Brühl

Literarisches Duett Buchempfehlungen für die Weihnachtszeit

Vom aufregenden Leben in Manhattan

Archivartikel

Brühl.Der Lockdown hat auch einzelne positive Aspekte – zwar nur wenige, aber es gibt sie. Und einer ist, dass jetzt mehr Menschen zu Büchern greifen, um die langen Abende zu verschönern und zumindest Kopfreisen zu unternehmen. Das Literarische Duett aus Brühl – Dagmar Krebaum und Barbara Hennl-Goll – hat für Kurzentschlossene noch drei Weihnachtslesetipps zusammengestellt. Zwar haben die Buchhandlungen – und da ist wieder ein negativer Aspekt – derzeit für Kunden nicht geöffnet, doch bei den lokalen Händlern kann man auch bestellen und sich die Literatur liefern lassen.

„Annette, ein Heldinnenepos“: In dem Buch „Annette, ein Heldinnenepos“ würdigt die aktuelle deutsche Buchpreisträgerin 2020, Anne Weber, die Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir aus der Bretagne, die heute 97 Jahre alt ist, der sie selbst vor Jahren persönlich begegnete.

Mit im Alter von 19 trat Anne Beaumanoir der Résistance bei, rettete zwei jüdischen Jugendlichen das Leben und wurde dafür in Israel geehrt. Später unterstützte sie im Algerienkrieg die Unabhängigkeitsbewegung FNL und wurde dafür in Frankreich zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach abenteuerlicher Flucht gelangt sie nach Tunesien und später nach Algerien, wird Teil der ersten unabhängigen Regierung und muss nach einem Staatsstreich wieder flüchten. Es geht in dem Buch um nicht weniger als die deutsch-französische Geschichte, um eine Grundlage Europas. Erschienen ist das Buch beim Verlag Matthes & Seitz, es kostet 22 Euro.

„Die Unzertrennlichen“: Der zweite Buchtipp ist vom vielfach ausgezeichneten Stuart Nadler verfasst. Ein hochkomischer, exzellent geschriebener Roman über drei Frauen, Tochter, Mutter und Großmutter, die immer weiter im Chaos ihres Lebens versinken. Großmutter Henriette fürchtet die Wiederauflage ihres Kultbuches aus den 1960er Jahren, ein feministischer Beitrag zum prüden Leben in Amerika, ihre Tochter Oona hat sich gerade von ihrem dauerbekifften Mann getrennt und deren Tochter Lydia wurde wegen kursierender Nacktfotos von der Privatschule suspendiert. Notgedrungen müssen die drei sich der Frage stellen, welche Rolle die Familie spielt, wenn es mal hart auf hart kommt. Eine berührende und mitunter hochkomische Familiengeschichte, bei der man oft sehr laut lachen muss. Das Buch ist vom Verlag Kiepenheuer & Witsch für 11 Euro auf den Markt gebracht worden.

„City of Girls“: Von Elizabeth Gilbert stammt das dritte Buch. Das Leben ist wild und gefährlich. Nach einer Jugend in der Provinz und dem Rausschmiss aus dem College stürzt sich die 19-jährige Vivian kopfüber in das aufregende Leben Manhattans der 1940er: Musicals, Bars, Jazz und Gangster. Um jede Ecke biegt eine neue Liebe, erst recht im Lily Playhouse, dem sympathisch heruntergekommenen Theater, für das sie Kostüme näht. Das absolut glänzende Porträt einer einzigartigen Frauenfreundschaft gibt es vom Fischer Verlag für 16,99 Euro. zg/ras

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