Eppelheim

SPD Abgeordneter Born zur Abschiebung einer kurdischen Familie

„Schlichtweg unerträglich“

Archivartikel

Eppelheim.Nach der nächtlichen Abschiebung einer kurdischen Familie, die in Eppelheim wohnte (wir berichteten), hat sich der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born mit einem Protestschreiben an Innenminister Thomas Strobl (CDU) gewandt. Darin macht Born noch mal deutlich, was die Familie zu der Flucht aus ihrer Heimat gezwungen hatte und wie weit der Integrationsprozess in Deutschland bereits fortgeschritten war: „Sie sind geflohen, weil ihre Religion in der Türkei nicht toleriert wird. Die Kinder kamen mit blauen Flecken aus dem Kindergarten und hatten Angst, dort wieder hinzugehen. Nach Misshandlungen wurde der Familie nicht geholfen, weil sie Verwandte haben, die sich politisch in Opposition zu Präsident Erdogan befinden.“

Völlig inakzeptabel für ihn sei auch, heißt es in der Pressemitteilung, „dass solche Abschiebungen nachts und unter massivem Einsatz von Sicherheitskräften durchgeführt werden. Insbesondere für die Kinder der Familie hat eine solche Grenzerfahrung traumatische Folgen für die psychische Gesundheit“ erklärt der Abgeordnete. Das alles wirkt für Born umso unverständlicher, als die Familie bereits auf einem sehr guten Weg der Integration war. Überall hätten sie als freundliche und geschätzte Mitbürger gegolten, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienten, ihre Miete aus eigener Tasche bezahlten und wegen ihrer Deutschkenntnisse bewundert wurden. „Und wieder zahlen die Kinder dafür den höchsten Preis. Ich möchte vom Innenminister deshalb wissen, wie seine persönliche Haltung zu diesem ganzen Vorgang ist. Als Abgeordneter für Eppelheim halte ich diesen Gesamtvorgang, der nach meiner bisherigen Einschätzung des Sachverhalts sowohl inhaltlich falsch als auch in der Art und Weise der Durchführung unter humanitären Gesichtspunkten schlichtweg unerträglich ist, für nicht akzeptabel und protestiere ausdrücklich“, schließt der SPD-Politiker sein Schreiben an Strobl.

Daniel Born findet es wichtig, dass die Zivilgesellschaft deutlich macht, dass hier die Grenzen der Humanität nicht eingehalten wurden. „Ich bin froh, dass sich in Eppelheim nicht nur viele Menschen in der Flüchtlingshilfe und Integration engagieren, sondern sich auch jetzt viele zu Wort melden. Wir müssen für uns geklärt haben, wie wir auch mit so schwierigen Situationen wie Abschiebungen umgehen. Wenn Sie mich persönlich fragen, ist für mich klar, dass wir eine Familie mit diesen Fluchtgründen, Erfahrungen und weit fortgeschrittenen Integration besser hierbehalten hätten. Aber weil nur ein Duldungsstatus bestand, war leider eine Abschiebung möglich. Diese so durchzuführen, ist einfach nur furchtbar und inakzeptabel“ teilt Daniel Born abschließend mit. zg

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