Eppelheim

Konzert Chorensemble bringt Klassiker der Comedian Harmonists und Heinz Rühmann auf die Bühne / Mit über 200 Besuchern ist es ihr bisher größter Auftritt

„Böhmer Stadtmusikanten“ singen sich durch die Goldenen Zwanziger

Eppelheim.Der Name des Chorensembles machte neugierig und war, wie es sich zeigte, gut gewählt: In Anlehnung an das aus Grimms Märchen bekannte sangesfreudige Tierquartett, „die Bremer Stadtmusikanten“ gaben sich die „Böhmer Stadtmusikanten“ in der Rudolf-Wild-Halle die Ehre und boten ihrem Publikum ein „Konzert zur Abendstunde“.

Ursprünglich hätte die „Hommage an die 1920er + x Jahre“, wie sie angekündigt wurde, im kleineren Kreis, also im Foyer der Halle, das Publikum begeistern sollen. Doch es wurden weit mehr Karten verkauft, als vom Chorensemble erwartet. Über 200 Besucher kamen zu diesem beschwingt heiteren, frivol koketten Konzertabend. So standen „Fräulein Böhmer“ und ihre charmanten Musikanten auf der großen Bühne im Kultursaal und konnten ihr Glück kaum fassen. Der Conférencier, ein Sänger des Ensembles, strahlte übers ganze Gesicht: „Sie sind das bisher größte Publikum, vor dem wir singen dürfen“, ließ er wissen.

Die musikalische Zeitreise war es auch wirklich wert, besucht und gehört zu werden. Der Abend war höchst unterhaltsam, die Lieder hatten eine hohe Ansteckungsgefahr. Der „Mitsing-Virus“ griff schnell um sich. Das war auch kein Wunder: Denn die „Böhmer Stadtmusikanten“ boten Schlager, Filmmusik und Revuelieder der Goldenen Zwanziger Jahre, Deutsches und Fremdsprachiges, rhythmische Songs, getragene Stücke und Solos.

Stürmisch am Klavier

Präzise und bei Bedarf auch stürmisch begleitet wurden die „Böhmer Stadtmusikanten“ bei ihrem Konzertabend am Piano von ihrer Namensgeberin, Leiterin und Erfinderin „Fräulein Böhmer“ höchst selbst. Das geneigte Publikum kennt sie vom „Cool Cats Orchestra“, der „Bluesgosch“ oder den „Oktavensklaven“. Gegründet haben sich die „Böhmer Stadtmusikanten“ im Jahr 2011 auf Initiative der Mannheimer Musikerin Claudia Böhmer. Sie lud Sänger der Stadt ein, um einen kleinen Chor zu gründen, der sich – wie sie selbst – in die Musik der „1920er + x-Jahre“ verliebt hatte.

Sie suchte heitere Menschen, die die Sehnsucht nach schönem Klang im Herzen tragen – und fand sie. Ihrem Aufruf folgten sieben Damen und fünf Herren in unterschiedlichen Stimmlagen, allesamt spannende Persönlichkeiten, die tagsüber anderen Professionen nachgehen. Zwei Jahre lang arbeitete man jeden Donnerstag konsequent auf ein Ziel hin: die Begeisterung für die Musik und Texte jener Zeit auf die Bühne zu bringen und möglichst viele Zuhörer damit anzustecken.

In Eppelheim gelang ihnen dies wunderbar. Ihre Hommage an die Goldenen Zwanziger war fantastisch. Dass der kleine, heitere Chor ganz besonders die Musik dieses Jahrzehntes schätzt und liebt, sah und hörte man sofort. Die Musikanten interpretierten unter anderem Lieder der Comedian Harmonists, von George Gershwin, Friedrich Holländer, Irving Berlin und vielen mehr. Stücke wie das vom „Schönen Gigolo, armen Gigolo“ oder den Musical-Song „Tea for Two“ und den Heinz Rühmann-Klassiker „Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun“ hört man immer wieder gerne. Das Ensemble ging auch höchst musikalisch der Frage nach „Was macht ein Mann aus Bebra mit einem Zebra am Titicacasee?“ Die Antwort bot der Chor mit reizvoller Musikauswahl, die Spannbreite hatte: vom possenhaften Frühlingslied mit erotischen Doppeldeutigkeiten bis hin zum sehnsuchtsvollen Gesangsstück, das kein Auge trocken ließ, war alles dabei.

Die Freude der Chormitglieder am Gesang, der Musik und ihr Glück, mit den richtigen Menschen gemeinsam auf der Bühne zu stehen, konnten die Zuschauer förmlich spüren. Und dass ihr Herz für die 1920er Jahre schlägt, sah man auf den ersten Blick. sge

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