Eppelheim

Rudolf-Wild-Halle Spielzeit nach kaum zwei Wochen wegen Teillockdown wieder unterbrochen / Theateragenturen zeigen Kulanz / Bühnenboden abgeschliffen

Trotz Ausfällen geht ihnen die Arbeit nicht aus

Archivartikel

Eppelheim.Mitte Oktober startete die neue Spielzeit in der Rudolf-Wild-Halle. Die Freude im Kulturamt der Stadt und den vielen Theaterfreunden in Eppelheim und Umgebung war groß – trotz den Corona-bedingt reduzierten Sitzplätzen in der Kulturhalle und den einzuhaltenden Hygieneregeln. Kaum zwei Wochen später mussten aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung und des von der Bundesregierung angeordneten Teillockdowns die für November geplanten Kulturabende und Theaterstücke abgesagt werden.

Der Auftritt der ersten Kraichgauer Frauenband „Die Schrubbers“ wurde in Abstimmung mit dem Ensemble ins Frühjahr verlegt. Die für Mitte November geplante Komödie „Monsieur Pierre geht online“ mit Walter Plathe, Manon Straché und Bürger Lars Dietrich musste schweren Herzens abgesagt werden. „Theaterstücke von professionellen Theatern sind nur in den Tourneezeiten buchbar und können daher nicht einfach verschoben werden, weil die Schauspieler nur in dem vorgegebenen Zeitfenster zur Verfügung stehen und danach andere Engagements haben“, erklärt Andrea Kurzhals vom Kulturamt der Stadt.

Sie stellt seit vielen Jahren das Spielzeitprogramm zusammen und ist, genauso wie ihre Kollegen vom Kulturamt, nicht glücklich über diese Entwicklung und die Tatsache, derzeit keine Veranstaltungen durchführen zu können. „Wir sind alle traurig über die momentane Situation. Bei uns rufen immer wieder Kunden an, was uns persönlich sehr freut, die den Stand der Dinge abfragen und auch einfach gerne mal über die Lage sprechen möchten. Alle sind sehr verständnisvoll, aber eben auch traurig“, berichtet Kurzhals. „Eine Spielzeit gänzlich ausfallen lassen zu müssen, wäre für uns und unsere Spielzeitgäste nicht schön. Wir hoffen, dass wir bald wieder Veranstaltungen durchführen können“, betont sie.

Abhängig von Entscheidungen

Wie es im Dezember weitergeht, ob der Kabarettabend mit dem Pfälzer Mundart-Duo „Spitz & Stumpf“ oder der vom Frühjahr in den Dezember verschobene musikalische Abend mit dem „Huub Dutch Duo“ stattfinden können, möchte das Kulturamt in Abstimmung mit Bürgermeisterin Patricia Rebmann jetzt Mitte November entscheiden und bekannt geben. Ob und wie es weitergehen kann, sei natürlich maßgeblich von den Entscheidungen der Bundes- und Landesregierung abhängig, an die man sich als Stadt zu halten habe, verdeutlicht Christoph Horsch, Pressesprecher der Stadt und Teamleiter des Kulturamts.

Wenigstens zeigen die Theateragenturen bei Ausfall Kulanz. Bei Corona-bedingten Absagen werden die von der Stadt als Veranstalter mit den Künstlern und Theatern vereinbarten Gagen nicht fällig, informiert Hauptamtsleiterin Susanne Balzer, in deren Zuständigkeit auch der Kulturbereich fällt.

„In der Corona-Pandemie haben die Theater und Agenturen kein Honorar für abgesagte Stücke verlangt. Hier geht man sehr kulant miteinander um. Da die Theater sehr entgegenkommend sind, halten sich die Kosten in dieser Spielzeit für die Stadt in Grenze“, so Balzer.

Noch nie kostendeckend

Dass bei den Spielzeitangeboten in der Rudolf-Wild-Halle die Einnahmen seit Einweihung im Jahr 1998 und dem danach ins Leben gerufenen Spielzeitprogramm noch nie kostendeckend waren, ist bekannt. Susanne Balzer verdeutlicht dies mit Zahlen: „Die reinen Honorarkosten pro Spielzeit für die durchschnittlich zwölf Veranstaltungen plus einem Kinderprogramm bewegen sich zwischen 60 000 und 70 000 Euro.“

Der Fehlbetrag, den die Stadt ausgleichen muss, weil die Einnahmen durch den Kartenverkauf nicht die Ausgaben für Stücke decken, liegt laut Balzer bei etwa einem Drittel. Wenn eventuell nun auch die Dezember- und Januarveranstaltungen ausfallen müssten, wäre es für die Stadt keine Option gewesen, die Spielzeit ganz ausfallen zu lassen. „Wir möchten schon allein gegenüber den Theatern und Künstlern die Spielzeit aufrechterhalten. Wenn wir alles schon im Vorfeld absagen, ist die Kunst- und Kulturszene arm dran“, erklärt Andrea Kurzhals. „Bürgermeisterin und Kulturbeirat legen sehr viel Wert darauf, Kulturinteressierten ein Angebot machen zu können, sofern es die Situation zulässt. Daher wird unter Berücksichtigung der Corona-Verordnungen jede Veranstaltung einzeln bewertet und gegebenenfalls abgesagt“, fügt Christoph Horsch an.

Und was macht ein Kulturamt in der Zeit, wo keine Kultur stattfinden kann? „In der Zeit, in der keine Veranstaltungen stattfinden, sind wir mit der Planung der nachfolgenden Spielzeiten, der Aufarbeitung der ausgefallenen Veranstaltungen und der Betreuung unserer Kunden beschäftigt“, erklärt Horsch. Natürlich finden auch Renovierungsarbeiten in der Rudolf-Wild-Halle statt, betont er. Es wurde bereits der Bühnenboden abgeschliffen und neu gestrichen, die Wände im Kultursaal bekamen einen frischen Anstrich und die Veranstaltungstechnik wurde komplett gereinigt und auf den aktuellen Stand gebracht.

„Zurzeit sind wir mit der Überprüfung aller 500 Stühle beschäftigt“, informiert der Teamleiter des Kulturamts. Da in der Rudolf-Wild-Halle auch Veranstaltungen, wie beispielsweise Konferenzen oder Gemeinderatssitzungen stattfinden, sei Kurzarbeit beim Personal keine Option, da es derzeit genug Arbeit und Aufgaben gibt.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional