Hockenheim

Firmengeschichte In den 1970er Jahren scheiterte die Ansiedlung des schwedischen Möbelhauses nur knapp / Zeit der Katalogbestellung nähert sich dem Ende

Buchter: Hatten Ikea schon an der Angel

Auch das noch. Oder besser: auch das nicht mehr. Jetzt ist auch noch der Ikea-Katalog abgeschafft worden. Und das nach sieben Jahrzehnten. Gut, alles online, ist ja recht, geht ja auch. Oder man geht gleich ins Ladengeschäft. Zugegeben, Walldorf ist ja nicht allzu weit, Hockenheim wäre indes näher. Und Ikea war ja schließlich ganz nahe dran, nach Hockenheim zu kommen.

Schließlich war es das erklärte Ziel des Möbelmarktes Ikea, sich im Industriegebiet Talhaus niederzulassen. Der damalige Bürgermeister Dr. Kurt Buchter schreibt in seinen Memoiren, dass man schon sicher den schwedischen Möbelmarkt Ikea „an der Angel“ hatte. „Es hätte nur noch unserer Unterschrift bedurft“, schreibt Dr. Buchter weiter.

Und warum nicht? In Hockenheim hatte man eine hektische Zeit hinter sich. Ein langer Kampf um den Massa-Markt, der große Einkaufsmarkt, der nach Hockenheim wollte. Die Region Wiesloch befürchtete jedoch das Sterben ihres Einzelhandels und der Regionalverband unterstützte die Wieslocher Anliegen, man bezweifelte den Hockenheimer Bebauungsplan und Ähnliches mehr stand auf den Tagesordnungen.

Protestversammlungen, Pressekonferenzen, Radio- und Fernsehreportagen begleiteten die Streitigkeiten vor knapp fünf Jahrzehnten. Der Verwaltungsgerichtshof schaffte Klarheit, wies die Klagen von Wiesloch und dem Regionalverband ab und bereits zwei Tage später konnte der seit Längerem fix und fertig eingeräumte damalige Massa-Markt mit „Pauken und Trompeten“, wie Buchter es beschreibt, eröffnet werden.

Es ging um Arbeitsplätze

Wichtig war für Dr. Buchter, den Massa-Markt als potenten Steuerzahler nach Hockenheim zu holen, ansonsten hätte er sich eh ganz in der erreichbaren Nähe niedergelassen. Vor allem ging es aber auch um etwa 300 wichtige Arbeitsplätze, hauptsächlich für Frauen, und dies zu einer Zeit, in der absehbar und greifbar war, dass mit der Firma Neuhaus die letzte Zigarrenfabrik in Hockenheim schließen wird.

Massa-Markt hatte also eröffnet, Ikea ließ man ziehen, was es für Wirbel gegeben hätte, wenn man ein zweites großes Unternehmen mit weitem Einzugsbereich hier etabliert hätte, kann man rückblickend nicht ermessen. Ob es ein Fehler war, auf Ikea zu verzichten, kann man ein knappes halbes Jahrhundert später nicht mehr beurteilen.

Alles ist eben im Wandel, sogar die Katalogbestellungen etwa. Otto-Kataloge gibt es ja auch seit Jahren nicht mehr. Und andere Kataloge gleichfalls nicht mehr, weil es die „dazugehörenden“ Versandhäuser längst nicht mehr gibt. Und dabei war es doch irgendwie, sagen wir mal „gesellschaftsromantisch“, wenn man an die Sammelbestellungen denkt. Da war man doch eine verschworene Gemeinschaft, die Bestellenden und die Sammelbestellerin. Das ging natürlich nicht so ganz schnell, denn, wie der Name sagt, die Bestellungen mussten ja erst einmal zusammenkommen, also „gesammelt“ werden. Dann wurde bestellt und nach geraumer Zeit kamen die Pakete mit der Bestellung. „Des Paket isch kumme, ihr kennt mol vorbeikumme....“ oder so ähnlich hieß es dann oft am Telefon und manch ein Wohnzimmer wurde für ein paar Stunden zu einem kleinen „Einkaufsparadies“.

Man freute sich, „guck mol wie schää“ und natürlich auch „ach Gott, des passt jo gut“, denn schließlich ging es ja gleich in jeder Beziehung „zur Sache“. Kaffee stand wohl zumeist bereit, mit manch einem kühlen Schluck Sekt trank man wohl auch auf die neuen Errungenschaften. Man saß zusammen, pflegte Gemeinschaft und unterhielt sich und die meisten gingen zufrieden mit ihren „neuen Errungenschaften“ nach Hause.

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