Brühl

Im Interview Kabarettist Felix Oliver Schepp ist mit seinem aktuellen Programm in der Villa Meixner zu Gast / Auch Hirnklopfen kann durchaus unterhaltsam und lustig sein

„Worum geht es da eigentlich immer?“

Archivartikel

brühl.Der wunderbar hilfreiche Satz fällt gerne einmal: „Du denkst zu viel“. Er kann da auch ein Lied von singen: Felix Oliver Schepp. Der Kabarettist tritt am Donnerstag, 27. September, um 20 Uhr in der Villa Meixner auf. Schepp fordert unter dem Titel „Hirnklopfen – Kopfnusslieder und Herzensangelegenheiten“ dazu auf, dennoch häufiger den Kopf einzuschalten. Wir sprachen im Vorfeld mit dem Künstler.

In großen Lettern prangte uns vorgestern entgegen, dass unsere Gesellschaft den Bach runtergeht. Sehen Sie das auch so – den Eindruck vermittelt Ihre Ankündigung?

Felix Oliver Schepp: Gerade das neue Programm geht noch mehr als das alte auf die gesellschaftspolitischen Themen ein. Diesmal geht es in verschiedene Ecken, zeigt aber nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die, die es schlecht, die es blöd machen, sondern geht von mir, oder besser von uns selbst aus.

Was heißt das?

Schepp: Das ich glaube, dass bei diesen Thema unsere Möglichkeit in uns liegt, etwas gesellschaftlich zu verändern. Das muss nicht nur die große Aktion nach außen sein, auch die kleinen Dinge im Alltag gehören dazu. Etwa bei der Frage, warum Menschen überhaupt Angst haben. Worum geht es da eigentlich immer? Was ist da verloren gegangen, dass wir für Angstmacherei, für dieses Dauerentertainment so anfällig sind? Darauf zielt das Programm ab. Und das hat ja zumeist sehr viel mit uns selber zu tun. Deshalb glaube ich auch, dass wir die Stellschrauben gegen diese Einstellung auch nur bei uns selber drehen können.

Hat sich da Ihre Sicht als junger Vater verändert?

Schepp: Das ist eine schöne Frage, denn ich habe das Programm absichtlich geschrieben, bevor ich Papa geworden bin, damit es kein „Kinderprogramm“ wird. Herausgekommen sind aber trotzdem ein paar Geschichten, die in die eigene Kindheit zurückgehen oder in die Zukunft gucken, was Umgang oder Zeit mit Kindern betrifft. Was sich auf jeden Fall verändert hat: Ich habe mich dabei ertappt, dass ich während der Schreibphase die Lieder und einzelnen Geschichten genauer und mehr zu Ende denken möchte. Das ist ein anderer Umgang mit dem, was ich erzählen möchte.

Sind Sie also zum Bedenkenträger der Nation geworden?

Schepp: (lacht) Nee! Um Gottes Willen! Nein, es bleibt, wie beim vorigen Programm auch, der eigene skurrile Kosmos. Nichts in dem Programm soll absolut sein – da bin ich kein Fan von. Sie haben vor drei Jahren geschrieben, Schepp schaffe Platz für neue Denkräume. Da konnte ich mich gut mit identifizieren. Und dabei ist es hoffentlich auch geblieben.

Sie schreiben in Ihrer Ankündigung von Kinder, die für nichts über den grünen Klee hinaus gelobt werden. Was wollen Sie anders machen?

Schepp: Man kann durchaus mal darüber nachdenken, ob man wirklich immer alles bis zum Abwinken bestätigen muss oder ob man da nicht auch mal viel kritischer sein sollte. Und das möchte ich mit meinem Lied „Kindergeburtstag“ anstoßen. Natürlich ertappe ich mich selbst dabei, dass ich gerade in den ersten Lebenswochen meines Kindes froh war, dass er sein Geschäft ordentlich gemacht hat und das mit einem „Super!“ gelobt habe – aber das ist doch auch irgendwie toll und gehört dazu. Aber Nachdenken hilft, mit vielen Dingen reflektierter umzugehen.

Wird durch das Dauerlob eine Generation herangezüchtet, die nicht mehr kritikfähig ist, wie Sie in Ihrer Ankündigung sagen?

Schepp: Ich glaube, es gibt die Gegenrichtung genauso. Durch die dauerhafte Bespaßung gibt es einerseits den Trend, dass sehr kurzfristig gedacht wird – früher wurde mehr über Generationen hinweg geplant. Bei diesen kurzfristig denkenden Menschen ist es schwer, Kritikfähigkeit zu entwickeln. Andererseits gibt es den Trend, sehr bewusst mit dem Leben und der Gesellschaft umgehen zu wollen. Diese Menschen sind wohl auch eher bereit, eine Einstellung zu hinterfragen, sich damit auseinanderzusetzen.

Und die tanzen dann in der Waldorfschule ihren Namen . . .

Schepp: Das glaube ich nicht unbedingt, aber Sie nehmen mir da eine Pointe vorweg – das ist einer der lautesten Lacher im Programm. Dabei kann man auch in dieser Erziehungsrichtung bestimmt viele Dinge finden, die interessant sind – es ist, wie bei allen Themen, immer eine Frage des Maßes. Ich finde es stets interessant zu beobachten, was man voneinander lernen kann, ohne direkt abzuwinken. Schwarz-Weiß-Malen mag ich gar nicht.

Gibt es in ihrem Programm nur Hirnklopfen?

Schepp: Auf jeden Fall gibt es an diesem Abend in der Villa Meixner auch ganz viel zu Lachen und zu Schmunzeln fürs Publikum. Es wird, denke ich, sehr unterhaltsam.

Info: Ein Video von Felix Oliver Schepp macht unter www.schwetzinger-zeitung.de Appetit.

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