Eppelheim

Rudolf-Wild-Halle Kabarettist nimmt bei „Ferz mit Krigge“ Politik und Weltgeschehen aufs Korn / Sich „uffzuresche“ ist die Paradedisziplin des 47-Jährigen

Pfälzisch ist Chormanns Mundart-Munition

Archivartikel

Eppelheim.Die Deutschen im Allgemeinen und die Pfälzer im Besonderen regen sich gerne über alles und jeden auf. Warum das so ist, konnte man von Ramon Chormann erfahren. Sich „uffzuresche“ gehört zur Paradedisziplin des gebürtigen Pfälzers. Der Kabarettist und Musiker aus Kirchheimbolanden nutzt seine Muttersprache als Waffe und treffsichere Worte als Munition und zielt damit ohne Unterlass auf die Lachmuskeln seiner Gäste.

In der ausverkauften Rudolf-Wild-Halle nahm er in seinem neuen Programm „Ferz mit Krigge“ alles aufs Korn und gab überall seinen Senf dazu. Das Publikum hatte binnen weniger Minuten Lachtränen in den Augen. Ob Politik, Nachrichten oder Weltgeschehen, neumodischen „Ferz“, überzogenen Erwartungen und Zukunftsvisionen – Ramon Chormann sparte in seinem neuen Programm nichts aus. „Die Deutschen sind eine Empörungsgesellschaft. Sie empören sich über eine Sache, aber nur solange, bis es etwas Neues zum Empören gibt“, betonte er.

Mit der Politik ging er hart ins Gericht. Merkel, Seehofer und Co. bekamen ihr Fett weg. Die ehemalige Bundesvorsitzende der SPD, Andrea Nahles, sei so überflüssig wie ein Fundbüro in Polen, befand Chormann und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. In Zukunft, so mutmaßte er, dauern Regierungsbildungen rund dreieinhalb Jahre: „Damit noch ein halbes Jahr Zeit bleibt, um die nächste Bundestagswahl vorzubereiten.“

Ohne Akku und Ladekabel

Die Jugend von heute, die nur noch über Smartphone ansprechbar und erreichbar sei, wurde von Chormann genau unter die Lupe genommen. „Digitales verdrängt Soziales“, warnte der Kabarettist. Das Schulsystem sei in 20 Jahren abgeschafft, meinte er. „Die Kinder habe so viele Endgeräte zu Hause, da braucht es die Lehrer gar nicht mehr.“ Den extremen Wandel in der Kommunikation konnte er nicht für gutheißen. Sich einfach irgendwo mit Freunden treffen, etwas zusammen unternehmen, sei out. „Frische Luft findet draußen statt, ohne Akku und Ladekabel“, gab er jungen Menschen als heißen Tipp mit auf ihren Lebensweg.

Schonungslos, ehrlich, direkt, ohne drum herumzureden, brachte er alles auf den Punkt. Und wurde dafür von seinem Publikum geliebt. Neben Geschichten aus dem Leben und einer Mischung aus Kabarett, Satire und Comedy nahm er in seinem neuen, nunmehr achten Bühnenprogramm umständliche Menschen und überzogene Ansprüche, übertriebene Aufzüge und überteuerten Quatsch unter die Lupe. Ramon Chormann erwies sich in der Rudolf-Wild-Halle als glänzender Unterhalter. Aber auch als Sänger wusste er sein Publikum zu erobern. Wenn er sich ans Klavier setzte und sang, war es, als ob Udo Jürgens Wiederauferstehung feiern würde.

Bekannt wurde Chormann einem großen Fernsehpublikum durch seine Auftritte bei der Mainzer Fastnacht in seiner Paraderolle als „De Pälzer“ sowie durch seine Mundart-Sendung beim SWR4. 2015 eröffnete der 47-Jährige sein erstes eigenes Theater in Kirchheimbolanden. Ein zweites Schauspielhaus folgte zwei Jahre später in Mainz.

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