Brühl

Sanitäre Anlagen Behindertenbeauftragter Rudi Bamberger informiert über den Euroschlüssel

Unkompliziert und schnell

Brühl.„WC-Anlagen sind oft ein Tabuthema“, sagt Rudi Bamberger, Behindertenbeauftragter der Gemeinde, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dann holt er seinen Euroschlüssel aus der Tasche. „Dabei ist es eine Tatsache, dass 90 Prozent der Leute, die schwerbehindert sind, schnell auf die Toilette müssen“, meint er. Dafür gibt es eben diesen Euroschlüssel – einen Einheitsschlüssel, der es europaweit Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ermöglicht, selbstständig und kostenlos Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen zu erhalten. In Brühl kann etwa die behindertengerechte Toilette am Messplatz mit diesem Schlüssel geöffnet werden.

„Das System ist unkompliziert: Alle Leute mit Behinderung können sich melden und bekommen dann gegen eine Gebühr von 23 Euro, die den Selbstkostenbeitrag abdeckt, den Schlüssel ausgehändigt“, erklärt Bamberger. Eine Kassenleistung sei der Euroschlüssel aber nicht. Eingeführt wurde er im Jahr 1986 vom „Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt“.

Aufs Thema aufmerksam machen

„In Brühl leben über 2000 Menschen, die einen Behinderungsgrad von mehr als 60 Prozent haben und damit als schwerbehindert zählen“, betont der Behindertenbeauftragte. „Die Tendenz steigt, weil die Menschen immer älter werden. Deshalb muss es auch generell mehr behindertengerechte sanitäre Anlagen geben. Mir wurde zum Beispiel zugesagt, dass bald im Rathaus eine gebaut wird. Die sollten auch sehr hygienisch sein, denn gerade Menschen, die zum Beispiel kathetern müssen, brauchen besonders reinliche Toiletten.“ Das Thema bekäme einfach immer noch viel zu wenig Aufmerksamkeit. „Es gibt auch zu wenig Behindertenbeauftragte – im ganzen Rhein-Neckar-Kreis gibt es nur mich und einen Kollegen in Heidelberg“, fügt Bamberger hinzu.

Leider seien Diskriminierung und Indiskretion gegenüber Menschen mit Handicap noch immer ein Thema. „Man ist immer noch ein Exot. Täglich werde ich von fremden Menschen gefragt, wieso ich im Rollstuhl sitze und wann das wieder wird. Das nervt und ist respektlos. Es ist besser, die Leute einfach nicht auf ihre körperliche Behinderung anzusprechen“, rät er. Man solle mit den Menschen immer auf Augenhöhe sprechen. „In meinem Fall ist es deshalb nett, sich im Gespräch zu setzen oder auch mal in die Knie zu gehen. Wenn ich die ganze Zeit aufschauen muss, fühle ich mich wie ein Kind“, meint Bamberger. Außerdem solle man mit und nicht über ihn sprechen, schließlich seien Menschen mit Behinderung auch nur Menschen. „Es ist schön, wenn signalisiert wird, dass man bereit ist, zu helfen. Trotzdem sollte man die körperlich Beeinträchtigten so viel wie möglich selbst machen lassen.“ caz

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional