Eppelheim

Stadtverwaltung Im Rathaus gibt es eine Sammelbox / Ausgediente Modelle werden aufbereitet und an Bedürftige weitergegeben

Brillen spenden – Sehen schenken

Archivartikel

Eppelheim.Familie Guckland hat die Wochen des Corona-Lockdowns gut genutzt und zu Hause „mal so richtig ausgemistet“, wie es Familienvater Marcel Guckland formulierte. „Wir haben dabei gemerkt, dass wir viele Brillen in unseren Schubladen haben, die nicht mehr gebraucht werden“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD im Ort.

Weil nicht nur seine Frau Brillenträgerin ist, sondern auch eine seiner beiden Töchter, kamen einige Brillen zusammen. „Wir wollten die Brillen nicht einfach entsorgen, sondern nachhaltig handeln und sie weitergeben, damit sie einer sinnvollen Wiederverwendung zugeführt werden können“, erklärte sie. Im Internet stieß er auf den Verein „BrillenWeltweit“ aus Koblenz und dessen Aktion „Brillen spenden – Sehen schenken“.

Der Verein sammelt jede Art von Brillen und Gestellen, bereitet sie auf und gibt sie weiter an Menschen in der Dritten Welt. Alte Brillen zu spenden, erachtete Guckland als eine sinnvolle Sache, denn dadurch erhalten Menschen eine Sehhilfe, die sich sonst keine eigene Brille leisten können. Diesen sozialen Gedanken wollte Marcel Guckland zusammen mit der SPD Eppelheim unterstützen und ließ seiner Idee Taten folgen. „Brillensammelboxen gibt es überall auf der Welt, auch in vielen Städten in der Region, aber leider noch nicht in Eppelheim“, stellte er fest. Das wollte er ändern. Er hat die Stadtverwaltung kontaktiert und um Erlaubnis zur Aufstellung einer Brillenbox an der Rathauspforte gebeten. „Man hat sich dazu sofort bereiterklärt“, hob Guckland hervor.

Bei der Übergabe der ersten Brillensammelbox im Rathaus waren Bürgermeisterin Patricia Rebmann und der Vorsitzende der SPD, Jürgen Geschwill, zugegen. „Als Brillenträgerin weiß ich sehr gut, wie schlimm es ist, wenn man keine Brille zur Hand hat“, betonte das Stadtoberhaupt und fügte an: „Brillen sind teuer und die Krankenkassen übernehmen meist nicht die vollen Kosten.“ Menschen, die sich keine leisten können, würden von der Brillenspendenaktion profitieren, meinte sie und dankte Marcel Guckland für seine Initiative. Und Jürgen Geschwill lobte: „Ich bin froh, dass wir kreative und engagierte Menschen in unserer Vorstandschaft haben, die soziales Denken und umweltbewusstes Handeln vorleben und auch andere dazu motivieren.“

Der Verein „BrillenWeltweit“ sorgt seit den 1970er Jahren dafür, dass Brillen kostenlos an Hilfsbedürftige in der „Dritten Welt“ verteilt werden und dort für mehr Lebens- und Bildungsqualität sorgen. Denn Menschen, die kaum Geld zum Überleben haben, können sich keine Brillen leisten. Daher gehen die Lieferungen in alle Erdteile der Welt. Kinder können dank der Brillengeschenke wieder zur Schule gehen, weil sie dadurch die Tafel besser sehen und in ihren Büchern oder Heften lesen können. Auch Analphabeten profitieren von Lesebrillen, weil sie damit ihre Fehlsichtigkeit korrigieren und arbeiten gehen können. Brillen helfen beispielsweise bei Arbeiten am Webstuhl oder bei sonstigen handwerklichen Tätigkeiten im Nahbereich, wodurch Männer und Frauen einen Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familie leisten können.

Weiterer Pluspunkt: Der Verein setzt bei der Sortierung, Reinigung, Vermessung, Registrierung, Aufarbeitung und dem Versand der Brillen in die „Dritte Welt“ Langzeitarbeitslose ein, um sie zu integrieren und ihnen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Und schließlich sorgt „BrillenWeltweit“ dafür, dass weniger Müll in der Restmülltonne landet. Denn durch die Wiederverwendung von vorhandenen Brillen werden Ressourcen geschont. Nicht mehr verwendbare Restmaterialien werden sortenrein recycelt.

Guckland übernimmt Patenschaft

Wer ausgediente Brillen zu Hause hat, kann diese mit oder ohne Etui zu den Öffnungszeiten des Rathauses in die Sammelbox im Eingangsbereich werfen oder gibt sie bei einem SPD-Vorstandsmitglied ab. Marcel Guckland übernimmt für die Aktion dauerhaft die Patenschaft. Sobald eine Box voll ist, schickt er sie an den Verein „BrillenWeltweit“ und stellt eine neue Sammelbox an der Rathauspforte auf. sge

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