Eppelheim

Brauchtum Kerwerede befasst sich auch mit „Fassaden-Affäre“ / Lamers übernimmt Fassbieranstich

Kritik mit saftigem Möhrlein

Eppelheim.Alles, was in Eppelheim in den vergangenen Monaten für Ärger und Gesprächsstoff gesorgt hatte, kam bei der Kerwerede am Hugo-Giese-Platz aufs Tapet. Nichts wurde ausgespart, auch nicht die „Fassaden-Affäre“. Hier hatte vor einiger Zeit jemand in der Stadt das Gerücht gestreut, die Bürgermeisterin hätte ihre Hausfassade von der Feuerwehr abspritzen, sprich reinigen, lassen, um sie danach zu streichen. Das wäre Amtsmissbrauch gewesen. Jens Schneider brachte diese Unterstellung in Rage: „Sich an unserer Bürgermeisterin unn unserer Feuerwehr zu vergreife, des mache nur eschde Lotterpfeife.“

Für Rebmann war klar, diese Sache geht auf etwas ganz anderes zurück: Als sie zur Bürgermeisterin gewählt wurde, hatte man nur das „Verhindern“ ihres Amtsantritts im Sinn. „Des hot net geklappt. Des fand mer wohl bleed. Do hot äner iwwerlegt, wie des annerschd noch geht.“ Also wurde ein Gerücht gestreut. Doch eines habe der „Iwweltäter“ nicht bedacht: „In dem Spiel hot jetz emol die Bolizei mitgemacht! Die hawwe ermittelt wie Sherlock Holmes und Columbo unn zack war als Täter de rischdische Mann do.“ Ein Name wurde der versammelten Menge nicht genannt. Aber Rebmann und Schneider zückten ein saftiges Möhrlein und bissen hinein. In dem Moment fiel bei den Kerwebesuchern der Groschen. War etwa der Ex-Bürgermeister der Übeltäter?

Kein Blatt vor dem Mund

Das Ermittlungsergebnis von Staatsschutz und Polizei wurde aus rechtlichen Gründen nicht offengelegt. Das werden die Behörden in den nächsten Tagen selbst vornehmen. Auch sonst nahmen Kerweborscht und Bürgermeisterin kein Blatt vor den Mund und übten in gereimter Form und Dialekt Kritik, wie beim „wilden Parken“ in der Hauptstraße, das täglich für Ärger sorgt. Die Rathauschefin stellte klar: „Mir hawwe mehr legale Parkplätz als jemals zuvor und trotzdem denk ich als ‚des is doch net woahr’: in so änere kläne Stadt net e bissl laafe kenne, awwer Umweltschutz schreie und zu ‚Fridays for Future’ renne!“ Das Dauerthema „Edeka-Zaun“ wurde nicht ausgespart. „Das Bauwerk macht den Unterschied, was mit der Gesellschaft drumherum geschieht“, meinten Bürgermeisterin und Kerweborscht und appellierten: „Reißt Zäune ein, baut liewa Brigge!“

Erfreuliches hatten die Beiden auch in ihrem Bericht: Der Wasserturm ist als Trauzimmer zurück. Und stolz war man auf den Wochenmarkt, der sich auf dem Wasserturmplatz etabliert hat. Damit er auch in Zukunft bestehen bleibt, erließ die Bürgermeisterin eine neue Einkaufssatzung. Diese besagt, dass die Eppelheimer „gfälligschd ihren Kruscht hier zu kaafe hawe“.

Die Kurpfälzer Trabanten aus Heidelberg und der Eppelheimer Carnevalclub sorgten bei der Kerweeröffnung für Musik und Chic. Die Tanzgruppe aus der ungarischen Partnerstadt Vertésacsa bekam für ihren Auftritt viel Applaus. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers übernahm im Beisein des SPD-Kollegen Lothar Binding den Fassbieranstich. Die eigentliche Eppelheimer Kerweborschtin Sandra Schönerstedt war gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe. Daher übernahm kurzerhand Sitzungspräsident Jens Schneider ihre Rolle und glänzte als Kerweborscht an Patricia Rebmanns Seite.

Info: Mehr Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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