Eppelheim

Buchwoche Anne Reinecke stellte Debütroman vor / Liebesgeschichte „Leinsee“ ist frech, lebendig und einfühlsam /Berliner Autorin liebt die Atmosphäre im kleinen Laden

Wenn sie vorliest, bekommt man Gänsehaut

Archivartikel

Eppelheim.Im Grunde war die Lesung im „Eppelheimer Buchladen“ ein Heimspiel für Anne Reinecke. Die Autorin, die mittlerweile schon seit 20 Jahren mit Mann und Sohn in Berlin lebt, stammt nämlich aus Wiesenbach und ist im benachbarten Heidelberg aufgewachsen.

„Für mich ist das heute wie Weihnachten“, gab Inhaberin Christine Beil offen zu. Dass sie den Shootingstar der Leipziger Buchmesse in ihren kleinen, kuscheligen Laden locken konnte, freute sie enorm, hatte sie doch mit einer Zusage nicht wirklich gerechnet. Was sie aber nicht wusste: Reinecke liebt die Atmosphäre in kleinen Buchläden und kommt überdies zu einem Heimatbesuch gerne in die Region.

Beil hatte das Maximale an Zeit mit der Autorin herausgeholt. „Sie wird von uns später direkt zum Bahnhof gefahren“, ließ sie durchblicken. Eine Stunde war für die Lesung eingeplant, dann konnten noch Fragen an die Autorin gestellt werden und schließlich war genügend Zeit übrig, sich ihren Debütroman signieren zu lassen.

Zart und fast schon schüchtern wirkte Reinecke auf der braunen Ledercouch. Aber wenn sie liest, geht sie aus sich heraus, dann haben ihre Worte Sogwirkung. „Da bekommt man Gänsehaut. Das muss man durch Sprache erst einmal schaffen“, wusste Beil aus eigener Erfahrung zu berichten. Das Publikum ließ sich schnell gefangen nehmen von Reineckes Erstlingswerk „Leinsee“. Ihr Debütroman ist nicht nur eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, sondern auch eine Geschichte über das Weggehen und Ankommen im Leben. Es passte perfekt zum Themenschwerpunkt „Heimat“ der Buchwoche, die vom „Eppelheimer Buchladen“ unterstützt wird, und auch zum Buchwochen-Motto „Aufbruch zu neuen Ufern – vom Suchen und Finden“.

Frech, einfühlsam, lebendig und klug geschrieben zeigt sich das Erstlingswerk der Berliner Autorin. Ihre Hauptfigur ist Karl, Sohn eines berühmten Künstlerehepaares, der noch nicht einmal 30 ist und sich schon als Künstler in Berlin einen Namen gemacht hat. Doch seine Erinnerungen an seine Eltern sind nicht die besten. In deren Beziehung war kein Platz für ein Kind. Karl kam immer zu kurz, wurde ins Internat abgeschoben.

Erinnerungen an Kindheit stellen

Als Erwachsener muss er sich seiner Vergangenheit stellen und in seine frühere Heimat am Leinsee zurückkehren. Sein Vater hatte sich umgebracht, weil seine Frau schwer erkrankt war und er glaubte, ohne sie nicht weiterleben zu können. Durch diese Schicksalsschläge steht Karls bisheriges Leben plötzlich still. Ausgerechnet ein kleines Mädchen ist es, das ihn mit kindlicher Unbekümmertheit zurück ins Leben lockt. Die Kleine bringt Karl dazu, sich den Erinnerungen an eine einsame Kindheit zu stellen und entfacht dabei sein künstlerisches Schaffen.

Bevor sich Reinecke entschloss, den Roman zu schreiben, hat die heute 40-Jährige Kunstgeschichte und neuere deutsche Literatur studiert und bislang ihr Geld damit verdient, für verschiedene Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie als Stadtführerin in Berlin zu arbeiten. Für das Manuskript ihres Romans „Leinsee“ wurde sie mit dem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet. Außerdem wurde ihr Buch für den „Debütpreis“ der „LitCologne 2018“ nominiert. Erschienen ist ihr Erstlingswerk im Diogenes-Verlag. sge

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