Eppelheim

Pauluskirche „Königin der Instrumente“ wurde in zwei Schritten für rund 140 000 Euro restauriert / Einweihung mit Festtag und Musikprogramm

3000 Arbeitsstunden geben Orgel einen neuen Klang

Eppelheim.Die Entscheidung, die Orgel der Pauluskirche einer umfassenden und in zwei Abschnitten aufgeteilten Restaurierung zu unterziehen, fiel vor mehr als vier Jahren. Jetzt durfte die evangelische Kirchengemeinde mit einem Festtag und vielen Gästen unter dem Motto „Die Orgel feiert“ ihre große Freude über das Ergebnis zeigen: Die Orgel als Herzstück der Pauluskirche erstrahlt in neuem Glanz und verzaubert mit neuem Klang.

Rund 3000 Arbeitsstunden hatten die Experten der Firma Rensch Orgelbau aus Lauffen am Neckar unter der Leitung von Orgelbaumeister und Intonateur Philipp Neßling in die Grundrestaurierung des „verborgenen Schatzes der Pauluskirche“ investiert. Und viele weitere Stunden hatten Mitglieder des evangelischen Kirchenchores ehrenamtlich mit Pfeifenputzen verbracht und damit zu dem schönen Ergebnis einen wichtigen Beitrag geleistet.

Viel zu erzählen hatten Organist Peter Rudolf und Pfarrerin Cristina Blázquez bei ihrer Orgelführung über die Grundsanierung. „Mit der Elektrik hat alles angefangen“, berichtete Rudolf. Wie sich bei einer Begutachtung der Orgel herausgestellt hatte, war das im Jahr 1954 unter Verwendung von Originalteilen der Vorgängerorgel von der renommierten Firma Steinmeyer erbaute Instrument brandgefährdet. Die elektrischen Standards von damals hatten Museumscharakter und mussten dringend, den heutigen Sicherheitsvorschriften entsprechend, ausgetauscht werden.

Blick ins Innenleben

Auch das Geländer der Empore wurde unter dem Aspekt der Sicherheit unter die Lupe genommen. Da das Rückpositiv der Orgel Teil der Emporen-Brüstung ist, wurde der Blick auch auf das Innenleben der Orgel gerichtet. Die zu verrichtenden Arbeiten erschienen Philipp Neßling als beauftragtem Orgelbauexperten wie „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Ihm gingen aufgrund des stark abgenutzten Gesamtzustandes der komplette Abbruch der Orgel und ein Neubau unter Wiederverwendung von Orgelteilen durch den Kopf. Doch ein neues Instrument hätte deutlich kleiner ausfallen müssen und hätte in ihrer musikalischen Vielfalt nicht annähernd an das bestehende Instrument heranreichen können. Wissend um ihre Entstehungsgeschichte unter Mitverwendung vieler Teile der hochromantischen Originalorgel aus dem Jahre 1880 betrachtete Neßling das Instrument, das die vergangenen 60 Jahre mit geringem Aufwand in Funktion gehalten werden konnte, näher und fand, dass die verborgenen Schätze, wie der historische Orgeltisch und die robusten Pfeifen, es allemal Wert waren, restauriert zu werden.

Die viermonatige technische Sanierung wurde im September 2016 abgeschlossen. Der ursprünglich seitlich positionierte Spieltisch erhielt mittig auf der Empore seinen neuen Platz. Im zweiten Teil der Orgelrestaurierung ging es um das Klangbild. Das Pfeifenwerk und der Orgelklang wurden umfassend überarbeitet. Dabei ist der Originalbestand unverändert beibehalten worden. Alle 1870 Prospektpfeifen des Hauptwerks wurden von der Orgelbaufirma mehrfach in die Hand genommen und überprüft und in wochenlanger Kleinarbeit wurden rund 2000 Ledertaschen überarbeitet, um die „Königin der Instrumente“ wieder aufzumöbeln.

Die für die Gemeinde sichtbaren Pfeifen des Rückpositivs wurden von Gemeindemitgliedern mit der Hand poliert. Es konnten zwei neue Register gebaut werden. Gerade mal vier Tage vor ihrer offiziellen Einweihung wurde die Orgel fertiggestellt und war für erste Proben einsatzbereit. Die in Orgelrestaurierung kostete rund 140 000 Euro und konnte in erheblichem Maße durch Spenden, Zuschüsse und Rücklagen finanziert werden. Zur Orgeleinweihung erklang Orgelmusik in unterschiedlicher Besetzung von morgens bis abends.

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