Brühl

Kolpingfamilie Pastoralreferent Fabian Frank gestaltet einen Gottesdienst im Freien und spricht über Konjunktur und Konsum / Erste Veranstaltung nach dem Lockdown

Vom Wert der Arbeit zur Zeit Kolpings und heute

Brühl.Er war gut besucht, der Gottesdienst im Pfarrgarten, zu dem die Kolpingfamilie am vergangenen Mittwochabend eingeladen hatte. Darüber freute sich Teamsprecher Gerhard Zirnstein, denn bei schönstem Sommerwetter und unter freiem Himmel konnten auch unter den aktuell geltenden Auflagen die Besucher durchatmen.

Zirnstein bedankte sich zunächst in seiner Begrüßung bei Fabian Frank für die Gestaltung des Wortgottesdienstes, gleichzeitig gratulierte er ihm zu seiner Entsendung als Pastoralreferent nach Ketsch, die vor kurzem Weihbischof Dr. Peter Birkhofer im Freiburger Münster vorgenommen hatte. Im Anschluss hat die Gemeinde auch darauf angestoßen, da sie Corona-bedingt nicht am Gottesdienst in Freiburg teilnehmen konnte. „Die Kolpingfamilie wird im Namen der dort Ausgesendeten eine Spende für Peru machen, da die Menschen sehr unter der Corona-Pandemie zu leiden haben“, sagte Zirnstein und informierte, dass dieser Wortgottesdienst im Freien die erste Veranstaltung der Kolpingfamilie Brühl nach dem Lockdown ist, die natürlich unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln stattfindet.

Existenz auf Lohn gründen

„Welch ein Glück, dass wir hier uns heute im Freien als Gruppe versammeln dürfen, um gemeinsam zu feiern!“ Mit diesen Worten führte Fabian Frank ein in den Gottesdienst, der sich um das Thema „Vom Wert der Arbeit zur Zeit Adolph Kolpings und heute“ drehte. Damit nahm er eine Gruppe von Mitmenschen in den Blick, wie sie auch vor 150 Jahren Adolph Kolping in den Blick genommen hatte. Das waren „die von der Konjunktur abhängigen Industriearbeiter und viele andere Mitmenschen, die wiederum von Konjunktur und Konsumverhalten unserer Gesellschaft abhängig sind“. Einige von Kolpings Schriften passen nach Franks Sicht auch in unsere heutige Situation, in der viele Menschen bereits um ihre Arbeitsstelle fürchten, in Kurzarbeit sind oder ihre Arbeit sogar schon verloren haben. Um dies näher zu erläutern, zitierte der Pastoralreferent einen kurzen Auszug aus Kolpings Gedanken aus dem Jahre 1864: „Muss der Arbeiter seine ganze irdische Existenz auf die Arbeit und den Lohn gründen, welche ein anderer ihm gewähren muss, dann ist und bleibt er von seinem Arbeitgeber abhängig und seine Arbeit Gegenstand der Spekulation. Sie steigt und sinkt im Wert nach der steigenden oder sinkenden Nachfrage, wie es bei jeder Ware der Fall ist …“ In Deutschland muss kein Arbeiter seine ganze irdische Existenz auf die Arbeit und den Lohn gründen, welche ein anderer ihm gewähren muss, betonte Fabian Frank. Aber dennoch fürchten sich viele Menschen um ihre berufliche und damit auch ihre familiäre Existenz.

Staatliches soziales Netz

Freilich kann kein Vergleich gezogen werden zu dem sozialen Elend der Arbeiter im 19. Jahrhundert, „der Zeit, in der Kolpings Liebesdienst an den Menschen so wichtig war. Heute profitieren alle Menschen in Deutschland vom staatlichen sozialen Netz, dessen Weg Akteure wie Kolping bereitet hatten. Dennoch besteht hier Sorge, Angst und Unfreiheit. „Damals wie heute gilt: Der Mensch definiert sich durch Arbeit – es gehört zum Personalitätsprinzip unserer katholischen Soziallehre. Ich bin mündig und fähig, durch meiner Hände Fleiß für mein Auskommen zu sorgen und wenn mir das gut gelingt, bin ich zufrieden oder auch glücklich. Dies gehört zur Fülle des Lebens, die Gott für uns möchte.“

Gegen Wohlstand, so die Schlussfolgerung des Pastoralreferenten, wäre nichts einzuwenden, wenn er sich mit den Worten Jesus deckt: „Ich bin gekommen, damit alle Menschen das Leben haben, und es in Fülle haben.“ Dies könnte gelingen, so Frank in seiner Predigt, wenn nach Corona ein Umdenken stattfindet, „wenn wir auf ein Stück Wohlstand verzichten würden“. Vielleicht könnten dann alle Menschen ihr Auskommen haben und zufrieden und vielleicht glücklich sein „in einer grünen und gerechten Welt“.

Stimmig umrahmt wurde der Gottesdienst mit den Liedbeiträgen wie „Komm heil’ger Geist mit deiner Kraft“ oder „Sonne der Gerechtigkeit“, die Frank an der Gitarre begleitete. Vor den Fürbitten nahm der Pastoralreferent noch die Segnung der Kolping-Gedenksteine vor. „Das sind große Ziegelsteine mit einem K drauf“, erklärte Zirnstein im Gespräch mit unserer Zeitung, „wenn ein Kolpingmitglied verstirbt, werden diese am Grab niedergelegt.“

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