Hockenheim

Pumpwerk Walldorfer Kabarettist verbindet in „Nur für kurze Zeit – alles gloffe?“ Klassiker mit neuestem Material / Humoristischer Rückblick auf Stadtgeschichte

Arnim Töpel bleibt bluesiger Botschafter der Heimat

„Schaffe und die Gosch halde!“ – die Kurpfälzer Variante von „ora et labora“ mag exemplarisch sein, für das, was die unnachahmliche Kohäsionskraft des wohl bekanntesten Blues-Philosophen der Republik ausmacht: Arnim Töpel ist ein Denker mit Schlabbgosch, ein zwar leiser, aber genau dadurch ins Mark treffender analytischer Geist, dem für den notwendigen Nachdruck im Zweifel sein Alter Ego „Günda“ zur Seite springt: „Ach Gott, bisch Du bleed!“

Bereits seit einer gefühlten Ewigkeit, zumindest aber schon eine ganze Generation lang sind die Auftritte des vielseitigen Walldorfer Kabarettisten, Fernseh- und Radiomoderators ein fester Meilenstein im Terminkalender des Hockenheimer Kulturzentrums „Pumpwerk“ und am vergangenen Samstagabend hat er nicht nur das kulturelle 2019 eingeläutet, sondern auch das Festjahr, mit dem die Rennstadt ihr 1250-jähriges Bestehen feiert: „Hoggene – herrlisch!“

Ein Genie wie Töpel schüttelt so ein Jubiläumsprogramm natürlich locker aus dem Ärmel – sein Solitär „Nur für kurze Zeit – alles gloffe?“ verbindet Töpel-Gassenhauer wie „Kaffee ohne Zucker“ oder „Kleine Ärsche“ (von dem man bei Youtube eine Aufnahme von 1995 finden kann, die wie eine Zeitreise wirkt), ein Blitzlicht aus seiner jüngsten Schaffensperiode mit den Kurpfalz-Krimis, vielen nachdenklichen und verblüffend zeitkritischen Seitenhieben wie „Du bisch keen Lijebeidl“ mit ein paar Fundstücken aus der Hockenheimer Geschichte. Es braucht einen klugen Kopf wie Arnim Töpel, um „Ich samml Babbedeggl“ zur Nachdenklichkeit, „Es is mir worschtegal“ zur Kritik und „Wer hod’n disch gschdumbt“ zur Gesellschaftsanalyse zu nutzen – und gleichzeitig noch an die ersten Zigarrenfabriken zu erinnern, das mehrfache Niederbrennen Hockenheims bis auf die Grundmauern mit unserer Zeit zu verbinden und den „Ochsewert Fuchs“ mit dem Töpel-Song „Helf ma mol“ als Sinnbild sozialer Verantwortung – und damit ein gutes Stück als Gegenentwurf zu unserer egomanen Zeit – zu präsentieren.

Vielfach ausgezeichnet

Schon seit seinen Anfangsjahren, als der Mann mit der wohl wärmsten, weichsten und angenehmsten Stimme des Landes noch als „Töpel Ohne“ durch die Lande zog war es immer genau diese Mischung, die seine Programme – erinnert sei an das legendäre „Sex ist keine Lösung“ oder „Mach doch de Babbe net struwwelisch!“ – prägten und die für zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Kleinkunstpreis, sorgten. Und doch war mehr als Ruhm und Ehre das Publikum der Motor für den inzwischen 60-jährigen; selten verabschiedet sich ein Künstler so herzlich und so verbindlich von seinen Gästen, wie Töpel das auch diesmal nach rund zweieinhalb Stunden unter frenetischem Jubel tat. Töpel ist, das hat er einmal mehr unter Beweis gestellt, ein beruhigender Fels in der Brandung verunsicherter Zeiten: „Du kannschs net heewe“ – niemand könnte treffender auf den Punkt bringen, was uns heute fehlt. Und zum Glück ist diese Stimme erhalten geblieben: Im vergangenen Jahr hatte er sich selbst aufs Glatteis geführt und „zerlegt, awer voll“. Gut, dass seine Fans ihn in den Zeiten nach Unfall und OP treu begeleitet haben – „Hauptsach die Gosch dud“.

Und so bleibt Arnim Töpel, was er seit vielen Jahren ist: Ein Mahner für das Nachdenken in bodenständiger Sprache, ein Blues-Gigant mit klaren Aussagen („Des Glick liegt knapp newa de Kapp“) und ein Botschafter für seine Heimat: „Bisch du a so gern vun do?“

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