Brühl

Hochwasser Absperrungen werden von manchen Spaziergängern einfach zur Seite geschoben / Gefahr für die Wildtiere

Wenige Uneinsichtige reichen

Brühl.„Es wird wohl noch so acht bis zehn Tage dauern, bis das Wasser aus den Schwetzinger Wiesen abgelaufen ist“, erklärt Wiesenhüter Fritz Fichtner auf unsere Anfrage. Seit Dienstag hat er die Schließe beim Schneckengraben nahe Rohrhof geöffnet, seitdem rauscht dort das Wasser zurück in Richtung Fluss.

Doch die Schließe, direkt neben der Stelle, an der das Hochwasser den Sommerdamm überwunden hat, ist ein Engpass. So ergab sich gestern Mittag die Situation, dass das Wasser auf der flussabgewandten Seite des Sommerdamms 50 Zentimeter höher stand als auf der Seite zum Fluss. Doch das wird sich heute wohl nivellieren, prognostiziert Fichtner.

Er ist zufrieden, dass das Entwässerungskonzept der Schwetzinger Wiesen – wie bisher immer, wie er betont – gegriffen habe. Die Gräben führten das Wasser schnell und sicher in Richtung Schließe. „Wenn wir die Gräben noch ein wenig mehr hätten reinigen können, dann würde es noch besser klappen“, sagt er. Denn bereits jetzt vermutet er, dass am Ende des Hochwassers noch gut 20 Zentimer der braunen Brühe nicht abfließen, sondern in den Gräben zurückbleiben werden. „Diese letzten Zentimeter bereiten uns eigentlich die meiste Arbeit.“

Dass die Dammkrone beim Schneckengraben wieder vom Rheinhochwasser überflutet wurde, obwohl sie doch erst vor relativ kurzer Zeit saniert wurde, verwundert den Wiesenhüter nicht. „Das ist die tiefste Stelle des Sommerdamms – etwa 20 Zentimeter unter dem sonstigen Niveau.“

Probleme für den Winterweizen

Für die Landwirtschaft erwartet Fichtner keine allzu gravierenden Ausfälle. Es gebe zwar vier bis fünf Äcker mit Winterweizen, der nasse Wurzeln nicht gut vertrage, doch ansonsten dürften sich seinen Erwartungen gemäß die Schäden für die Landwirte in Grenzen halten.

So optimistisch ist Dieter Muley allerdings in seinem Bereich nicht. Der Jagdaufseher im Team von Walter Schleich rechnet auch bei diesem Hochwasser wieder damit, dass einige Rehe und viel Niederwild die Flut nicht überleben werden. Die Rehe, erklärt er, würden im Winter ihren kompletten Stoffwechsel herunterfahren. Da hätten sie nicht die Kraft, längere Zeit durchs Wasser mit all seinen Strömungen zu schwimmen. Das Ausmaß der Verluste wird sich aber erst zeigen, wenn die Flut abgelaufen ist.

Um so schlimmer, wenn die Wildtiere, die sich mit letzter Kraft auf die Rettungsinseln und Dämme geflüchtet haben, aufgescheucht werden. „Der Großteil der Menschen respektiert die Absperrungen“, bilanziert er, doch es reiche schon eine geringe Zahl von Uneinsichtigen, um mehrere Wildtiere zu töten. „Was wir da erleben, das ist kaum zu fassen“, sagt Muley, denn diejenigen, die teilweise sogar noch ihre Hunde frei über die gesperrten Wiesen laufen lassen, würden oft noch frech, wenn sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen werden. „Es gibt aber auch Menschen, die sich dann einsichtig zeigen“, fügt Fichtner hinzu.

Gleichwohl kontrollieren vor allem Ordnungsamt, aber auch die Polizei bei ihren Streifenfahrten die Einhaltung der Absperrungen. „Aber es gibt keine entsprechende Überwachungsaktion der Polizei in diese Richtung“, räumt Polizeisprecher Norbert Schätzle ein.

Manchmal ist es auch keine böse Absicht, wenn Fußgänger hinter die Absperrung geraten. So war beispielsweise der Damm am Brühler Pfad zwischen Brühler Straße und Wiesenstraße von Brühl her offen – nur die Abzweigungen waren gesperrt. Von Rohrhof her war der komplette Damm dicht.

Jetzt zeigen sich die Schäden

Für die Freiwillige Feuerwehr scheint inzwischen erst einmal Ruhe an der Hochwasserfront zu sein. Zwar werden noch zusammen mit dem Bauhofteam die Dämme im Auge behalten, doch es gibt keine Bereitschaft mehr. „Das ist jetzt nicht mehr notwendig“, sagt Cort Bröcker, Pressesprecher der Feuerwehr. Jetzt gehe es erst einmal darum, Schäden an den Wegen aufzunehmen und dann zu reparieren.

Eine Entwarnung gibt es allerdings nicht und so werden die Absperrungen wohl auch noch einige Zeit stehenbleiben, denn schon kündigt sich für die Experten das nächste Frühjahrshochwasser an.

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