Eppelheim

Josephskirche „Junger Singwoche“ gelingt mit anspruchsvollen Werken denkwürdiges Konzert / Kammerchor unter der Leitung von Alexander Gütinger präsentiert Musik aus fünf Jahrhunderten

Wunsch nach Frieden steht im Mittelpunkt

Eppelheim.Unter der Leitung des Dirigenten Alexander Gütinger gab der Kammerchor der „Jungen Singwoche“ in der Josephskirche ein Konzert, das sowohl vom Programm als auch von der künstlerischen Qualität her den Stempel des Exquisiten trug. Wie das Programmblatt informierte, trafen sich zum 19. Mal junge Sänger im Alter von 20 bis 40 Jahren in der Woche nach Ostern zum gemeinsamen Musizieren.

Unter dem Motto „Dona Nobis Pacem“ erarbeiteten sie ein anspruchsvolles, überwiegend geistliches Repertoire aus fünf Jahrhunderten A-cappella-Gesang. Wie ein roter Faden durchzog das Programm, als Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, der Wunsch nach göttlichem Beistand in Momenten größter Not. Die 14 Sänger, die in der Josephskirche auftraten, wurden vom Dirigenten zu einer zündenden Darbietung motiviert, ihr Gesang begeisterte das Publikum in der gut gefüllten Josephskirche mit Leuchtkraft und rhythmischer Präzision. Gleich zu Beginn legten die jungen Musiker mit „As by the streams of Babylon“ vom Dichter und Komponisten der englischen Spätrenaissance Thomas Campion (1567 – 1620) die Latte hoch. Eine starke Wirkung rief der Chor mit „Wie liegt die Stadt so wüste“ von Rudolf Mauersberger (1889 – 1971) hervor.

Erinnerung an Zerstörung Dresdens

Als Kantor leitete Mauersberger mehr als 40 Jahre den Dresdner Kreuzchor und führte ihn zu Weltruhm. Mit dieser eindringlichen Trauermotette gedachte er der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. Hervorragend, wie der gut vorbereitete Chor Erinnerung und Mahnung musikalisch umsetzte. Das Publikum war noch lange nach dem letzten Ton ergriffen und still.

Großen Eindruck machten die Sänger insbesondere bei den Liedern, bei denen sie sich bald als reiner Männerchor, bald als Frauenchor formierten. Unbestreitbar ist die Suggestionskraft, die von Hugo Distlers (1908 – 1942) Vertonungen von Mörike-Gedichten „Der Tambour“ und „Die Soldatenbraut“ ausgeht. Mit dem Opus 19, dem Mörike-Chorliederbuch, erregte Distler erhebliches Aufsehen, denn die spröde und eben deshalb so frisch wirkende Harmonik gab den Zuhörern Anlass, den Beginn einer neuen Chormusik-Epoche zu feiern.

Die zwei Motetten „Wie sind die Helden gefallen“ und „Herr, neige deine Ohren“, die Ernst Pepping (1901 – 1981) komponierte, wirkten – trotz der eher klagenden Texte – belebend freudig. Einen reizvollen Kontrast setzten die Frauen des Chors mit „Babylon‘s falling“ des 1941 geborenen Karl-Heinz Jäger und glänzten auch ohne den Dirigenten.

Über „Du sollst meine Füße auf weiten Raum stellen“ des jungen Komponisten Jens Uhlenhoff (geboren 1981) gelangte der Chor schließlich zum Höhepunkt des Abends, zur Aufführung der Choral-Kantate „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847). Dieser bedeutsame Komponist der Romantik empfand große Freude bei der Arbeit an Chorwerken nach Texten von Martin Luther. In Rom komponierte er fünf Werke, darunter die Kantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und das Chorwerk „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“. In der Interpretation des Chors waren die Schreie der hilflosen Menschen nicht nur zu hören, sondern geradezu körperlich zu spüren, so eindringlich erklang der mehrstimmige Gesang.

In das Konzept des Konzerts fügte sich bestens „Sanctus“ und „Across the Bridge of Hope“ des zeitgenössischen schwedischen Musikpädagogen und Komponisten Jan Sandström (geboren 1954) ein und „Peace“ von Paul Mealor (geboren 1975), die Vertonung eines Gebets Franz von Assisis. Obwohl der Text aus dem 13. Jahrhundert stammt, ist er bis heute aktuell: „Oh Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Dass ich Liebe übe, da wo man mich hasst; dass ich verzeihe, da wo man mich beleidigt; dass ich verbinde, da wo Streit ist . . .“

Am Schluss gab es großen Applaus für ein außergewöhnliches Konzert, das mit der Zugabe „Dona Nobis Pacem“ endete.

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