Eppelheim

Sozialgericht Björn Jacobi bekommt für die nächsten drei Jahre Erwerbsminderungsrente / Nach Schlaganfall vertritt ihn seine Frau

Hängepartie endet nach vier Jahren

Archivartikel

Eppelheim.Kann Björn Jacobi drei bis sechs Stunden am Tag arbeiten oder nicht? Um diese entscheidende Frage drehte sich die Verhandlung gestern am Mannheimer Sozialgericht. Doch einer fehlte: der Kläger aus Eppelheim selbst. „Mein Mann hat vor zwei Tagen einen Schlaganfall erlitten und liegt im Krankenhaus“, erklärt Ehefrau Gabriele Jacobi, die ihren Partner vertritt, der seit 2014 unter starken Rückenschmerzen leidet und seitdem um eine Erwerbsminderungsrente kämpft.

Vier Jahre dauert der Streit mittlerweile mit der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg. Gestern formulierte der Vorsitzende Richter Lothar Steingraeber dann einen Vergleich: Jacobi bekommt ab Oktober dieses Jahres eine volle Erwerbsminderungsrente – für die nächsten drei Jahre. Danach werde erneut geprüft.

Unterschiedliche Gutachten

Die verschiedenen medizinischen und psychiatrischen Gutachten, die die Kammer angeordnet hatte, gaben unterschiedliche Beurteilungen über den Schweregrad von Jacobis Erkrankung. Während manche Gutachter von mehr als sechs Stunden Leistungsvermögen sprachen, erklärten andere, dass der 54-jährige gelernte Tresorschlosser maximal drei Stunden arbeiten könne.

Ein Gutachten vom März war dann letztlich ausschlaggebend. Nicht nur der Sachverständige machte deutlich, dass Jacobi wegen eines chronischen Schmerzsyndroms im Rücken erhebliche Probleme im Alltag habe. Auch das, was seine Ehefrau vor Gericht erzählt, lässt auf Schwierigkeiten im normalen Zusammenleben schließen. „Ich muss meinen Mann an den Armen und Händen morgens aus dem Bett ziehen, helfe ihm bei der Körperpflege, mache ihm Essen, fahre ihn zum Arzt“, zählt die 65-Jährige auf. Alleine wäre der Alltag für ihn nicht zu meistern, sagt sie. Außerdem nehme ihr Mann starke Medikamente wie Opium-Opiate, weil er sonst die Schmerzen nicht ertragen könne. „Dadurch ist er oft schläfrig, aber wir versuchen jeden Tag zumindest ein paar Schritt draußen zu gehen – auch wenn es ihm schwerfällt.“

Nach einigem Hin und Her zwischen Gabriele Jacobi und dem Vertreter der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg kam es dann doch zu einer Einigung, die bis zum 30. September 2021 wirken könnte – wenn Björn Jacobi zustimmen wird. „Ich muss mit meinem Mann sprechen“, sagte die 65-Jährige, die aber mit dem Vergleich zufrieden ist. Auch der Anwalt des Ehepaares, Frank Dillmann, verwies darauf, dass nur der Kläger selbst entscheiden könne. Darum sei das Urteil noch auf Widerruf.

Wer das Ehepaar aus Eppelheim kennt, kann die Ausführungen von Gabriele Jacobi nachvollziehen. Wir haben die Familie zuvor besucht und uns ein Bild der Situation gemacht. Lange kann Björn Jacobi nicht sitzen, legte sich nach ein paar Minuten auf das Sofa. Pflegegrad zwei hat er, der von seiner Frau rund um die Uhr betreut wird. „Wir haben bereits den nächsten Pflegegrad beantragt“, erzählt die 65-Jährige. ena

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