Brühl

Ehrenbürger Zum 100. Geburtstag von d’Ormesson

Unermüdlich für Europa

Archivartikel

Brühl.In diesen Tagen, genau am 5. August, kurz nachdem die Welt des 100. Geburtstags von Nelson Mandela gedacht hat, haben die Brühler guten Grund, sich an Olivier d’Ormesson zu erinnern, ihrem einzigen französischen Ehrenbürger. Über 50 Jahre lang, von 1947 bis 1998, hat er die Geschicke Ormessons geleitet, der Stadt, die seinen Namen trägt. Die Partnerschaft hat er 1977 in der Mitte seiner Amtszeit mit seinem Brühler Kollegen Gerhard Stratthaus geschlossen. Inzwischen geht sie in ihr fünftes Jahrzehnt.

Seine mitreißenden Reden, die regelmäßig mit „Vive l’Allemagne, vive la France, vive l’Europe“ endeten, brachten Glanz in die Begegnungen der beiden Schwesterstädte. Manche fragen sich, wo heute die Politiker seiner Kraft und Überzeugung geblieben sind. In unserer Zeit, in der Frankreichs Präsident Emmanuel Macron von den meisten EU-Ländern gebremst wird, braucht Europa Politiker wie ihn dringender denn je.

Verständigung und Verantwortung

Unermüdlich hat Olivier d’Ormesson bei seinen Landsleuten und hierzulande für die gemeinsamen Ziele der Europäer geworben: Versöhnung in den ersten Jahren, dann Verständigung und schließlich Verantwortung für die Zukunft.

Dass dabei Frankreich und Deutschland eine besondere Verantwortung zukommt, hat er im-mer wieder betont. Sogar in seinem Ruhestand hat er nicht nur die Weltpolitik weiter beobachtet, sondern auch die Entwicklungen in Brühl und Ormesson genau verfolgt.

Appell an Brühler Gäste

Seine Gedanken hat er 2011 in einem Appell an zwei Brühler Gäste zusammengefasst. Ein politisches Testament: „Unsere beiden Städte und Nationen hegen heute Sympathie füreinander. In unserer globalisierten Welt gibt es aber neue Herausforderungen: Terrorismus, Hungerkatastrophen und die Bedrohung des Weltklimas. Um sie anzupacken, ist die Sympathie, die zwischen uns beiden besteht, ein Erfolgsfaktor erster Ordnung. Bleiben wir Freunde, damit alle, die uns sehen, begreifen, dass ein Geist gegenseitigen Einverständnisses notwendig ist, um die Zukunft der Menschen und Völker zu sichern. Ihnen allen sagen wir: ,Werdet Freunde, wie wir es geworden sind!’“ sr/zg

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