Eppelheim

Musikalische Lesung Neuer Mundart-Krimi von Arnim Töpel heißt „Männas!“ / Der Philosoph unter den Kabarettisten präsentiert das Werk im Buchladen

Es gibt keinen Mord – aber dafür viel zu lachen

Archivartikel

Eppelheim.Er füllt landauf und landab mit seinen Kabarettprogrammen und Mundartlesungen Säle und Hallen. Und dennoch ist sich Arnim Töpel nicht zu schade, zum Greifen nah für sein Publikum in kleineren Buchhandlungen aufzutreten, Fragen zu beantworten und seine Bücher zu signieren.

Ruckzuck ausverkauft war die musikalische Lesung von ihm im Eppelheimer Buchladen. Er schätze und genieße den „kleinen Rahmen“ und die kuschelige, familiäre Atmosphäre sehr, die Christine Beil mit ihrem Team dort geschaffen hat, meinte Töpel, der aus seinen Mundart-Krimis vorgelesen und am Piano einige seiner Mundartlieder zum Besten gegeben hat.

Der Jurist und Radiotalker, der unüberhörbar aus einem hochdeutschen Elternhaus stammt, gilt als Philosoph unter den Kabarettisten. Für seine musikalische Klasse und sprachliche Eleganz wurde er mehrfach ausgezeichnet. Mit seinen Programmen und Lesungen ist er als Dialektbotschafter im gesamten deutschsprachigen Raum unterwegs. Mit „Männas!“ stellte er seinen neuesten Mundartkrimi vor.

Das Kuriose an Töpels fünftem Krimi: In dem Band gibt es keinen Mord, aber viel zu lachen. Es falle ihm schwer, sich ein Verbrechen einfallen zu lassen, gestand er den Zuhörern. Es gehe ihm vielmehr um Zwischenmenschliches und um die Beziehungen seiner Protagonisten zueinander, die er in seinen Büchern zum Leben erweckt.

Viel lieber lässt der Mundartautor, der mit seiner Familie in Walldorf lebt, seinen tief in der Kurpfalz verwurzelten Kommissar Günda, den „Tschief vun do“, im beschaulichen Glickerbach ermitteln und im besten Falle Verbrechen verhindern. Immer an dessen Seite ist sein ambitionierter Assistent Fritjof Freese.

Der Zugezogene „is net vun do“ und hat noch dazu ein gewaltiges Handicap: Er spricht Hochdeutsch. Die Kurpfälzer Sprache ist und bleibt für ihn ein „Buch mit sieben Siegeln“. Und weil er sich mit seiner Ausdrucksweise deutlich abhebt und eben „anders redet“, muss er mit dem Spitznamen „der Herr Annerschda“ leben.

Voll brudaales Gebabbel

Dass die Glickerbacher vor Freeses hochdeutscher Ausdrucksweise regelrecht „Engschd“, also Angst, haben, und sie dessen „Gebabbel“ als „voll brudaal“ empfinden, verschwieg Töpel nicht. In „Männas!“ will das beschauliche Kurpfälzer Städtchen Glickerbach zur Fahrradstadt werden. Nicht alle zeigen sich davon begeistert. Beim Thema Radwege gehen die Meinungen nicht nur auseinander, es fallen auch deutliche Worte: „Hea, isch mach da glei die Krutz nunna!“

Fritjof Freese, Kommissar Gündas hochdeutscher Assistent, ist beunruhigt, denn er kann nur ahnen, was das zu bedeuten hat. Seinen Chef mag er nicht fragen, der ist im Urlaub an der Ostsee und wirkt am Telefon seltsam gestresst. Es wird gemunkelt, dass er einen „Burn-out“ kuriert. Doch es ist alles ganz anders: „De Tschief“ ist dort auf „geheimer Missjoon“ unterwegs.

Wie Töpel zum Schreiben von Mundart-Krimis kam – nämlich aus Verärgerung – erfuhr sein Publikum auch. „Ich habe mich geärgert über die Krimis, die in der Region spielen, aber in keinem von denen wird Dialekt gesprochen“, gab er zu verstehen. So begann er 2012 mit der Krimischriftstellerei in Mundart.

Ein Jahr später veröffentlichte Töpel dann „De Schorle-Peda“ als Erstlingswerk. Seither erscheint von ihm einmal jährlich ein im kurpfälzischen Dialekt geschriebenen Krimi.

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