Eppelheim

Rudolf-Wild-Halle In der Komödie „Patrick 1,5“ wollen zwei Männer glückliche Eltern werden / Doch der Familienzuwachs entpuppt sich als Kleinkrimineller

Störrischer Teenager statt süßem Schnullerkind

Eppelheim.Ein homosexuelles Paar will sein Glück mit einem Adoptivkind komplettieren. Der Antrag ist von Amtswegen schon genehmigt, die Vorfreude auf das Kind riesengroß. Um ihrer neuen Verantwortung als Eltern gerecht zu werden, haben sich Sven (Christian Richard Bauer) und Göran (Thomas Rohmer) für ein größeres Eigenheim entschieden, damit der Kleine viel Platz zum Spielen hat.

Das Kinderzimmer wird mit entzückender Tapete, Möbeln und vielen Spielsachen kindgerecht ausgestattet. Der neue Kinderwagen steht für die erste Ausfahrt bereit. Und einen Wickelkurs hat man auch schon absolviert. Sven und Göran können den Tag, an dem das lang ersehnte Adoptivkind übergeben werden soll, kaum abwarten. Vier Tage vor Ostern ist es dann soweit: Doch statt des erwünschten Schnullerkindes steht ein mies gelaunter Teenager mit Baseball-Kappe vor der Tür.

Ist es der neue Briefträger?

Erst hält man ihn für den neuen Briefträger im Bezirk. Weil der junge Mann schnurstracks in die Wohnung marschiert, glaubt man als nächstes, er sei ein Mitarbeiter eines Reparaturdienstes, weil doch der Kühlschrank nicht richtig funktioniert. Doch mit beiden Vermutungen liegen die Homo-Eltern falsch. Erst nach und nach fällt bei Sven und Göran der Groschen: Der permanent auf Gott und die Welt fluchende und auf Krawall gebürstete junge Mann ist ihr Adoptivsohn Patrick (Stefan Pescheck), also ihr „Wunschkind“. Wie das passieren konnte, ist schnell ermittelt: Dem Amt war beim Adoptionsschreiben ein Kommafehler unterlaufen. Bei der Angabe des Kindesalters hätte es statt „15 Jahre“ eigentlich „1,5 Jahre“ heißen müssen. Mit dieser Situation müssen beide Seiten, der störrische Teenager und die völlig irritierten Eltern zurechtkommen.

Obwohl Sven von Beruf Sozialarbeiter ist, kommt er mit dem aufmüpfigen Patrick, der auch Schwule über alles hasst, überhaupt nicht zurecht. „Ich habe noch nie einen so unhöflichen Typen getroffen“, schreit er. Am liebsten würde er den Teenager mit beachtlicher krimineller Vergangenheit sofort wieder an die frische Luft befördern. Patrick hält mit Wut im Bauch dagegen: „Du bist der Allerletzte auf dem Planeten, den ich zum Vater haben möchte.“ Göran, der schnell Muttergefühle für den offenbar schwer erziehbaren Jungen entwickelt, versucht, das Beste aus der Situation zu machen und bittet Patrick, wenigstens zum Abendessen oder wegen des zu erwartenden Unwetters über Nacht zu bleiben. Denn er ist überzeugt: „Der Junge braucht Hilfe!“ Je weiter der Tag fortschreitet, desto mehr kommen sich die „jungen Eltern“ und ihr „Adoptivkind“ näher. Jeder beginnt, aus seinem Leben zu erzählen. Und plötzlich stellen sie fest, dass alle so ihre Probleme und Macken haben. Die Einblicke in das Seelenleben des anderen verfehlen nicht ihre Wirkung. Ganz langsam nähert sich die „junge Familie“ an . . .

Aus der Feder von Michael Druker

Die Komödie „Patrick 1,5“ der Theatergastspiele Fürth stammt aus der Feder von Michael Druker und wurde in der Spielfassung von Thomas Rohmer in der fast ausverkauften Rudolf-Wild-Halle aufgeführt. Die Komödie wartete mit vielen witzigen, aber auch tiefgründigen Momenten auf und zeigte, wie sich Vorurteile überwinden lassen, Konflikte lösen und drei völlig unterschiedliche Menschen zu einer Familie zusammenfinden können, denen man als Zuschauer das Familienglück von ganzem Herzen gönnt.

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