Hockenheim

Dehoga Fast 100 Teilnehmer bei Seminar zu wichtigen Neuregelungen beim Thema Datenschutz

Bleibt Weihnachtsgruß erlaubt?

Archivartikel

Region.Wenn der Gastronom die Runde der feiernden Gesellschaft begrüßt, wird er sich mit seinem Team nicht nur um die kulinarischen Wünsche seiner Gäste bemühen, er hat auch, so ganz nebenbei, Daten seiner Gäste gesammelt. Zumindest vom Organisator des Fests liegen ihm Name, Anschrift, Telefonnummer, vielleicht auch E-Mail-Adresse und nach der Bezahlung Kreditkartennummer und ähnliches mehr vor. Wie er damit umzugehen hat, war Thema eines Seminars des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Sinsheim.

Die Frage ist derzeit in allen Branchen hochaktuell. Am 25. Mai tritt europaweit die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Deren Ziel ist die Vereinheitlichung eines hohen Datenschutzniveaus innerhalb der Europäischen Union. „Die Alltagsarbeit wird nicht einfacher für uns – im Gegenteil,“ meinte Lucy Jung von der Verwaltung der Stadthalle Hockenheim, denn die Verordnung gilt nicht nur in der Zusammenarbeit mit Gästen, sondern auch mit Geschäftspartnern.

Praxisferne der Regelungen

Im Falle der Stadthalle beispielsweise mit Agenturen und Künstlern sowie deren Managern und Bevollmächtigten. Das Team der Stadthalle war gut vertreten beim Seminar, auch Geschäftsführer Rainer Weiglein war dabei, der stellvertretender Dehoga-Kreisvorsitzender ist. Wie wichtig die neue europaweite Regelung für Hoteliers ist, zeigte die Teilnahme des Hotel-Motodrom-Geschäftsführers Richard Damian.

Die Regelung wurde als ein gutes Beispiel für mögliche Praxisferne solchen Vorgaben vorgestellt, die mit der Drohung von drastischen Bußgeldern bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes sich gleich zu Beginn Eindruck zu schaffen versuchen.

Kein Wunder, dass manches Kopfschütteln zu beobachten war unter den knapp 100 Teilnehmern. Der Dehoga-Kreisverband Rhein-Neckar hatte eingeladen und die Kreisverbände Karlsruhe und Heilbronn sowie der Neckar-Odenwald-Kreis waren mit dabei.

Dr. Robert Pomes vom Unternehmen „Priolan Datenschutz & IT-Sicherheit“ gab als Referent einen Überblick über die neue Rechtssituation. Der Jurist, Wirtschaftsspezialist und IT-Fachmann nannte die wichtigsten Eckpunkte, die zünftig im gesamten Bereich der Hotellerie und Gastronomie zu beachten sind und stand für eine Vielzahl individueller Fragen zur Verfügung.

Schnell beantwortet war die Frage, was das neue Datenschutzrecht (zusätzlich zur EU-Verordnung wird ein neues Bundesdatenschutzgesetz Anwendung finden) den kleinen und mittelständischen Unternehmen bringt. Laut Pomes nichts, außer einer Vielzahl von Bestimmungen, denen zudem eine gewisse Schwammigkeit anhaftet.

Sämtliche Überlegungen und Fragen des Seminars drehten sich um die Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten. Dabei geht es um Rechtmäßigkeit, Treu und Glauben und Transparenz, um Zweckbindung, Datenminimierung und Speicherbegrenzung. Schon die Aufstellung verdeutlicht, dass kaum wirklich klare Linien gezogen werden können.

Sobald Daten für den jeweiligen Zweck nicht mehr benötigt werden, sollten diese „in der Regel“ gelöscht werden. Löschen darf man sie aber nicht, wenn Fristen sich aus dem Gesetz wie etwa Handelsgesetzbuch oder Abgabenordnung ergeben.

„Hinter jeder Tür wartet eine neue“

Und Daten dürfen nicht „missbraucht“ werden. Ist der schriftliche Weihnachtsgruß des Hotels an einen Stammgast also noch erlaubt? Die typischen Juristen-Antworten, die mit „Es kommt darauf an . . .“ beginnen, machten den Teilnehmern deutlich, dass auf die Hotellerie und Gastronomie viele neue Aufgaben, Überlegungen und Arbeiten zukommen. Auf jeden Fall sollten sie ein Verzeichnis ihrer Verarbeitungstätigkeiten mit den Daten der Gäste führen, in größeren Unternehmen, bei denen mindestens zehn Mitarbeiter sich mit Gästedaten beschäftigen, ist ab Ende Mai ein Datenschutzbeauftragter Pflicht.

„Sie sehen, hinter jeder Tür wartet eine neue Tür“, meinte die Rhein-Neckar-Kreisgeschäftsführerin Melanie von Goertz in ihren Schlussworten, versicherte aber, dass der Dehoga-Verband sowohl mit Informationen und Broschüren als auch für persönliche Fragen seinen Mitgliedern zur Seite stehen werde.

„Gefahren lauern überall“, stellte Manfred Büch, Dehoga-Vorsitzender des gastgebenden Rhein-Neckar-Kreises, in seinem Schlusswort fest. Neben dem Risiko der behördlichen Kontrolle bestehe auch das Risiko einer anwaltlichen Abmahnung beispielsweise aufgrund einer unvollständigen Datenschutzerklärung auf der Webseite.

„Nehmen Sie sich die Zeit, machen Sie in Ihrem Interesse solche Stellen allesamt wasserdicht, das ist der Anfang der Minimierung der Risiken,“ gab Büch den Teilnehmern mit auf den Weg.

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