Eppelheim

Galerie-Atelier Dao Droste Jahresausstellung widmet sich als Retrospektive den vergangenen drei Jahrzehnten

Erhalt der Schöpfung als zentrales Motiv

Eppelheim."Mondstehler" heißt eines der Gemälde in der aktuellen Jahresausstellung der Künstlerin Dao Droste. Es besteht aus einer Komposition von Rottönen, Inseln aus Blau umhüllend. Ganz anders die Bilder aus dem Zyklus Mensch und Natur, homo et natura: Helle Farben, Mensch und Tier in gelassener Harmonie. Zwei Bilder aus unterschiedlichen Zeiten, der "Mondstehler" von 1998 und "homo et natura 2" ein Jahrzehnt später, die zeigen, welche Entwicklung die Künstlerin genommen hat, wie erst der Mensch immer stärker ins Zentrum rückte, dann die Natur um letztlich, wie in der vergangenen Jahresausstellung mit den kleinen Schätzen, "simple treasures" die Schöpfung selbst zu feiern.

30 Jahre sind nicht nur eine lange Zeit, sie sind auch ein Meilenstein, Gelegenheit zur Rückschau auf den Weg, den man genommen hat. Dao Droste nutzt das Jubiläum ihrer Atelier-Galerie Dao, 1987 eröffnete sie die Räume in der Wasserturmstraße, zu einer Retrospektive. Einer Rückschau, die nicht nur ihr künstlerisches Werden aufzeigte, die noch stärker ihren zunehmenden Einsatz für die Umwelt zum Thema hat.

Die aus Vietnam stammende Künstlerin hat in Deutschland Chemie studiert und ihre Promotion mit Auszeichnung bestanden, bevor sie sich ihrer Wurzeln besann und sich gänzlich der Kunst verschrieb. Damit setzte sie die künstlerische Tradition ihrer Familie fort. Und noch einen anderen Faden nahm sie wieder auf - ihre Liebe zur Natur. Aufgewachsen in einem, wie sie sich erinnert, paradiesischen Garten, lernte sie von klein auf, Fauna und Flora zu lieben. Ein Paradies, dass ihr durch den Vietnam Krieg genommen wurde, das durch die eingesetzten Vernichtungsmittel restlos zerstört wurde.

Dualität des Lebens

Zwar war für die bekennende Taoistin der Gleichklang, die Vereinbarkeit von Gegensätzen, die Dualität des Lebens, schon immer Grundlage ihres Schaffens, doch mittlerweile ist sie in Sachen Umwelt längst über die Rolle der Künstlerin hinaus - sie will gestalten, aktiv zur Rettung der Umwelt beitragen. Eine Emanzipation zu der ihre bisherigen Werke Schritt für Schritt beigetragen haben.

Schon immer war die Harmonie, die sich nur im Einklang mit der Natur findet, ein wichtiges Anliegen von Dao Droste. Gerade in den übergroßen Tonköpfen, die sich in ihren verwunschenen Garten einfügen, als wären sie immer dort gewesen, kommt diese Schwerelosigkeit wunderbar zum Tragen. Überhaupt ihre Skulpturen. In der Verbindung verschiedener Materialien, beispielsweise bei der Skulptur Mensch und Natur, hier vereinen sich Buntschiefer, Granit und Bronze in verschiedenen Legierung - die Handschrift der Chemikerin wird sichtbar - zu einem harmonischen Ganzen, prallt Naturwissenschaft auf Kunst, ohne einen Gegensatz zu bilden. Das Verhältnis von Mensch und Natur kommt auch in ihrer wohl bekanntesten Boden-Installation, open-mindedness, zum Ausdruck. 500 individuelle Tonmasken, die in einem harten Kontrast zu ihrer jeweiligen Umgebung versuchen, den Mensch einzuordnen, ihm seinen Platz in der Natur zuweisen. Die auch eine Verbindung vom Diesseits zum Jenseits schaffen, von Spiritualität und Realität und die damit einen Kosmos aufzeigen, in dem alles nur eins ist.

Wie es überhaupt nur eine Welt gibt - "One World", wie der gleichnamige Preis heißt, der jährlich für Verdienste um die Umwelt verliehen wird. Keine Frage, dass der Preis die Handschrift von Dao Droste trägt - "One World" heißt die von ihr geschaffene Skulptur, die an die Preisträger überreicht wird.

In diesem Jahr geht der Preis an Shri Pawan Chamling, Ministerpräsident der Provinz Sikkim, das zwischen China, Bhutan und Nepal liegt und der zweitkleinste indische Bundesstaat ist. 2003 beschloss seine Regierung, die Landwirtschaft innerhalb eines Jahreszehnts komplett auf ökologischen Anbau umzustellen. Schon acht Jahre später war das Projekt "100 Prozent Bio" gelungen. Bei 65 000 Landwirten und 76 000 Hektar Land eine riesige Leistung, die mit zahlreichen Schulungen, Gesprächen und jeder Menge Überzeugungsarbeit einherging.

Dao Droste wird nicht müde, die Leistung von Chamling zu rühmen. Denn er habe auch gezeigt, dass Gesundheit und saubere Umwelt Wirtschaftsfaktoren sind. Droste, die gerade von einer Reise aus Indien zurückgekehrt ist, weiß, wovon sie redet. In Delhi sei der Smog so arg gewesen, dass für einige Zeit das gesamte Leben ruhte. Der Gestank von Chemie sei allgegenwärtig.

Schön anzuschauen

Die Erkenntnisse aus Sikkim sollen auch hierzulande Schule machen, wünscht sie die Künstlerin, die den Einklang von Mensch und Natur schon immer im Pinsel hatte. Beispielsweise in ihrem Werk "Über den Lotossee". Dieses ist zweimal in der Ausstellung vertreten, einmal mit kühlen Blautönen aus dem Jahr 2004, einmal bunt, fröhlich und mit Menschen bevölkert aus dem Jahr 2015.

Was zweierlei zeigt - in den Bildern von Dao Droste steckt mehr als nur ein Funken Optimismus und sie sind, unabhängig von ihrer Aussage, einfach nur schön anzuschauen. aw

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