Hockenheim

Marktplatz der Grenzüberschreitungen Im Kuriositätenbereich "El Barrio" holt sich so mancher Matapaloz-Besucher eine gestochene Erinnerung fürs Leben

Buntes Ü-Ei erinnert Benni ewig an Onkelz

Wenn Schmerz Genuss verheißt, ist der Wahnsinn meist nicht weit - und der Spruch der Grinsekatze zu Alice im Wunderland, wie er auch auf der Homepage des brandneuen Festivals prangt, formuliert es ohne Zweifel: "Wenn du nicht verrückt wärest, dann wärest du nicht hier." Das Matapaloz - ein Forum für Freaks?

Tatsächlich darf und sollte man genau das annehmen. Jedoch im bestmöglichen Sinne. Denn vollkommen gleich, welcher Couleur die Besucher sind, welche Piercings, Tattoos oder Frisuren sie tragen, sie alle haben ein Ziel: ein Bad im düsteren Meer dieser bestens vorbereiten Endzeit-Vision zu nehmen. Vor allem der separate Bereich "El Barrio" präsentiert sich dabei als Marktplatz programmierter Grenzüberschreitung, an dem Entscheidungen getroffen werden, die (fast) immer schmerzhaft sind und doch voller Wonne bleiben.

Denn wer nicht gerade Platz genommen hat, um statt konventioneller Pommes oder ewig gleicher Pizza ein Cidre Steak oder handgemachte Burger zu verzehren, genießt entweder die Pein der Freakshow-Künstler, für die Skrupel ein ausgelöschtes Wort zu sein scheint, oder erleidet sie selbst - beim Tätowierer.

"Zuspruch war echt der Wahnsinn"

Wer klassische Conventions kennt, der weiß, dass Tattoo-Artists von Weltformat schwer begehrt und nicht selten in Minutenschnelle ausgebucht sind. Bei der Tattoo- und Wildstyle-Messe war schon am ersten Tag kaum ein Künstler zu sehen, an dessen Scheibe noch nach Willigen gesucht wurde, die sich ihr Andenken für die Ewigkeit auf die Haut stechen lassen wollten.

Wie Björn von "Realistic Art Tattoo" uns im Gespräch wissen lässt, hat allein sein Team im Vorfeld des Festivals über 500 Anfragen per Mail bekommen - "der Zuspruch war echt der Wahnsinn", kommentiert der Tätowierer erfreut. Benni aus Singen kann sich da wirklich glücklich schätzen, durch seine frühe Anfrage mit seinem außergewöhnlichen Motiv noch einen Termin ergattert zu haben.

Denn der "Onkelz"-Fan und Liebhaber von Überraschungs-Eiern ließ sich seine "Auswärts-Überraschung" bei Björn auf die Wade tätowieren. "Die Idee habe ich schon seit ganzen 13 Jahren mit mir herumgetragen, habe aber immer mit mir gehadert, ob ich es wirklich machen will - und jetzt war einfach der richtige Zeitpunkt." In Björn fand Benni dafür genau den richtigen Mann, denn der passionierte Tätowierer fand das Motiv nicht nur "absolut großartig und kreativ", sondern legte in der dreieinhalbstündigen Arbeit auch einen Detailreichtum an den Tag, den man knappe 24 Stunden später selbst durch die Schutzfolie wunderbar erkennen kann. Richtig stolz strahlt Benni und ist bei Weitem nicht der Einzige, der den Schmerz für solch ein unvergessliches Motiv gerne in Kauf genommen hat.

Positive Stimmung aufgesaugt

Auch für die Tätowierer bleibt unter dem Strich ein absolut positives Fazit. Während manche Aussteller schon diverse Male auf Wildstyle-Messen mit von der Partie waren, ist die starke Präsenz von "Realistic Art" eine Premiere gewesen. Bei der es nicht bleiben soll: "Die ganze positive Stimmung hier saugt man geradezu auf. Es herrscht eine offene, persönliche Atmosphäre - es ist nicht zu leer, aber auch nicht überlaufen. Das ist wirklich zum Genießen. Und wenn man dann noch eine solche Wertschätzung für die Kunst erfährt, die man hier erbringt, ist das das größte Geschenk, das man sich nur wünschen kann."

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