Eppelheim

Gemeinderat SPD-Fraktion will Anlage für Vierbeiner einrichten / Ratskollegen sind skeptisch / Standortvorschlag stößt auf Kritik

Hundewiese sorgt für lebhafte Diskussion

Archivartikel

Eppelheim.Es war ein oberflächlich betrachtet harmloser Antrag der SPD-Fraktion, der in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Rudolf-Wild-Halle das größte Diskussionspotenzial entwickelte. Bereits im Mai hatten die Sozialdemokraten die Einrichtung einer Hundewiese beantragt. „In unseren Außenbereichen sollen die Hunde nicht von der Leine gelassen werden. Jedoch benötigen sie Raum, um sich auszutoben“, so die Fraktion in ihrem Antrag, der auch einen Komposter für die Hinterlassenschaften vorsieht.

Der Antrag wurde deshalb erst jetzt behandelt, weil es der Verwaltung durchaus schwergefallen sei, eine geeignete Fläche zu finden, die sie für eine Hundewiese vorschlagen könne, wie Bürgermeisterin Patricia Rebmann erklärte. Die Grünfläche am Westrand der Stadt, zwischen Schwetzinger Straße und Abenteuerspielplatz, die nun ihren Weg in die Sitzungsvorlage gefunden hatte, sei nach Ansicht der Verwaltung die einzige in Frage kommende gewesen. Die Begrenzung mit Bäumen und Büschen an drei Seiten des Grundstücks sorge für eine natürliche Eingrenzung – am Zugang von der Albert-Lortzing-Straße könne die potenzielle Hundewiese mit einem Tor verschlossen werden. Alexander Pfisterer (SPD) verdeutlichte die Motivation seiner Fraktion: „In Eppelheim sind derzeit 670 Hunde gemeldet. Diese müssen mehrmals am Tag ausgeführt werden, was besonders die Innenstadt nicht zulässt.“ Den Durchgang wolle seine Fraktion als eine Art Schleuse gestalten, damit der Zugang rund um die Uhr möglich ist. Ein kleines Lob mit einem großen Aber gab es daraufhin aus den Reihen der Grünen.

Claudia Grau-Bojunga erklärte: „Die Idee ist zwar gut, den Ort aber finden wir problematisch.“ Das Grundstück sei eigentlich eine Erweiterung des benachbarten Spielplatzes, diene als Treffpunkt und Fußballwiese für Jugendliche. „Die Jugend hat in Eppelheim ohnehin zu wenig Raum“, sagte Grau-Bojunga, „diese Möglichkeit würde dann auch noch wegfallen.“ Hatte die Verwaltung in der Heckenstruktur noch eine günstige Alternative für einen Zaun gesehen, zeichnete die Sprecherin der Grünen ein Bild von Jungvögeln, die von Hunden über die Wiese gejagt werden, und Igeln, die in ihrem Winterquartier aufgestöbert werden. „Die Hecke aus wertvollen Pflanzen bietet einen Lebensraum für einheimische Tiere.“ Die Fraktion habe darüber hinaus Hundebesitzer befragt, die ähnliche Wiesen nutzen, und erfahren, dass die Geruchsbelästigung trotz aller Reinlichkeitsmühen gerade im Sommer unangenehm hoch sei. Vor allem für die Anwohner keine wünschenswerten Zukunftsaussichten – zusätzlich zur erwartenden Lärmbelastung.

Bolzplatz für die Jugend

Auch Trudbert Orth (CDU) war im Grunde genommen nicht gegen den Vorschlag: „Das Thema wird immer mal wieder von Hundebesitzern an uns herangetragen“, sagte er, „und andere Gemeinden bieten solche Wiesen, die auch die Landwirtschaft vor dem Hundekot bewahren, an.“ Die Fraktion der CDU/FDP könne sich sogar einen finanziellen Beitrag der Stadt zur Sauberkeit vorstellen. Den Standort sieht sie aber ebenso kritisch. Nicht nur ginge ein Bolzplatz für die Jugend verloren, der Bereich sei auch schlecht einsehbar, was Sicherheitsbedenken wecke. Als Gegenvorschlag brachte die CDU die Wiese am Alten Wasserwerk ins Gespräch. Die ungenutzte Photovoltaikanlage könne abgebaut und ein Teil der Fläche als Hundewiese dienen – gut einsehbar und ohne Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Den Rest des Areals könne sich die CDU als Blühfläche vorstellen. Die Bürgermeisterin argumentierte, dass der Eingriff in die Natur an dieser Stelle höher sei als beim Standortvorschlag der Verwaltung.

Ein Argument, das in den Reihen der CDU für Widerspruch sorgte, im Hinblick auf die vorangeschrittene Diskussionszeit aber nicht weiter verfolgt wurde – wegen Corona hatte Rebmann gebeten, die Sitzung möglichst schnell abzuwickeln. Martin Gramm (Grüne) war mit seinem Hund unterwegs und hatte die vorgeschlagene Fläche einem Praxistest unterzogen. Ergebnis: „Absolut ungeeignet.“ Die Hecke sei nicht dicht genug, um einen Hund am Durchschlüpfen zu hindern, die Lärmbelästigung nicht vertretbar. Die Hundewiese in Kirchheim, die mehrfach als Positivbeispiel herangeführt wurde, hatte für Gramm einen Haken: Viele Hundebesitzer fahren mit dem Auto dorthin. „Vielleicht ist das Ergebnis auch einfach, dass eine Hundewiese in Eppelheim nicht möglich ist“, sagte er. Für Bernd Binsch (Eppelheimer Liste) gab es in der Diskussion zu viele unbeantwortete Fragen. Er stimmte der Kritik zu. Der Antrag sei in der vorliegenden Form blauäugig. Die Fraktion der Eppelheimer Liste sprach sich dafür aus, zunächst bei den Hundebesitzern zu fragen, ob diese eine Hundewiese wollen, und erinnerte daran, dass man niemanden zwingen könne, diese zu nutzen. Die SPD-Fraktion nahm die Kritik an. „Ich denke, unser Anliegen ist klar geworden. Wir sehen nun auch, dass das vorgeschlagene Grundstück eher fragwürdig ist“, sagte Renate Schmidt. Der Gemeinderat beschloss, den Antrag zurückzustellen. Wenn sich in Zukunft ein passendes Grundstück ergebe, werde die Verwaltung von selbst aktiv, erklärte Rebmann.

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