch Sperlinge, Stare und weitere Vögel betroffen. „Zurzeit ist erneut ein Massensterben in manchen Regionen zu verzeichnen“, so der Wissenschaftler. Man geht davon aus, dass der warme Sommer die Ausbreitung des ursprünglich exotischen Virus begünstigt hat.

Die Kabs registriert und untersucht diese Fälle zusammen mit dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und dem Naturschutz, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern und entsprechende Gegenmaßnahmen zu empfehlen. Die Aktionsgruppe bittet daher, tote Vögel, die wahrscheinlich an Usutu gestorben sind, bei Becker zu melden. Diese Vögel werden zur weiteren Untersuchung von den Wissenschaftlern eingesammelt, können ihnen aber direkt zugeschickt werden.

Dabei rät Becker allerdings vorsichtshalber die Vögel nur mit Handschuhen oder sonstigen Schutzmaßnahmen anzufassen und direkt in einer Tüte zu verpacken. „Nur mit der Beteiligung der Bevölkerung können wir die Probleme mit Usutu bewältigen“, appelliert Becker an Unterstützung. ras

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