Brühl

Katholische Gemeinde Neue Kantorei und Kammerorchester Hockenheim lassen zum Osterhochamt die „Spatzenmesse“ erklingen

Wärmender Melodienteppich

Archivartikel

Brühl.Das Leben mit der Brille der Auferstehung zu betrachten, lautete der auffordernde Leitsatz, der über dem Hochamt zu Ostern am Sonntag in der katholischen Filialkirche St. Michael in Brühl-Rohrhof stand. Dem feierlichen Anlass entsprechend gestaltete die katholische Kantorei Brühl/Ketsch gemeinsam mit dem Kammerorchester Hockenheim den Gottesdienst mit der klangkräftigen Missa in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, besser als „Spatzenmesse“ bekannt.

Ganze Arbeit geleistet hatte Chorleiter Jens Hoffmann mit den fast 50 Mitgliedern der Kantorei. Seit Januar hatten diese sich konzentriert auf den ersten großen musikalischen Schlag im Hochamt vorbereitet. Kaum ein anderes Werk passte dafür so gut wie Mozarts Missa in C-Dur. Speziell zum Ostersonntag war die von dem Meister der Wiener Klassik komponiert worden. In Salzburg soll sie erstmals 1776 im Dom uraufgeführt worden sein.

Stringent und ohne melodienreiche Ausschweifungen entstand das Werk, das damit den Vorgaben des Fürstenbischofs für ein zeitlich überschaubares kulturelles Intermezzo während der Heiligen Messe entsprach. Ebenso prägnant und präzise vermittelte die Kantorei in Gemeinschaft mit dem Kammerorchester unter der Leitung von Robert Sagasser die Inhalte der Missa.

Über 400 Kirchgänger erlebten einen souveränen, punktgenauen Einstieg in ein klingendes „Kyrie“, das mit durchdringenden Posaunen und lebendigen Violinen nicht nur direkt ins Ohr ging, sondern die Seele berührte. Aufgegriffen wurde der emotional besetzte Ausdruck direkt im „Gloria“.

Formschön gleitende Passagen

Der klangstabile Lobpreis verwob die Harmonie aus Gesang und Instrumentalmusik zu einem wohlig wärmenden Melodienteppich, auf dessen Oberfläche feste Solo-Stimmen tanzten. Formschön gelangen die Wechsel zwischen gleitenden und akzentuierten Passagen, die Dynamik wurde beachtenswert durch Lautstärkewechsel reguliert.

Mit angenehmem Volumen entfaltet sich das Glaubensbekenntnis, das „Credo“, als eines der Hauptbestandteile christlicher Gottesdienste. Von der Empore herab erklang eine prächtige Einheit aus schimmernden Stimmen und leuchtenden Instrumenten, die im Verlauf der Heiligen Messe regelmäßig durch die Orgel ergänzt wurden.

Beim „Sanctus“ war unverkennbar, weshalb die Spatzenmesse ihren Namen verdient hat. Während die Pauken als stabile Basis dienten, bauten die Violinen darauf ein jubilierendes Haus, das in einem klingenden „Hosanna“ endete. Im Allegro deutlich zu hören waren die fröhlichen Zwischensequenzen der Streicher, die als Spatzengezwitscher interpretiert werden können.

„Wir feiern, was uns allen blüht: das Leben“, gab Pfarrer Erwin Bertsch mit auf den Weg. Diakon Heiko Wunderling rief dazu auf, stets die Perspektive der Auferstehung im Blick zu halten. „Sie schafft eine andere Lebensqualität, weil sie lehrt, mit Lasten und Leiden des Alltags umzugehen“, sagte er.

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