Hockenheim

Verkehr Besucher stehen rund um Hockenheim im Stau / Ab 15 Uhr geht’s nur noch im Schritttempo voran / Viele kommen zu spät, trotzdem bleibt alles friedlich

Anreise wird zur harten Geduldsprobe

Archivartikel

Zum Träumen hat der Mensch die Musik. Mit 90 km/h über alte Landstraßen zu fahren – das geht in Ed Sheerans Lied „Castle On The Hill“ mühelos. Geht es allerdings um eine Bundesstraße, die in Richtung Hockenheim führt, holt den Sheeran-Fan knallhart die Realität urbaner Infrastrukturgrenzen ein – je später desto gnadenloser. Die Anfahrt zum Open-Air-Großereignis wurde für tausende Konzertbesucher zur Gedulds- und Nervenprobe.

Die Situation war von früheren Megaevents auf dem Ring hinlänglich bekannt. Zuletzt ließ der Auftritt von AC/DC den Anreiseverkehr in dieser Weise kollabieren. Bei den Gastspielen der Böhsen Onkelz hatte die Campingfreude der eingeschworenen Fangemeinde die Situation entschärft.

Doch mit Wohnmobil oder Zelt rückte gerade mal ein Prozent der Besucher an: Die fürs Konzertcamping zuständige Hockenheim-Ring GmbH rechnete pro Tag mit maximal 1000 Gästen – bei der Formel 1 im Vorjahr (Gesamtbesucherzahl: 71 000) waren es 10 000 gewesen.

Zwei Stunden – auch aus der Nähe

An Empfehlungen von Veranstalter und Polizei, den Weg zum Motodrom frühzeitig anzutreten, mangelte es nicht. Das Polizeipräsidium riet sonntags auf seiner Facebookseite unter „Edventure“ auch Besuchern aus der Nähe, mindestens zwei Stunden für die Anfahrt einzuplanen. Und räumte mit der offenbar weit verbreiteten, aber nicht minder falschen Annahme auf, dass der Besitz einer Sitzplatzkarte mit einem reservierten Parkplatz in der Nähe verbunden sei – darauf hatten sich offenbar viele verlassen.

An beiden Tagen waren Straßen und Parkplätze um 14 Uhr wenig frequentiert, doch um 15 Uhr setzten schlagartig Stockungen ein – „Staus aus allen Richtungen“, lautete die Meldung samstags aus der Polizei-Einsatzzentrale. Aus Richtung Rheinland-Pfalz standen die Fans über neun Kilometer auf der Autobahn 61 zwischen Schifferstadt und Hockenheim, aus dem Norden waren es auf der A 6 vor der vor der Ausfahrt Hockenheim/Schwetzingen acht Kilometer, aus Richtung Süden betrug die Staulänge auf der A 5 kurz vor 16 Uhr rund drei Kilometer. Schon in der Gemeinde Ketsch begann das Stop-and-go-Geduldsspiel.

Am Sonntag standen die Autos auf der A 6 gegen 16 Uhr auf rund zehn Kilometern Stoßstange an Stoßstange, auf der A 61 ging es ab drei Kilometern vor der Ausfahrt nur stockend voran. Trotzdem hatte Polizeisprecher Dennis Häfner den Eindruck, die Appelle in den sozialen Medien hätten Wirkung gezeigt.

500 bis 600 Kräfte der Polizei und der Ring GmbH sorgten für Sicherheit und möglichst viel Fluss auf den Straßen und Parkplätzen. Die etwa 800 Securityleute, die der Veranstalter auf dem Motodrom einsetzte, hatten einen ruhigeren Job: Die Fans feierten friedlich – und nahmen auch die zeitraubende Rückreise gelassen hin. Denn wenn 100 000 Menschen fast zeitgleich wegwollen, greift kein Verkehrskonzept mehr – nur Rücksichtnahme.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional