Hockenheim

Salierbrücke Landwirte berichten von ihren Erfahrungen seit der Sperrung / Lösungswege kosten Zeit und Geld / Pfälzer Kollegen können Aufgaben übernehmen

Bauern sind verärgert über Umwege

Archivartikel

Als das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) die Sperrung der Salierbrücke angekündigt hatte, haben nicht nur Berufspendler und Pfalzausflügler die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Landwirte, die sowohl auf badischer als auch auf Pfälzer Seite Felder bewirtschaften, witterten gleich große Probleme. Mit ihren Landmaschinen können sie die Umleitung über die A61 nicht benutzen – müssen stattdessen einen zeitraubenden Umweg über Germersheim fahren.

Unsere Zeitung hatte im Vorfeld der Sperrung am 21. Januar ausführlich über die Nöte und Bewältigungsstrategien der Landwirte berichtet. Für die ersten dieser Landwirte beginnt bald die Ernte in der Pfalz. Verbessert hat sich ihre Situation in der Zwischenzeit nicht, wie haben sie sich mit der Situation arrangiert?

Umweg keine Option

Jochen Kief betreibt in der Seewaldsiedlung Viehwirtschaft. Ein Großteil seiner Ackerflächen befindet sich zwar in Baden, aber auch in der Pfalz bewirtschaftet er Acker- und Grünland, also Wiesen. „Ich miete Maschinen von Pfälzer Kollegen, damit ich meine Arbeit machen kann“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Umweg über Germersheim sei er auch schon gefahren, mit dem langsamen Traktor schlage die gute Stunde mehr an Fahrzeit aber zu sehr zu Buche. „Ansonsten versuche ich, wo es möglich ist, Arbeitsschritte einzusparen, und fahre mit dem Auto in die Pfalz“, sagt er.

Diese Methode erzeugt aber eben auch Kosten – „die Maschinen kriege ich nicht für einen Handschlag.“ Auch Auswirkungen auf den Ertrag spürt Kief, denn um Fahrten zu sparen, düngt er seine Felder in der Pfalz seltener. „Das nehme ich aber in Kauf, der Mehraufwand lohnt sich einfach nicht. Aber ein Verlust ist es auf jeden Fall.“ Sorge macht ihm noch die bevorstehende Heuernte. „Das Heu aus der Pfalz hätte ich schon gerne wieder als Viehfutter auf meinem Hof“, sagt er, „aber zwei-, dreimal mit dem Schlepper über Germersheim und wieder zurückzufahren, lohnt nicht wirklich.“ Ein engagiertes Lkw-Gespann könnte eine Lösung sein – „aber diese Kosten werden natürlich auch wieder ein Loch reißen“, sagt Kief.

Karl Merz bewirtschaftet den Lußhof in unmittelbarer Nähe zur Salierbrücke. Normalerweise kann er den Rhein also unmittelbar queren. Nun muss er regelmäßig früher anfangen und geht später in den Feierabend. „Mit dem Pkw ist es ja kein so großes Problem, über die Autobahn nach Speyer zu kommen“, sagt er, „aber mit dem Traktor fahre ich 42 Kilometer Umweg über Germersheim.“ Manchmal, so berichtet er, nimmt er auch die Kollerfähre - „aber das kostet auch jedes Mal 13 Euro.“ Montags und dienstags fährt die Fähre gar nicht.

Verschiedene Arbeiten lässt er von Kollegen in Speyer übernehmen. Dort bewirtschaftet er insgesamt 15 Hektar, zehn davon Wiesenflächen. „Nun steht die Heuernte bevor, das wird auch wieder ein Riesenaufwand“, sagt er. Aber man könne nicht wirklich etwas dagegen tun: „Man muss eben einen Kollegen finden, der etwas übernehmen kann. Aber das geht auch ins Geld und das erstattet einem keiner.“ Merz hat einen Antrag gestellt, wenigstens die Fährkosten ersetzt zu bekommen, ob der Erfolg hat, wird sich zeigen.

Gemüsebauer Karsten Großhans aus Reilingen bewirtschaftet in Otterstadt 100 Hektar Land - nicht der Großteil seiner Ackerfläche, aber doch ein nicht zu vernachlässigender. Bereits vor der Sperrung der Salierbrücke hatte er in neue Anhänger und Schlepper investiert, mit denen er die Autobahn befahren darf. „Die nützen mir aber erst bei der Ernte etwas“, erklärt er, „derzeit sind wir mit Aussaat und Pflege beschäftigt, mit diesen Maschinen können wir nach wie vor nicht auf die Autobahn.“

Radieschen fallen aus

Großhans findet es schade, dass sich niemand um die Belange der Landwirte kümmert. „Die Verbindung ist sehr mühsam“, sagt er. Auch die Fährzeiten der Kollerfähre sind für die Landwirtschaft nicht optimal - kein täglicher Betrieb und erst um 10 Uhr in der Frühe. „Es wäre schön gewesen, wenn man da etwas umstellen hätte können, damit wir wenigsten mit kleinem Gerät immer verlässlich rüberkommen“, bemängelt Großhans im Gespräch mit unserer Zeitung. Radieschen und Bundzwiebeln hat er auf seinen Pfälzer Feldern gar nicht erst ausgebracht – zu aufwendig die Pflege. „Früher sind wir einfach rübergefahren, wenn es gepasst hat“, sagt er, „diese Flexibilität fehlt jetzt – dafür haben wir mehr Kosten und mehr Zeitaufwand.“

Steffen Großhans (mit seinem Reilinger Namensvetter nicht verwandt) betreibt einen Hof in Hockenheim. Er ist außerdem Vorsitzender des Hockenheimer Bauernverbandes. „Es ist eigentlich genauso gekommen, wie ich es vor der Sperrung gesagt hatte“, nimmt er auf unseren Artikel vom Dezember Bezug, „wir haben in der Sache schnell gemerkt, dass wir als Landwirte da im Regen stehengelassen werden.“ Großes Thema für Großhans ist die Vermarktung seiner Kartoffeln in der Pfalz. Normalerweise fährt er sie direkt vom Feld im eigenen Transporter über die Salierbrücke zum Händler nach Waldsee. „Wir – vier Landwirte und ein Händler – haben uns nun zusammengeschlossen“, berichtet er. Auf seinem Hof steht ein Überlader, der die Kartoffeln von den jeweiligen Transportern auf den Lkw einer Spedition verlädt. So wird die Ernte dann in die Pfalz geschafft. „Der Arbeitsaufwand ist dadurch natürlich größer“, sagt Großhans, „das kostet Geld. Aber es ist nicht anders machbar – der zeitliche Aufwand eines Umweges wäre für uns noch teurer.“

Die Zusammenarbeit mit der Spedition funktioniere zwar gut, aber eben weitaus unflexibler, als die Kartoffeln selbst zu transportieren. Die Fahrten müssen eingetaktet und frühzeitig angemeldet werden. Teilladungen zurückzunehmen oder auf dem Rückweg noch Dünger oder Fließ nach Hockenheim zu bringen, ist nicht drin. Für Großhans verständlich, schließlich müssen die Speditionen genau planen und ihr großes Logistiknetz aufrechterhalten. Seine Arbeit erschwert es dennoch. „Wir haben uns schon darauf eingestellt, das drei Jahre lang so machen zu müssen“, sagt er, „ich persönlich schätze nicht, dass die Brücke Anfang 2021 fertig ist.“ Wie es mit den Arbeiten an der Salierbrücke derzeit aussieht, erklärt Volker Staudacker vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Arbeiten gehen derzeit gut voran, es kann an beiden Brücken (Vorland- und Strombrücke) zeitgleich gearbeitet werden.“ Als vorbereitende Maßnahme für den Einbau der verstärkenden Bewehrung des Überbaus der Vorlandbrücke werde der Konstruktionsbeton der Fahrbahnplatte derzeit per Hochdruckwasserstrahlung abgetragen. Die Arbeiten sollen bis Ende Juni abgeschlossen sein. Unter der Vorlandbrücke wird bereits der Einbau der zusätzlichen Bewehrung und der Spritzbetonverstärkung vorbereitet, sagt Staudacker.

Per Sandstrahl abgetragen

Den bleihaltigen Korrosionsschutz der Strombrücke trage man – vollständig einhaust – per Sandstrahlverfahren ab. „Das ausgediente und ebenfalls stark belastete Fahrzeugrückhaltesystem an der Strombrücke wird in mehreren aufwendigen Arbeitsschritten zurückgebaut. Im gesamten Baubereich der Strombrücke werden immer wieder Schutzeinhausungen zum Abtragen von Beschichtungen auf- und umgebaut“, erklärt Staudacker weiter. Als nächster Schritt ist der Einbau der zusätzlichen Bewehrung der Vorlandbrücke vorgesehenn. Im Bereich der Strombrücke beginnen die Stahlbauarbeiten zur Verstärkung des Kappenbereiches, auf dem das spätere Fahrzeugrückhaltesystem (Schutzplanken) montiert werden soll. Im Februar hatte sich herausgestellt, dass der Brückenbeton in viel höherem Maße als erwartet mit PCB belastet ist (wir berichteten). Dazu sagt Staudacker: „Die belasteten Bauteile wurden bereits großteils ausgebaut und werden sukzessive einer Entsorgung zugeführt.“ Bei der Schrankenanlage, die teilweise unerlaubtes Passieren der Brücke ermöglich hatte und mal Rettungsdiensten die Durchfahrt verweigerte, laufe es derzeit sehr gut, dem RP seien keinerlei Probleme bekannt, erklärt Staudacker.

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