Brühl

Rathausgalerie Gabriele „Ela“ Ludwig-Krahl stellt ihre Bilder unter dem Titel „Natur im Blick“ aus / Wehmut der Vergänglichkeit

Unbändige Kraft des Wassers

Brühl.Ein Besuch des Rathauses während der Öffnungszeiten wird derzeit versüßt, weil man bis Ende Juni bei Wartezeiten in den Ämtern oder einfach so die 40 ausdrucksstarken Bilder von Gabriele „Ela“ Ludwig-Krahl „Natur im Blick“ anschauen kann. Und wer möchte, taucht regelrecht ab in die vielschichtigen Gemälde, in die Natur, die die Künstlerin in ihrer ganzen Schönheit festgehalten hat.

„Ich habe einen engen Bezug zur Natur“, erklärte die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem das Wasser, die Ufer, auch die Bollwerke an der Nordsee, die Wellenbrecher sind ihre Motive. Das Haus ihrer Großmutter stand direkt am Deich, dort erlebte sie schöne Zeiten im Bann der Naturgewalten.

Im Kleinformat beeindruckt die Abbildung ebenso wie in den Großformaten, die dazu einladen, Details zu finden. Acryl und Leinwand, feines oder grobes Büttenpapier, dazu Kreide für Akzente, manchmal Sand oder Stoff für dreidimensionale Strukturen sind die Werkzeuge Ludwig-Krahls, die für spannungsreiche Bilder sorgen. Der Eindruck entsteht, man sei als Anschauender selbst in die Dynamik einbezogen, die sich in den Wasser- oder Gartenwelten offenbart.

Drang nach realer Darstellung

Die studierte Lehrerin für Deutsch, Französisch und Kunst, Jahrgang 1952, unterrichtete 36 Jahre. In dieser Zeit, in der zudem die Familie im Fokus stand, verlor sie ihr Faible, die Malerei, nie aus dem Blick, entwickelte sich künstlerisch stetig weiter. Ein drei Jahre dauerndes Fernstudium der Kunstgeschichte sorgte für weitere Verständnistiefe.

Zurück zu den Bildern: lässt man sich auf deren Farbkraft ein, lässt die Gedanken wandern in die Blickrichtung der Kunstschaffenden, ergründet sich der Drang nach realer Darstellung, aber auch das schiere Erstaunen über die Spielweisen der Natur, die „Ela“, wie Ludwig-Krahl ihre Bilder signiert, kreiert. Gegensätze fängt sie ebenso ein, wie Harmonien, Gleichklang, die beruhigend wirken wie ein Tag am Meer.

Dennoch erscheint die temperamentvolle Malart der Pinselführerin in allen Werken, selbst in den Kleinformaten steckt viel Bewegung, ist die unbändige Energie der Natur greifbar. Desgleichen gilt für die Weite, die scheinbar keine Grenze kennt, die auf „Vlakke Land“ ihren Ausdruck findet. Grenzenfrei macht diese Weite die eigenen Grenzen bewusst, führt zum Innehalten. Beeindruckt von der Biennale in Venedig, dem dortigen Giardini, kreiert Ludwig-Krahl ein Reihe von Arbeiten, die farbintensiv die wohltuende Entspannung einfangen, die die Künstlerin dort erlebte.

Entschleunigende Wirkung

Abstrakt ist die Sonne in gelben Flächen, die Blüten in rosafarbenen und weißen Flächen zu finden. Dazwischen erheben sich Grün die Bäume, deren Konturen die Malerin wiederum mit Kreide andeutet. Zu all der positiven Ausstrahlung, der entschleunigenden Wirkung der Bilder gesellt sich die Wehmut der Vergänglichkeit, des Kampfes der Natur ums Überleben, zu finden in der Gegenüberstellung des steten Wasserflusses an sich dadurch abreibenden, leblosen Steinbrocken.

Zur Vernissage waren die Familie, viele Schulkollegen, Künstlerfreunde, Wegbegleiter und Interessierte gekommen. Die Kunsthistorikerin Aloisia Föllmer schilderte lebhaft den Werdegang der Künstlerin und wagte eine Erklärung der Art des Schaffens und der Werke.

Bürgermeister Dr. Ralf Göck verlieh seiner Freude Ausdruck mit Gabriele Ludwig-Krahl und ihren Werken wiederholt eine hochkarätige Ausstellung im Rathaus präsentieren zu können.

Für die musikalischen Akzente sorgten Elias Drozd am Piano und Nick Kannewurf am Schlagzeug – beide Schüler der Musikschule Klangfabrik.

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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