Brühl

Informationstreffen Nutzer der Wiesenlandschaft in den Rheinauen wollen mehr Verständnis füreinander wecken

Unwissenheit ein Ende setzen

Archivartikel

Brühl.„Für ein gutes Miteinander in den Rheinauen“ – unter diesem Motto stand ein öffentliches Treffen im Rathaus. Die Rheinauen sind das beliebte Naherholungsgebiet am Rande der Hufeisengemeinde und haben großen Anteil an deren Lebensqualität. Wiesen, Wälder, Uferbereiche und Wasserflächen sind nicht bloß die grüne Lunge von Brühl, sondern auch Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna.

So ist es kaum verwunderlich, dass sich jeden Tag zahlreiche Besucher in den Rheinauen aufhalten. Doch mit vielen Menschen gehen oft auch viele Nutzungsmöglichkeiten einher, die manchmal einander im Weg stehen können.

Mit- statt gegeneinander

„Warum gegeneinander und nicht miteinander?“, fragt Hundebesitzerin Jasmin Stanka, die den Anstoß für das Treffen gab. Denn was fehle, sei die Kommunikation untereinander und das Interesse füreinander, bedauert sie. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Ralf Göck wollte sie Vertreter der verschiedenen Gruppen, die alle einen Nutzen in den Rheinauen haben, an einen Tisch bringen.

Es sind viele Gruppen, die an diesem Abend an einem Tisch saßen und zusammengebracht werden sollen: Unter ihnen waren Landwirte, Angler, Reiter, Jäger, Hundebesitzer, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger. Diskrepanzen gibt es insbesondere zwischen den beruflichen und privaten Nutzungen. Wer geht beispielsweise wem aus dem Weg, wenn einem Spaziergänger ein Traktor entgegenkommt? Die Landwirte stören sich vor allem an den Massen von Hunden in den Rheinauen. „Die Hundebesitzer fühlen sich frei und lassen ihre Hunde von der Leine“, schildert Landwirt Hartmut Erny. Weniger Einzelhunde, sondern eher die Hundeschulen, die sich unberechtigterweise dort aufhielten, seien dabei das größte Problem.

Das sind Auswüchse, die Göck eindämmen möchte. Erny hofft zukünftig auf mehr Unterstützung von amtlicher Seite, denn er selbst sei oftmals mit Aggression konfrontiert, sobald er die Hundebesitzer auf das Fehlverhalten anspreche. Spaziergänger Klaus Tremmel aus Ketsch stimmt zu: „Ermahnen ist heutzutage schwierig geworden.“

Die Erklärung dieser Problematik geht tief in die Psyche des Menschen: Sofern kein Interesse an anderen Perspektiven besteht, lebt man nach seiner Sicht und hält diese für die richtige. Die Konsequenz ist, dass sich jeder im Recht fühlt, aufgrund von Unwissen über andere Sichtweisen. „Dieser Unwissenheit müssen wir ein Ende setzen“, betont Göck im Verlaufe der Gespräche.

Dazu entwickelte er mit Stanka die Idee, Führungen vor Ort anzubieten. Dabei soll jeweils ein Vertreter der verschiedenen Interessengruppen je eine Führung in den Rheinauen an typischen Stellen durchführen – so könnte man Verständnis füreinander entwickeln. Göck hält es für nachhaltiger, wenn die Menschen die Konflikte aus eigener Motivation heraus bewältigen, als wenn das Ordnungsamt permanente Wache in den Wiesen schiebe.

Zuständigkeiten genau klären

Die Unwissenheit bestehe auch an anderen Stellen – viele Nutzer sind sich der Unterschiede zwischen Naturschutzgebiet, das sich unmittelbar am Rhein befindet, und Landschaftsschutzgebiet nicht bewusst. Auf diese Unterschiede weist Stanka zu Beginn in einer Präsentation hin, in der ebenfalls das genaue Gebiet der Rheinauen gekennzeichnet ist. Da das grüne Juwel nicht bloß von Brühl, sondern auch von Ketsch, Mannheim und Edingen-Neckarhausen eingegrenzt ist, wird bei der Bevölkerung eine Frage laut: „Wer ist für welchen Teil zuständig?“ Die Zuständigkeitsbereiche will Göck genauer kommunizieren.

Aus dem Abend geht jedoch hervor, dass es auch viele schöne Begegnungen gibt. Hundebesitzerin Sabine Schlusinger hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht. „Man begegnet mir hauptsächlich freundlich und ich komme oft nett ins Gespräch“, sagt sie. Von Verboten hält sie nicht viel: „Die Motivation, miteinander auszukommen, muss von den Menschen selbst ausgehen.“

Auch Reiterin Daniela Rettich betont den guten Umgang miteinander – wenn sie Radfahrern erklärt, dass sie nicht hinter einem Pferd klingeln dürfen, erfahre sie nur verständnisvolle Bemerkungen.

Stanka zeigt sich gegen Ende zuversichtlich: „Es ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vonstattengeht, aber wir haben alle das Konzept verstanden“, hält sie ihr Schlussplädoyer.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional