Brühl

Festhalle Mit der rasanten Mundartkomödie „Druff un dewedder“ eröffnet das Theater Hemshofschachtel die Herbst-Winter-Saison der Gemeinde

Vom Weichei zum Frauenschwarm

Archivartikel

Brühl.„Ach Gott, ach Gott, saachamol, do kennscht bucklig wärre mit dem ganze Dreck, den sie mir dolosse, die meene grod ich hätt nichts Besseres zu tun ... ach, guckamol doo, was is dann des, a Schlofwandle im Büro, sowas han ich noch nie gsehe ...“ Sie ist schon eine resolute Person, die „Putzfraa“ Roswitha Fertig (Maria-Louise Mott) der Inkasso-Firma „Reibach-Management“. Das merkt man in der Art, wie sie kurz nach Mitternacht im Büro auftaucht und auf den schnarchenden Angestellten Hans Baum (Dieter Dlugosch) trifft.

„Der verdient praktisch sei Geld im Schlof“, kommentiert sie süffisant. Und sie hat tatsächlich Besseres zu tun, als den Müll zu sortieren. Nachdem sie Hans überredet, nach Hause zu gehen („Sie brauche doch Ihren Schlof vor Mitternacht“), macht sie sich an ihre „Lieblingsarbeit“: in den Akten schnüffeln, Briefe umschreiben, um denen auf die Sprünge zu helfen, die es in ihren Augen auch wirklich verdienen. Denn längst hat sie Wind bekommen von den anrüchigen Geschäften ihres Chefs Otto Brammer (in bester Form Jörg Bendel), der das Vermögen seiner Kunden veruntreut.

Neben Geld gilt Brammers Interesse den Frauen, besser gesagt, den beiden Vorzimmerdamen Jessica (Jasmin Bachmann) und Natalie (Teresa Limp). Zurzeit ist Natalie seine Flamme, Jessica hat er abserviert, doch die ist darüber gar nicht verärgert, schaut sie sich bald schon nach neuen Liebhabern um. Dabei fällt ihr Blick auf „Hansi“. Sie findet den unterwürfigen und altmodischen Büromenschen zwar lächerlich, doch reizt sie der Gedanke, ihn zu erobern.

Giftige Pfeile in Richtung Natalie schießt sie trotzdem ab. Deren Idee, mit Frühgymnastik die Mitarbeiter fit für den Büroalltag zu machen, findet sie überhaupt „net luschtig“. Doch gerade den Entspannungsübungen ist es zu verdanken, dass es im Büro „druff und dewedder“ geht, denn Hansi fällt so unglücklich auf den Kopf, dass er beim Aufwachen ein vollkommen anderer Mensch ist: strahlend, selbstsicher und sexy.

Hansi hat plötzlich Mut

Er macht Frauen an, rennt nicht mehr los, wenn alle nach Kaffee und Croissants rufen. Am spektakulärsten ist jedoch sein Mut, dem Chef die Wahrheit schonungslos ins Gesicht zu schleudern: „Ja“, sagt er, „Sie treiben es mit den weiblichen Angestellten, veruntreuen das Geld der Kunden und flattern eiligst davon, wenn ein Geprellter Rechenschaft verlangt.“ Dem Chef bleibt die Luft weg: „Wo kommen wir hin, wenn plötzlich jeder sagt, was er denkt!“ Einer der Geprellten ist Fritz Obermeier (herrlich schwadronierend Gerd Rohrbacher), ein Feinkost-Großhändler („Schampus, Kaviar und Wachteleier, alles nur von Obermeier“), der sich mit Brammers Frau Irmgard (Angelika Kleinschmidt) verbündet, um den „Saustall auszumisten“.

Diese bunte Schar Menschen sind die Protagonisten der rasanten Mundartkomödie „Druff un dewedder“, mit der das Ludwigshafener Theater Hemshofschachtel am Freitagabend in der fast ausverkauften Festhalle glanzvoll die Herbst-Winter-Saison eröffnete. Das Stück aus der Feder Rudy Kupferschmitts und in der Regie von Andreas Assanoff lebt von den authentisch nachgezeichneten Figuren, dargestellt von einem großartigen Ensemble. Glanzpunkte sind stets die Auftritte von Marie-Louise Mott, die das Publikum mit deftigen Sprüchen und geistreichem Witz verwöhnt. Dieter Dlugosch mimt herrlich überzogen die Verwandlung vom tollpatschigen Hansi zum Frauenheld.

Gelungen auch, wie Jasmin Bachmann als zickige Jessica zu verstehen gibt, dass sie genau wisse, wie viel Leichen ihr Chef im Keller habe. „Echt? Wirkliche Leichen? Das ist doch schrecklich“, ruft Teresa Limp als blondes Dummchen Natalie entsetzt aus. Überzeugend spielt Angelika Kleinschmidt Ottos Ehefrau, die nicht mehr betrogen sein will: „Ohne mein Geld und den blauen Pillen in der Schublade stellst du sowieso nichts dar“, sagt sie erbost und verpasst ihm einen Schlag auf den Hinterkopf. Der wirkt wie bei Hansi, nur dass Ottos Verwandlung ihn in die „Klapsmühl“ befördert. Und das Ende kommt ziemlich anders als erwartet.

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