Eppelheim

Gemeinderat Mehrheitliche Ablehnung gegen das VRN-System an zwei Haltestellen / Beschlussvorschlag wegen Bürgerbeschwerden

Erst mal keine digitalen Fahrgastinfos

Archivartikel

Eppelheim.Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) möchte den Ausbau der dynamischen Fahrgastinformation (DFI) an den Haltestellen im Verbundgebiet vorantreiben. Die elektronischen Anzeigetafeln geben Auskunft zu den nächsten Fahrten, wenn möglich in Echtzeit. Den Kommunen wurde angeboten, die Anschaffung der Tafeln finanziell zu unterstützen oder zumindest von Preisnachlässen aufgrund hoher Ausschreibungszahlen zu profitieren.

Die Stadt hatte dieses Angebot aufgegriffen und den Verkehrsverbund gebeten, mögliche dynamische Fahrgastinformationen in die Ausschreibung mit aufzunehmen und wenn möglich auch zu bezuschussen. Der Gemeinderat sollte in der jüngsten Sitzung zwei „DFI light“ für die Straßenbahnhaltestellen „Rathaus“ und „Jakobsgasse“ sowie 20 elektronischen Fahrplanaushängen für den City-Bus zustimmen.

Vierzeilige Anzeigetafeln

Amtsleiter Reinhard Röckle stellte das Angebot vor. Da die Endhaltestelle im Frühjahr 2021 umgebaut werden soll, sei es nicht wirtschaftlich, dort vorher noch eine dynamische Fahrgastinformation zu installieren. Der VRN möchte an den Straßenbahnhaltestellen vierzeilige Anzeigetafeln anbringen, wie man sie aus Heidelberg kennt. Die DFI werden zusätzlich mit einer speziellen Funktion ausgestattet, damit Sehbehinderte vor Ort bei Bedarf eine Fahrplanansage erhalten können. Dazu sind ein Stromanschluss und ein großes Fundament erforderlich. Bei dieser Lösung würde die Stadt aber keinen Zuschuss bekommen.

Die Verwaltung schlage deshalb vor, die Haltestellen „Rathaus“ und „Jakobsgasse“ mit „DFI light“ auszustatten. Diese Tafeln weisen auch vier Zeilen auf, werden aber mit Batterie betrieben. Ein Stromanschluss und damit verbundene Erdarbeiten sind nicht notwendig. Die Kosten für eine Anzeige betragen rund 8500 Euro. Bei den Haltestellen der City-Bus-Linie besteht die Möglichkeit, den klassischen Fahrplanaushang am Haltestellenmast durch einen elektronischen Fahrplanaushang zu ersetzen. Voraussichtlich ab 2022, wenn die Linienverkehre im Zuge des Linienbündels Schwetzingen/Hockenheim neu vergeben werden, sollen hier auch die Echtzeitdaten angezeigt werden können. Für die Stadt entstünden Anschaffungskosten von 47 600 Euro, so Röckle. Ein Zuschuss von 50 Prozent sei hierbei bereits abgezogen. An jährlichen Kosten müsse mit knapp 9000 Euro gerechnet werden.

Gut und umfassend

Christa Balling-Gündling (Grüne) stimmte der günstigeren Version der Informationstafeln zu. Trudbert Orth (CDU) meinte, die ÖPNV-Nutzer sollten gut und umfassend informiert werden. Er hätte aber gerne eine vollwertige dynamische Fahrgastinformation. Beim City-Bus sehe er „relativ große Ausgaben“. Die Straßenbahn müsse pünktlich fahren, „eine digitale Anzeige muss jetzt nicht sein“.

Hans-Günther Büssecker (SPD) wollte wissen, warum die Tafeln nicht mit Solarbetrieb installiert werden könnten und wer für die Instandhaltung zuständig sei: „Es gibt noch zu viele Fragezeichen. Erst muss alles geklärt sein.“ Bis jetzt sei es auch ohne Tafeln gegangen. Bernd Binsch (Eppelheimer Liste) wollte nicht verstehen, „warum nun in die beiden Haltestellen noch investiert werden soll“, wo doch unlängst der Wegfall der Haltestellen „Rathaus“ und „Jakobsgasse“ zugunsten einer neuen Haltestelle an der Pauluskirche beraten worden sei. Er war für eine Verschiebung des Tagesordnungspunktes. Linus Wiegand (CDU) stimmte ihm zu: „Die Haltestellen sind noch nicht geklärt, wesentliche Punkte sind noch nicht besprochen.“

Marc Böhmann (Grüne) verwies auf „das Recht auf Information für die Bürger“. Seine Fraktionskollegin Isabel Moreira da Silva sprach von einer „riesigen Erleichterung“ bei neuen Tafeln: „Digitalisierung ist die Zukunft.“ Alexander Pfisterer (SPD) interessierte „keine digitale Anzeige, sondern eine verlässliche Taktung im Fahrbetrieb“.

Bürgermeisterin Patricia Rebmann war enttäuscht von der „peinlichen Diskussion“. Sie habe das Gefühl, dass der Gemeinderat „nach der Devise abwarten“ verfahre. Der Beschlussvorschlag sei immerhin auf Beschwerden von Bürgern hin entstanden: „Wir wollen den Menschen eine moderne Stadt präsentieren, dabei hängen wir uns selber ab.“ Die Beschlussvorlage wurde bei zehn Ja- und ebenso vielen Nein-Stimmen abgelehnt.

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