Hockenheim

Hockenheim Ring Am Rand der Formula Student diskutieren Vertreter aus der Wirtschaft, Ingenieure und Funktionäre über Fahrzeuge, die ohne Fahrer auskommen

Autonomes Fahren als großer Schritt ins Ungewisse

Die Premiere der Formula Student Driverless (FSD) ist nur der Anfang eines Kapitels, dessen Vorwort schon geschrieben ist. Doch noch ist die Zielsetzung des Autonomen Fahrens eine Vision, für deren serienmäßige Realisierung es mutige Vordenker und Pioniere braucht. Dass sich das Organisationsteam der Formula Student genau in diese Rolle fügt, imponiert - dass sie diesen Vorstoß auch weiterdenken will, bewiesen die Verantwortlichen mit einer Diskussion am Rande der Rennwoche, die hochkarätiger kaum hätte besetzt sein können.

Für die Formula Student-Offiziellen ergriff Sebastian Hemer das Wort und machte deutlich, dass man nach der Implementierung von Elektrofahrzeugen 2010 mit der FSD den nächsten Schritt konkret ins Auge fassen wolle, um die wesentliche Herausforderung der Umwelterkennung so effizient wie zielstrebig in den Griff zu bekommen, "und den Fahrer damit vielleicht bald schon ersetzen zu können" - wenn das denn gewünscht sei.

Dass sich diese Vision zumindest aus Unternehmersicht hochinteressant darstellt, machte Bernhard Bihr, der die Geschäftsführung von Bosch Engineering als Vorsitzender leitet, eindeutig klar. So sei es gerade "die wegweisende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus Robotik und Maschinenbau", die bei kaum einem Projekt so je zustande käme, vielleicht jedoch gerade deswegen essenziell dazu beitrage, neu Erdachtes ehrlich kreativ umzusetzen. Reiner Friedrich, der bei BMW als Vice President für Autonomes Fahren verantwortlich ist, ging in seiner Wortmeldung sogar noch weiter und stellte für sich fest: "Projekte wie dieses zeigen uns, dass wir Unternehmen zukünftig als lernende Organisationen begreifen müssen. Wir werden es kaum noch erleben, dass wir nach dem Wasserfall-Prinzip heute ein Konzept aufschreiben und in fünf Jahren genau das gewünschte Ergebnis bekommen - das kann aber auch eine große Chance sein."

Parkplätze einsparen

Genau so sieht das auch Fabio Meier, der für das AMZ Racing Team aus Zürich gleich im ersten Jahr der neuen FSD-Serie die Herausforderung annahm und mit seinen Teammitgliedern einen Boliden konstruierte: "Wenn ich an autonomes Fahren denke, denke ich an Fahrzeuge, die intelligent miteinander vernetzt sind und an Baustellen vorbei manövriert werden können. Autos, die den Parkplatz in der Innenstadt nicht mehr brauchen werden, weil die eigenen Fahrzeuge ihren Fahrer autonom abholen werden - wenn sie es gerade benötigen." Sicherlich sei man von konkreten Gedanken solcher Art noch weit entfernt und die Annäherung an ein Loslassen von Kontrolle "ein großer Schritt ins Ungewisse", wie Fabio Meier konstatiert - "doch wenn die Sensoren adäquat funktionieren, werden wir mit den autonomen Modellen Fahrzeuge sehen, die schneller, genauer und effizienter reagieren können als der Mensch es je könnte", wie Steffen Hemer ergänzt.

Dass es zu Ausblicken wie diesen allen Anlass gibt, stellte BMW-Fachmann Reiner Friedrich auch zum Ende noch einmal klar. "Schon jetzt sehen wir, dass Elektromobilität eindeutig die Zukunft sein wird." Die Faszination des Autonomen Fahrens sieht Friedrich hier auf einer Linie.

"Zwar wird es anfänglich merkwürdig anmuten, keinen Fahrer mehr hinter dem Lenkrad zu sehen, doch wer sich vor Augen hält, dass große Bundesliga-Vereine heute eigene E-Sport-Abteilungen gründen, weil Menschen auch an dieser Art von Sport Gefallen finden, muss das mit dem autonomen Fahren nur konsequent zu Ende denken. Wenn die Menschheit das in der Breite wirklich haben will und sich damit Geld verdienen lässt, dann wird es sich auch durchsetzen." mer

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