Eppelheim

DBG Was es bedeutet, mit einer Hörbehinderung zu leben

„Ich bin nicht besonders – ich bin Michelle!“

Eppelheim.Ein Stuhlkreis im Klassenzimmer, in der Mitte Teile einer Höranlage: Ethikunterricht der anderen Art erlebten die Schüler der Jahrgangsstufen fünf und sechs des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG). Sie haben aus erster Hand erfahren, was es bedeutet, mit einer Hörbehinderung zu leben.

Ethiklehrerin Lotte Emslander hatte als Teil der Unterrichtseinheit „Ethik und Behinderungen“ Gäste in den Unterricht eingeladen. Melora Adelmann-Dippold vom sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) Luise von Baden, zuständig für Menschen mit Hörbehinderung an allgemeinen Schulen, war mit Michelle Mohring, Studentin der Sonderpädagogik und Praktikantin an der Luise-von-Baden-Schule, zu Besuch gekommen.

Persönliche Erlebnisse

Mohring, die selbst eine Hörbehinderung hat, berichtete dabei sehr persönlich aus ihrem Leben. Wichtig war ihr, ihren Zuhörern deutlich zu machen, dass jeder Stärken und Schwächen hat und dass die Hörbehinderung ein Aspekt ihres Lebens, ein Teil ihrer Persönlichkeit, aber nicht unbedingt eine Schwäche ist. Beeindruckend fanden die Schüler auch die Vorteile, die sich aus dem Tragen eines Cochlea-Implantates ergeben, dass man zum Beispiel Musik direkt per Bluetooth auf das Implantat übertragen kann. Ruhig und diszipliniert sprachen die Schüler in die vorhandenen Mikrofone. Mit Kopfhörern, die durch die Reihen gingen, konnten die Fünft- und Sechstklässler nachempfinden, wie Menschen mit einem Cochlea-Implantat hören.

Außerdem stand Michelle Mohring für Fragen zur Verfügung. Neben eher technischen Details konnten die Schüler auch sehr persönliche Fragen loswerden: „Bist du froh, dass man die Narbe von der OP nicht sieht?“ „Wie wachst du auf, wenn du den Wecker nicht hören kannst?“ Sowohl die Fünft- als auch die Sechstklässler erzählten in einer sehr offenen Atmosphäre auch von persönlichen Erfahrungen, die sie mit Menschen mit Hörbehinderung oder gehörlosen Menschen gemacht hatten.

Trotz Implantat oder Hörgerät ist perfektes Hören nicht möglich. Daher gilt immer für den Umgang mit hörbeeinträchtigten Menschen: Nachfragen, offen sein, empathisch sein. „Wenn andere verklemmt sind, bin ich benachteiligt“, war das Fazit von Michelle Mohring. zg

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