Eppelheim

Arbeiten in Corona-Zeiten Katharine Gandyra arbeitet als Krankenschwester in der Uniklinik in Heidelberg

„Es bräuchte deutlich mehr Pflegekräfte“

Archivartikel

Eppelheim.Normalerweise werden auf der Station, wo Katharine Gandyra arbeitet, Patienten mit gastroenterologischen oder onkologischen Erkrankungen behandelt. Jetzt ist das anders. Ein Teil der „Station NCT-Volhard“ der Medizinischen Universitätsklinik im Neuenheimer Feld in Heidelberg wurde zur infektiologischen Station umgebaut, um Corona-Patienten aufzunehmen.

„Es waren schon einige Betten belegt, aber auch noch genug frei“, erzählt die 35-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin, die selbst auf der Station im Einsatz ist. Um eine Ansteckung zu vermeiden, gehören für die Eppelheimerin Schutzanzug, Mundschutz, Handschuhe und Brille zur Grundausstattung, wenn sie ihre Patienten versorgt.

Über den rasanten Anstieg der Corona-Erkrankten der letzten Wochen machte sie sich ihre Gedanken, reduzierte ihre Sozialkontakte auf das Nötigste, verzichtete auf die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und fuhr lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit, um die Ansteckungsmöglichkeiten zu minimieren.

In der Klinik gibt es jetzt auch einen extra eingerichteten Personaleingang für Ärzte und Pflegekräfte, damit sie nicht mit anderen Patienten in Kontakt kommen. „Man geht schon mit einem komischen Gefühl zur Arbeit“, sagt sie. Angst, selbst zu erkranken, hat sie nicht. Aber sie möchte das Coronavirus nicht unbewusst weitergeben, beispielsweise an ihre Eltern, ihren Bruder oder ihre 88-jährige Oma.

Sie ist ein Familienmensch

Katharine Gandyra, die Lesen und Reisen zu ihren liebsten Hobbys zählt, ist ein ausgesprochener Familienmensch. Sofern es ihr Schichtdienst zulässt, besucht sie jedes Wochenende ihre Familie. „Es würde mir etwas fehlen, wenn ich meine Familie einige Zeit nicht sehen könnte“, meint sie.

Glücklicherweise, so sagt sie, gebe es mit Telefon, Whatsapp oder Skype genug Möglichkeiten, mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben. Deutlich mehr Angst machte ihr die Vorstellung, was durch die Corona-Pandemie alles auf die Pflegekräfte zukommen könnte. Die Solidaritätsbekundungen an vielen Orten durch die Bevölkerung und der abendliche „Beifall für die Helfer“ findet sie „ganz schön“. „Aber wir profitieren nicht davon. Es bringt uns Anerkennung, aber nicht das, was wir eigentlich dringend bräuchten, nämlich mehr Pflegekräfte in den Kliniken und mehr Geld in den Pflegeberufen.“

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