Eppelheim

Buchwoche Bei der Eröffnung geht es um die Heimat und Georgien / Vortrag der Heimatforscherin Rita Laubhan über „Alexandersdorf, ein schwäbisches Dorf im Kaukasus“

Die Menschen möchten wissen, woher sie kommen

Archivartikel

Eppelheim.Die Frage nach der Heimat sei gar nicht so leicht zu beantworten, wusste Bürgermeisterin Patricia Rebmann. „Jeder möchte wissen, woher er kommt und wo seine Wurzeln sind.“ Die Suche nach Heimat und das Finden einer neuen Heimat habe auch immer viel mit persönlichen Emotionen zu tun, betonte sie bei der Eröffnung der „10. Eppelheimer Buchwoche“.

Für Menschen sei es wichtig, ihre Familiengeschichte zu kennen, weil sie dadurch viel über ihre Heimat erfahren können, meinte Rebmann. Sie freute sich, zusammen mit Bibliotheksleiterin Elisabeth Klett und Dr. Christine Beil vom Eppelheimer Buchladen als Kooperationspartner, die Buchwoche in der Stadtbibliothek zu eröffnen. Diese widmet sich in diesem Jahr am Beispielland Georgien schwerpunktmäßig dem Thema Heimat. Die Buchwoche biete eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und mehr über Georgien allgemein und besonders über das Leben deutscher Auswanderer in diesem Land zu erfahren, hob Bibliotheksleiterin Elisabeth Klett hervor.

Wie eine Archäologin

Unter dem Motto „Aufbruch zu neuen Ufern – Vom Suchen und Finden“ gab es zum Auftakt einen Vortrag der Ludwigsburger Heimatforscherin Rita Laubhan (kleines Bild). Sie schilderte sehr lebendig und aufschlussreich die Auswanderung vieler Familien aus Württemberg im Jahre 1817 und die Gründung schwäbischer Kolonien in Georgien am Beispiel von Alexandersdorf, einem schwäbischen Dorf im Südkaukasus. Vor zehn Jahren begann die Ärztin über ihre Vorfahren, deren Auswanderung und Leben in der neuen Heimat Alexandersdorf im Südkaukasus zu recherchieren.

„Ich fühlte mich wie eine Archäologin bei einer Ausgrabung“, gab sie ihren Zuhörern in der Stadtbibliothek zu verstehen. Enorm viel Zeit hat sie investiert, Zeitzeugen befragt und in Archiven nach Dokumenten gesucht. Ihre Ergebnisse hat sie in einem Buch festgehalten. Es trägt den Titel „Alexandersdorf – ein schwäbisches Dorf im Kaukasus. Die ersten 100 Jahre (1817-1917)“ und kann in der Stadtbibliothek angeschaut oder entliehen werden. Die Geschichte der Auswanderung aus Württemberg vor 200 Jahren und die Entstehung der Kolonien im Südkaukasus wusste Laubhan mit Hilfe von Fotos, Dokumenten und Archivauszügen aufzuzeigen. Sie befasste sich mit dem Leben in Alexandersdorf, welches später in Liebknechtsdorf umbenannt wurde.

Politische, wirtschaftliche und religiöse Gründe führten vor 200 Jahren dazu, dass rund 1400 Familien aus Württemberg in den südlichen Kaukasus auswanderten. Die Auswanderer wählten den Wasserweg. Von Ulm aus gelangten sie über die Donau bis ins ukrainische Ismail, bevor es, nach 40-tägiger Quarantäne über den Landweg weiter Richtung Odessa am Schwarzen Meer ging.

Danach folgte die Überwinterung bei Odessa. Im Sommer 1818 machten sich dann noch rund 500 Familien von dort auf den Weg nach Tiflis, wo sie die ersten schwäbischen Kolonien gründeten, unter anderem auch Alexandersdorf.

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