Hockenheim

OB-Wahl Kandidatin fordert Mobilitätskonzept zur Belebung der Innenstadt / Soziale Teilhabe in Gefahr / „Onlinehandel fördert das Ladensterben“

Bohn will die Autoindustrie mit ins Boot holen

Archivartikel

Shopping-Erlebnisse, die scheinbaren Konzepte zur Belebung der Innenstädte, rufen bei Lisa Bohn nur ein müdes Schulterzucken hervor, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Geheimwaffe gegen Ladenleerstände funktioniere sogar in Oberzentren nur noch mäßig.

Die unabhängige Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters sieht in Hockenheim ganz andere Lösungsmöglichkeiten. „Allein bei der Versorgung mit dem täglichen Bedarf scheitern ältere Menschen oder Personen ohne ein eigenes Fahrzeug schlicht an der Erreichbarkeit von Geschäften“, sagt Bohn. Sie würden gerne vor Ort einkaufen, aber wie hin- und wieder zurückkommen? Selbst der Weg zur Haltestelle für den City-Bus sei für manche schon eine unüberwindliche Distanz. Da bliebe dann häufig nur noch der Lieferservice, ein netter Nachbar oder die Unterstützung durch die Familie, um die Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu erhalten. Allerdings wohnen nicht immer Angehörige in der Nähe und brächten dann Milch, Kaffee, Toilettenpapier von den Märkten auf der Grünen Wiese mit. „Das schwächt den örtlichen Einzelhandel zusätzlich und erhöht gleichzeitig den Lieferverkehr. Ein neues Mobilitätskonzept muss her“, betont die 34-Jährige.

Das Einkaufen vor Ort sei wichtig für das Sozialgefüge in einer Kommune. Egal ob es sich um ein Oberzentrum wie Mannheim handele, ein Mittelzentrum wie Heidelberg oder ein Unterzentrum wie Hockenheim. Beim Einkaufen treffen sich die Menschen und tauschen sich aus. Ohne Auto sei eine wachsende Gruppe von der Teilhabe am öffentlichen Leben ausgeschlossen. Damit schließe sie auch die Teilnahme am Vereinsleben, kulturellen Veranstaltungen und Festen mit ein. Das betreffe nicht nur Hochbetagte, sondern auch Kinder, Jugendliche und sozial schwache Menschen, will sich Lisa Bohn für ein ökologisches und gleichzeitig praxistaugliches Mobilitätskonzept stark machen.

Internationalen Ruf verteidigen

„Gerade in Hockenheim, das mit der Rennstrecke einen internationalen Ruf zu verteidigen hat, muss es doch möglich sein, mehr Tempo bei der Umsetzung von zukunftsweisenden Mobilitätstechnologien an den Start zu bringen“, setzt Bohn auf die geballte Fachkompetenz der Autoindustrie, die regelmäßig in Hockenheim ihr Know-how testet und präsentiert. „Warum nicht Modellstadt für E-Mobilität der Zukunft werden?“, fragt Bohn. Sie sieht sich in der Pflicht, ein ganzheitliches Konzept vorzugeben. Sowohl für die Veranstaltungen des Rings als auch für die Besucher der Innenstadt. „Die Ausrede, ich kann nicht vor Ort einkaufen, weil es an innerstädtischen Parkplätzen mangele, gilt dann nicht mehr“, so Bohn.

Im Übrigen sei das Schließen von inhabergeführten Fachgeschäften auch dem Wandel der Einkaufsgewohnheiten geschuldet. „Wer im Internet kauft, trägt seinen Teil zum Sterben der Innenstädte bei. Wo Lieferwagen im Minutentakt die bestellen Waren bis vor die Haustür bringen, muss sich keiner wundern, wenn das gesellige Eisessen im Abgasnebel erstickt und Gespräche bei laufenden Motoren zur Brüllolympiade mutieren“, will die Kandidatin jetzt mit intelligenter Mobilität die Reißleine ziehen, „damit Hockenheim ein wunderbarer Ort zum Wohnen, Arbeiten und Leben bleibt – für Familien genauso wie für die ältere Generation“. zg

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