Eppelheim

Gemeinderat Jalousien können teilweise nicht mehr geöffnet werden / Im Winter geht Heizenergie verloren / Arbeitssicherheit möglicherweise nicht gewährleistet

Das Rathaus bekommt neue Fenster

Archivartikel

Eppelheim.Die Fenster im Rathaus müssen ausgetauscht werden – und zwar schleunigst. Diese Auffassung vertrat die Gemeindeverwaltung in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Den Fraktionen schien die Vorgehensweise zunächst übereilt. Das Eppelheimer Rathaus verfügt über eine Glasfassade, die zwar reichlich Sonnenlicht ins Treppenhaus des Gebäudes lässt, den Verwaltungsbeamten aber auch Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Aufgrund einer fehlenden Windaussteifung sei die Standsicherheit der Pfosten-Riegel-Konstruktion, die die Fassaden trägt, nicht mehr gewährleistet. Kirsten Hübner-Andelfinger aus dem Bauamt sprach von großen Bedenken, der nächste Sturm könne die Fassade eindrücken. Die Verwaltung habe die Ausschreibung der Arbeiten seit Jahren vor sich hergeschoben und immer wieder nachgebessert, so Hübner-Andelfinger weiter, mittlerweile seien aber auch keine Ersatzteile für die Fenster mehr verfügbar und der Austausch nicht weiter hinauszuzögern.

Weiterhin sind in vielen Büros die einzelnen Fenster beziehungsweise deren Jalousien defekt – lassen sich entweder schwer öffnen oder nicht mehr vollständig verschließen. Im Sommer sind die Mitarbeiter dadurch der Sonne schutzlos ausgeliefert, im Winter geht wertvolle Heizenergie verloren. „Unser oberstes Leitziel der Stadt Eppelheim, zum Wohle des Klimaschutzes zu handeln, kann somit schon lange nicht mehr erfüllt werden“, begründet die Verwaltung die Ausschreibung.

Unter 13 eingegangenen Angeboten fiel die Wahl auf den günstigsten Bewerber, die Firma Lüttin aus Görwihl, zu einem Betrag von rund 196 000 Euro. Nach einem Studium des Internetauftritts der Firma und der angegebenen Referenzen war man in der Verwaltung zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen der Aufgabe gewachsen sei. Für Trudbert Orth (CDU) war das nicht überzeugend: „Eine tolle Internetseite reicht uns nicht.“ Die Christdemokraten forderten eine Prüfung der Firma und einen Qualitätsnachweis, um garantieren zu können, dass bei den Baustoffen keine zweite Wahl aus dem Ausland verwendet würde.

Ohne Dämmung kein Sinn

Freilich sei es wichtig, dass Rathaus instandzuhalten, jedoch nicht ohne ein funktionierendes Gesamtkonzept – eine Fenstersanierung ohne entsprechende Dämmung ergebe für die CDU-Fraktion keinen Sinn. Für die Grünen waren besonders Fragen der Nachhaltigkeit wichtig, wie Nika Weiss erläuterte: Heimische Kiefer als Baumaterial und die Verwertung der alten Fenster. Bernd Binsch (Eppelheimer Liste) hatte einige Nachfragen zur in der Sitzung gezeigten Planskizze der neuen Fenster. Dort war an einigen Stellen zu lesen „ohne Jalousie“. Grund dafür ist, dass der Raum als Küche genutzt wird, wie Hübner-Andelfinger erläuterte. Wie schon bei den beiden Vorrednern war für die Eppelheimer Liste die Herkunft des Bauholzes ein wichtiger Faktor – nur bei guter Qualität sei die gewählte Holz-Aluminium-Bauweise die nachhaltigste und zeitgleich hochwertigste Lösung.

Wenig Chancen für Förderung

Auch erkundigte sich die Fraktion, ob Fördermittel für die Maßnahme beantragt wurden. Christa Balling-Gündling (Grüne) ergänzte, dass die KfW bei Dreifachverglasung 20 Prozent Fördergeld beisteuere. Bürgermeisterin Patricia Rebmann sah dahingehend wenig Chancen, da das Rathaus bereits jetzt über Dreifachverglasung verfüge und daher keine Aufwertung geschieht. Auch zum Vorschlag des Gesamtsanierungskonzepts der CDU hatte sie eine klare Haltung: „Der Zustand der Fenster ist mittlerweile auch eine Frage der Arbeitssicherheit und duldet keinen Aufschub.“

Ohnehin sei die Zustimmung im Rat zu einem Gesamtkonzept in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage der Stadt kaum denkbar. Immerhin wurde nicht nur die Ausschreibung der Maßnahme mehrfach verschoben – auch die Finanzmittel sind seit mehreren Jahren im Haushalt eingeplant gewesen. Bauamtsleiter Michael Benda berichtete außerdem, dass das Rathaus im Sanierungsgebiet „Mitte IV“ liegt und dadurch ein Teil der Kosten bezuschusst werde. Von dem anschließend einstimmigen Votum für die Fenstersanierung war auch die Bürgermeisterin überrascht. sb

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