Eppelheim

Wild-Halle Kabarettist Lars Reichow bringt Zuschauer mit dem Programm „Lust“ zum Lachen / Lob gibt es für schöne Kindergärten im Ort, Tadel für hohe Baukosten

Baustellen und Umleitungen in der Stadt aufs Korn genommen

Eppelheim.Ein Stehtisch, ein Flügel und ein Keyboard – mehr Ausstattung braucht Lars Reichow nicht, um die Zuschauer in der Rudolf-Wild-Halle in seinen Bann zu ziehen und gut zwei Stunden lang köstlich zu unterhalten. Mit dem neuen Programm „Lust“ ist er momentan bundesweit unterwegs. Bei dem gebürtigen Mainzer sitzt der Schalk sprichwörtlich im Nacken. Der Genarrte bemerkt es auf den ersten Blick nicht, wenn Reichow mit verbaler Eleganz der Pointe entgegensteuert.

In Eppelheim trägt der gebürtige Mainzer sein Publikum auf Händen. Er verteilte Lob an alle, auch an die Kulturhalle. „Dagegen ist die Elbphilharmonie eine Rumpelkammer.“ Und an die Stadt selbst: „Ich gratuliere zu der Erreichbarkeit des Ortes.“ Damit nahm Reichow die Baustellensituation und die unübersehbare Umleitungsbeschilderung aufs Korn. „Und was gibt’s sonst noch Neues in Eppelheim?“ Die Antwort lieferte er gleich selbst: „Sie haben unglaublich schöne Kindergärten und Schulen. Sie fallen sofort ins Auge. Sicher waren sie mit hohen Ausgaben verbunden und sie müssen jetzt den Gürtel enger schnallen . . ?“

Verliebt in die Ironie

Reichow liebt die Ironie, kann „lügen wie gedruckt“, fegt aber auch nichts unter den Teppich. Seine Themen sind vielseitig. Er spricht und singt über Liebe, Lust, Leidenschaft und vieles mehr. Auch über Tierliebe und die Rettung verschütteter Wühlmäuse oder desorientierter Ameisen. Sein jüngstes Familienmitglied, ließ Reichow wissen, habe Fell: Es sei ein dreibeiniger Straßenhund namens Orban, dem man nie in die Augen schauen darf, weil er sonst zubeißt. Anfangs sei er gegen die Anschaffung gewesen. Aber seine Frau habe mit einem einzigen Wort eine überzeugende Begründung geliefert: „Doch!“

Auch die Bundespolitik und die zähen Verhandlungen nach der letzten Bundestagswahl sparte er nicht aus. Die Große Koalition war für ihn „GroKolores“. Christian Lindner von der FDP der „kleine Messias“, dem das Regieren auf der Erde etwas zu popelig erschien. Bei der Grünen-Doppelspitze ging ihm das Herz auf: „Wenn die beiden jetzt noch heiraten würden . . .“ Sahra Wagenknecht von den Linken bewältige jede Talkshow immer ganz alleine. Mit der SPD hatte er direkt Mitleid: „Es gibt in Europa keine Partei, die ihre Niederlagen so akribisch vorbereitet wie die SPD.“ Die CSU setze mit ihrer „Kruzifizierung in allen Amtsstuben“ auf das Kreuz zur Abwehr des Islam. Die CDU und Kanzlerin Angela Merkel kamen auch nicht ungeschoren davon. Vor allem ihr politischer Männerverschleiß und ihr „mal abwarten, was passiert“ wurden angeprangert. Lars Reichow sagt, was viele im Publikum denken und fühlen. Das zeigte der Applaus, gerade beim Thema AfD, wo er klare Haltung bezieht.

Der vielseitige Pianist, Komponist, Sänger und Entertainer hat bereits zahlreiche Kleinkunst- und Kabarettpreisen empfangen. 1985 legte er dafür mit einem Studium der Musik, Musikwissenschaften und Germanistik in Mainz die Basis dafür. 1992 gab er sein Debüt als Musik-Kabarettist und steht nun seit mehr als 25 Jahren auf der Bühne. sge

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